Pollhamer Marterl Roas

Idylle an der Polsenz © Bild: Josef Ertl

Wanderung. Genuss und Kultur im Hausrucker Landl, wo einst die Polleimer ihr Stammschloss hatten

Der kleine Ort Pollham unweit von Grieskirchen (Hausruckviertel) hat Interessantes zu bieten. Das namensgebende Adelsgeschlecht der Pollheimer ist zwar schon längst in den Wirren der Geschichte versunken, aber die 945 Einwohner der Gemeinde haben ihre kulturellen Spuren ausgiebig in der hügeligen Landschaft hinterlassen. Der neu angelegte Rundweg „Pollhamer Marterl Roas“ führt zu den schönsten Aussichtspunkten, Kapellen und Gedenkstätten.

Heimkehrer-Kreuz

Die am Gemeindeamt erhältliche Wanderkarte ist dafür ein exzellenter Führer. Zunächst geht es durch die Ortschaft Forsthof hügelwärts zu einem Heimkehrer-Kreuz. Es erinnert an die glückliche Rückkehr vom Krieg im Jahr 1945. Eine Orientierungsscheibe weist die Richtung zu heimatlichen Orten und auch zu fernen Städten.

Wir stellen das metallene Visierrohr in Richtung Kairo ein. Jenseits der friedlichen Frühlingslandschaft des Hausruckviertels kann man sich so eine ganz ferne Welt vorstellen, in die man sich jetzt allerdings gar nicht versetzen möchte.

Stammschloss

Am idyllischen Weg durch den Höhenrücken des Pollhamer Waldes entdeckt man keine Spuren des Stammschlosses der Pollheimer mehr, das sich hier befunden haben soll. Um das Jahr 1200 war dieses Adelsgeschlecht mit der Verwaltung des Gebiets zwischen Enns und Hausruck betraut. Der Familiensitz wurde schließlich nach Wels verlegt, wo er noch heute im Stadtzentrum zu besichtigen ist.

Eine kahle Stelle im ansonsten laubbedeckten Waldboden fällt auf. Ein Rehbock hat hier durch Aufschlagen der Hufe sein Revier markiert.

Hubertuskapelle

Dass die Jagd in dieser Gegend verbreitet ist, davon bezeugt auch die auf einer Blumenwiese auftauchende Hubertuskapelle. Sie befindet sich am Lieblingsplatz eines tödlich verunglückten Weidmannes. Bestens markiert wendet sich der Weg wieder ins Freie und führt durch mehrere Ortschaften des „Landl“, wie die Bewohner diese Gegend nennen.

Obstbaumalleen

Vorbei an stattlichen Bauernhäusern richtet sich der Blick auf fruchtbares Ackerland, immer wieder unterbrochen von Wiesen und Obstbaumalleen. Glückliche Schweine grunzen zufrieden aus ihrem Freilaufstall und erfreuen sich an der Frühlingssonne.

Tal der Polsenz

Ganz am Horizont grüßt der Höhenrücken des Hausruckwaldes. Dann geht es hinunter ins Tal der Polsenz. Das leise Plätschern des idyllischen Bächleins und die weiß-gelb-rote Blütenpracht lassen sich bei einer Rast auf einer Bank neben einem Teich erquicklich genießen.

Wenige Kilometer weiter wird das Gewässer in den Innbach münden. Immer wieder tauchen am Weg Marterl auf. Insgesamt sind es neun, nicht wie im Mühlviertel aus Granit, sondern regionstypisch aus Holz. Sie und weitere sechs Kapellen sollen an ein Unglück oder an die Errettung aus einem solchen erinnern. Ein Kreuz erinnert an den Tod zweier Nachbarn, die sich wegen Grundstreitigkeiten duellierten und dabei ihr Leben ließen.

Wirt in Egg

Dramatische Geschichten haben sich in der alten Zeit zugetragen. Nun haben wir eine Stärkung nötig. Da trifft es sich gut, dass der Rundweg beim Wirt in Egg vorbeiführt. Bier und Most schmecken köstlich im einladenden Gastgarten unter den Kastanienbäumen (Montag Ruhetag).

Es folgt das letzte Drittel des dreistündigen Rundwegs. Hier geht es durch eine besonders schöne Obstbaumallee. Umgeben von Frühlingsduft fühlt man sich als Wanderer inmitten der doppelreihigen alten Obstbäume geradezu beschützt. Purer Wandergenuss.

Weise Lehr’

So wird wieder der Ausgangspunkt in Pollham erreicht. Am alten Schulhaus aus dem Jahr 1891 mahnt eine Inschrift: „Wie die Biene für ihr Haus – Honig holt aus Blum’ und Blüth’ – Trage du von hier heraus – Weise Lehr’ und gute Sitt’.“

Eine Botschaft, in altertümlicher Sprache formuliert, aber wohl noch immer aktuell.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur

( kurier.at , josef.leitner ) Erstellt am 13.05.2018