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Chronik Oberösterreich
10/09/2020

Rechnungshofbericht: Traunseetram schlichtweg zu teuer

Die Kosten übersteigen bei weitem den Nutzen. Nur 2.260 Menschen fahren im Schnitt pro Werktag mit der Bahn.

von Petra Stacher

Zu wenig Fahrgäste und damit schlichtweg zu teuer – zu diesem Urteil kommt der Rechnungshof über die Traunseetram. Heute, Freitag, wurde der Abschlussbericht veröffentlicht.

Etwa 18 Kilometer lang ist die Trasse der Traunseetram. Diese führt vom Bahnhof in Gmunden über die Innenstadt bis zum Bahnhof Vorchdorf. Weil sie in der Stadt Gmunden eine Straßenbahn ist, ab der Station Gmunden Seebad jedoch zur Lokalbahn wird, war eine 800 Meter lange Verbindungsstrecke nötig. 2018 wurde diese fertiggestellt.

Zu hohe Kosten

30 Millionen waren für das Projekt kalkuliert. 80 Prozent sollte das Land und 20 Prozent die Stadt Gmunden übernehmen. Gemäß Rechnungshof fallen jedoch im Betrachtungszeitraum von 2003 – Projektbeginn – bis 2030 Kosten von 169,07 Millionen Euro an. Davon wurden 78,94 Millionen in den Jahren der Errichtung (2003 bis 2018) aufgewendet. Der Bund zahlte dabei 20 Prozent, Oberösterreich 62 Prozent und Gmunden 10 Prozent.

Während sich die Kosten mit 4,05 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen, könne der Nutzen nur mit 1,43 Millionen Euro bewertet werden. Die Kosten übersteigen den Nutzen damit um das Dreifache.

Denn in der Zeit von Oktober 2018 bis September 2019 fuhren laut Bericht im Schnitt nur etwa 2.260 Fahrgäste pro Werktag mit der Bahn. Die Anzahl blieb damit unter den erwarteten 2.730 Fahrgästen. Wobei auch diese laut Rechnungshof deutlich unter der Leistungsfähigkeit eines Straßenbahnsystems liegen – könne dieses doch 20.000 bis 100.000 Fahrgäste pro Tag befördern.

"Es braucht günstigere Tickets"

Der Gmundner Bürgermeister Stefan Krapf (ÖVP) weiß über die Rechnungshof-Kritik Bescheid. „Es stimmt, dass die Frequenz nicht so ist, wie man es sich erwartet hätte.“ Zeitgleich macht er aber darauf aufmerksam, dass es für die Stadt nicht nur ein Mobilitätsprojekt, sondern auch ein Infrastrukturprojekt gewesen sei. „Wir haben die Traunbrücke bekommen, die sanierungsbedürftig war. Auch Kanal-Glasfaserverkabelung sowie Oberflächengestaltung seien gemacht worden. „Gmunden hat durch das Projekt jetzt ein besseres Erscheinungsbild“, ist Krapf überzeugt.

Zudem würden die Öffi-Möglichkeiten zum Klimaschutz beitragen.

Wie die Empfehlung des Rechnungshofs verfolge auch er den Ansatz, die Traunseetram für Bürger zu attraktivieren, und zwar mit günstigeren Tickets. Derzeit zahlt man je nach Zone 453 Euro für eine Jahreskarte „Man hört von der Bevölkerung, dass das die Preise einfach zu hoch sind“, so Krapf.

Landessache

Primär sei die Bahn aber eine Landesangelegenheit. Gespräche darüber gebe es bereits, ein Ergebnis nicht.

Bereits im Februar, als der Rohbericht publik wurde, sah sich Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) bestätigt: „Wir haben dieses Projekt damals abgelehnt, weil es gemessen am Nutzen viel zu teuer war.“ Steinkellner ist erst seit 2015 dafür verantwortlich, zu diesem Zeitpunkt war das Projekt aber schon im Bau.

„Die Vergangenheit interessiert mich nicht. Es geht nun darum, das Projekt Traunseetram langfristig zu attraktivieren“, sagt er. Bereits zu Beginn des Jahres sei ein Expertengremium damit beauftragt worden.

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