Ursula Asamer ist Kräuterpädagogin und Natur- und Landschaftspflegerin

© Mara Pilz

Kräuter-Kolumne
04/16/2021

Pappelmilch, Massageöle, Salben

Jetzt ist Erntezeit für die Knospen. Von Ursula Asamer.

Seit dem botanischen Silvester am 31. August des Vorjahres sind die heurigen Blatt- und Blütenknospen auf unseren Bäumen und Sträuchern fertig ausgebildet. Über den Winter stellen sie zwar das Wachstum ein, sind aber im Erstfrühling zum Weiterwachsen und Öffnen bereit, sobald Sonnenlicht, Tageslänge und die Wärme dafür ausreichen. Die Erntezeit für Knospen ist je nach Region von März bis Mitte April. Generell sollte das Ernten immer bei frisch gefällten Bäumen oder abgebrochenen Ästen erfolgen.

Sparsame Entnahme

Die sorgsame und äußerst sparsame Entnahme ist auch am lebenden Baum überall dort möglich, wo es erlaubt ist. Baumeigentümer können vor allem die übermäßige Entnahme untersagen. Es kann auch ein Vorteil sein, Bäume im Sommer, wenn sie sicher an ihrem Blattkleid zu erkennen sind, zu orten und sich die Standorte zu merken. Knospen beinhalten wertvollste Wirkstoffe und Botenstoffe wie Phytohormone.

Die Volksheilkunde kennt Anwendungen aus den Knospen der Schwarzpappel und der Lungauer Balsampappel. Als Unguentum populeum gibt es eine schmerzstillende und entzündungshemmende Salbe aus den Knospen der Schwarzpappel seit jeher in Apotheken. Auch als Aufgussgetränk zur Linderung von Schmerzen im Rahmen von Rheumatherapien und bei Gichtanfällen haben sich die Schwarzpappelknospen bewährt. Kontraproduktiv können Anwendungen der Schwarzpappel bei Unverträglichkeiten und Allergien gegen Salicylate sein.

Lungauer Balsampappel

Eine Besonderheit sind die duftenden Knospen der seltenen Lungauer Balsampappel. Der balsamische wohltuende Duft weckt die Lebensgeister. Balsampappelknospen in Öl ausgezogen bieten sich als aphrodisierendes Massageöl an. Dazu benötigt man nur einige der harzigen Knospen und ein gutes kalt gepresstes heimisches Biospeiseöl für den Ölansatz. Die für einen Tag angetrockneten Knospen für 21 Tage ausziehen lassen. Das Öl in eine gefällige Flasche füllen und auf dem Nachtkästchen für alle Eventualitäten bereithalten. Die ölgetränkten Knospen können auf Zunderschwamm verräuchert werden, der süßliche harzige Geruch ist Balsam für die Seele. Als harziges Räuchergut können auch die abgeworfenen Knospenschuppen nach der Blattentfaltung verwendet werden, dazu muss nicht die ganze Knospe herhalten. Als abendlicher Schlaftrunk hat sich die aromatische Pappelmilch einen Namen gemacht. Einige Knospen in leicht erwärmter Milch bis zu 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und genießen.

Ursula Asamer ist Kräuterpädagogin und Natur- und Landschaftspflegerin

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