Hüttenwirt sauer auf Gäste: Wer nicht anreist, muss künftig mehr zahlen
Auf der Rieder Hütte in Oberösterreich sorgt Ärger über Gäste, die reservieren und dann nicht anreisen, für Konsequenzen. Der Hüttenwirt erhöht jetzt die Stornogebühren.
Selbst Restaurants haben damit zu kämpfen, wenn Gäste die Reservierung nicht rechtzeitig stornieren oder einfach nicht erscheinen. Für Berghüttenwirte wird dieses Problem jedoch schnell zur echten Herausforderung.
So geht es auch Stephan Jobke, dem Betreiber der Rieder Hütte im oberösterreichischen Höllengebirge. In einem Facebook-Video äußerte er seinen Unmut und sah sich schließlich zu drastischeren Maßnahmen gezwungen: Er erhöhte die Stornogebühren.
Hüttenwirt ärgert sich über dreistes Verhalten von Gästen
„So kann es nicht weitergehen“, titelt Jobke seine Ansprache. Was in den vergangenen Wochen passiert sei, müsse nun offen angesprochen werden. „Ich kann so diesen Betrieb sehr schwer führen. [...] Absagen finden so kurzfristig statt, dass wir weder in unserem Personalmanagement noch im Wirtschaftsmanagement darauf reagieren können“, erklärt der Hüttenwirt. Auch der Österreichische Alpenverein appelliert an „verantwortungsvolles Reservieren“, nachdem 30 bis 40 Prozent der Reservierungen auf Alpenvereinshütten wieder storniert werden.
Im Vergleich dazu: „2022 lag die Stornoquote noch bei 15 Prozent“, so Carolin Scharfenstein von der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.
Urlauber reservieren Hütte und kommen dann nicht
Als eindrückliches Beispiel schildert Jobke einen Vorfall, der sich erst kürzlich zugetragen hat: 20 Gäste hätten reserviert, erschienen sind am Ende jedoch nur vier. Er ergänzt in der Videobeschreibung, dass Mitarbeitende teils eine zweistündige Anreise auf sich nehmen, dann aber wieder nach Hause geschickt werden müssen, weil deutlich weniger Gäste als angekündigt eintreffen. „Die Berge und auch alle Hütte sind keine Freizeitarena, die wir auf Knopfdruck oder Münzeinwurf einfach öffnen und schließen können“, betont der Hüttenwirt.
Wirt erhöht Stornokosten
Die sogenannten No-Shows, also Gäste, welche die Reservierung nicht wahrnehmen, ohne sie vorher zu stornieren, stellen auf Dauer ein massive Belastung für die wirtschaftliche Existenz des Betriebs dar. Aus diesem Grund sieht sich Jobke, der seit 2024 als Wirt auf der Rieder Hütte tätig ist, gezwungen, die Stornogebühren anzupassen.
Laut der Homepage der Hütte liegen die Kosten für Personen, die reservieren, jedoch nicht erscheinen und auch nicht rechtzeitig absagen, bei 48 Euro pro Person. Erfolgt die Stornierung ab dem fünften Tag vor dem Aufenthalt, müssen Gäste mit Kosten in Höhe von 35 Euro pro Person rechnen. Damit liegen die Stornogebühren der Rieder Hütte deutlich über der Empfehlung des Österreichischen Alpenvereins. Dieser rät zu einer Stornopauschale von 10 Euro pro Person und Nacht, wenn eine Absage ab fünf Tage vor dem geplanten Aufenthalt erfolgt. Dabei bezieht sich der Alpenverein jedoch auf durchschnittliche Nächtigungspreise von rund 15 Euro für Mitglieder im Matratzenlager.
Der Österreichische Alpenverein macht zudem auf ein weiteres Problem in Zusammenhang mit No-Shows deutlich: Wenn angemeldete Gäste ohne Nachricht nicht auf der Hütte eintreffen, besteht auch die Gefahr, dass sie in Bergnot geraten sind. „Das kann im Zweifelsfall eine größere Suchaktion auslösen“, heißt auf der offiziellen Webseite des Vereins.
Lebensmitteleinkauf orientiert sich an Reservierungen
Im Gespräch mit Merkur.de erklärt Jobke, dass hinter dem Betrieb einer Berghütte ein erheblicher logistischer Aufwand steckt, denn frische Lebensmittel müssen rechtzeitig organisiert und auf die erwartete Gästezahl abgestimmt werden. Und der Umfang der Bestellungen richtet sich dabei nun mal nach den reservierten Plätzen. Kommt es kurzfristig zu zahlreichen Stornierungen oder No-Shows, ist eine verlässliche Planung kaum mehr möglich. Besonders wichtig ist dem Hüttenwirt am Ende noch ein weiterer Punkt: „Es geht einfach um Wertschätzung.“
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