Ein Lkw-Fahrer war ungebremst in den Bus gekracht. Laut Polizei dürfte der Kroate durch sein Handy abgelenkt gewesen sein.

© APA/MANFRED FESL

Oberösterreich
03/29/2014

Nach Busunfall: Zwölfjähriger stirbt im Spital

Salzburger Ärzte verloren am Samstag den Kampf um das Leben des Buben aus Schwand im Innkreis.

von Michael Berger, Jürgen Pachner

Für den zwölfjährigen Florian M. gab es keine Rettung mehr. Der Bub erlag am Samstag seinen Kopfverletzungen. Florian war am Freitag in jenem Schulbus gesessen, der in Schwand von einem Lkw gerammt wurde.

Am Tag nach dem verheerenden Zusammenprall herrschte in der Gemeinde Bestürzung. "Wir bangen und beten um die schwer verletzten Kinder", sagte Bürgermeister Johann Prielhofer noch am Vormittag. Am Nachmittag bestätigten sich im Fall von Florian die schlimmsten Befürchtungen.

"Eine Katastrophe, ich weiß nicht, was wir ohne ihn machen", sagt Georg M., der Großvater des Schülers. Seine ebenfalls verletzte Enkelin Sarah, die Schwester des Buben, liegt noch im Krankenhaus Braunau. "Es ist alles ganz, ganz furchtbar."

Wie berichtet, hatte ein 48-jähriger Lkw-Fahrer auf einer Kreuzung eine Stopp-Tafel übersehen und war ungebremst in den Bus gekracht. Laut Polizei dürfte der Kroate durch sein Handy abgelenkt gewesen sein. 18 Hauptschüler und beide Lenker wurden verletzt. Ein Großaufgebot an Rettungs- und Feuerwehrleuten stand im Einsatz. "Mein Enkel Maximilian ist glimpflich davongekommen – er hat eine Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen erlitten", sagt Günther Lindlbauer. Er habe die Sirene gehört und sei mit dem Rad zur Unfallstelle gefahren, weil er wusste, dass der Enkel im Bus sitzt: "Was ich dort dann zu sehen bekam, war fürchterlich."

Hausarzt Peter Reichsöllner, der 150 Meter von der Kreuzung entfernt wohnt, traf als Erster am Unfallort ein. "Eine solche Tragödie ist das Schrecklichste, das man sich als Arzt vorstellen kann." Bei so vielen Verletzten, müsse ganz exakt überlegt werden, wo die Hilfe starte. "Es war eine Rettungskette zu organisieren und die Kinder mussten aus dem Gefahrenbereich." Um die geschockten Eltern konnte sich Reichsöllner erst im Anschluss kümmern. Besonders schwer erwischte es neben Florian einen 13-jährigen Buben und ein 14-jähriges Mädchen, die ebenfalls in Spitäler nach Salzburg geflogen wurden. Sie sind in Lebensgefahr. Florian erlitt bei dem Unfall ein massives Schädel-Hirn-Trauma. "Seine Eltern sind von den Ärzten ins Spital gerufen worden, wo über die Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte beraten worden ist – es gab keine Hoffnung mehr", erzählt sein Großvater.

Kreisverkehr

Bürgermeister Prielhofer appelliert an das Land, den Unfall zum Anlass zu nehmen, um den seit 15 Jahren geforderten Kreisverkehr endlich zu bauen. Landeshauptmann-Vize Franz Hiesl sieht aber keine Versäumnisse: "Die Gemeinde hat im Dezember 2000 die Einleitung eines Enteignungsverfahrens gegen zwei Grundstücksbesitzer abgelehnt, die horrende Forderungen stellten. An uns ist es nicht gelegen."

Handy-Nutzung soll in Strafpunkte-Katalog

100 Verkehrstote in den ersten 82 Tagen des Jahres (siehe Grafik). 2013 ließen im Vergleichszeitraum 72 Menschen ihr Leben auf Österreichs Straßen. Eine traurige Steigerung um 30 Prozent.

Dramatische Unfälle wie der Schulbusunfall von Freitag in OÖ oder die Tragödie auf einem steirischen Bahnübergang mit vier Toten rücken Konzentrationsdefizite bei Unfall-Lenkern in den Vordergrund.

Die zuständigen Ministerinnen, Johanna Mikl-Leitner(Inneres)sowie Doris Bures(Verkehr)wollen noch von keinem Trend sprechen, denken aber laut über Maßnahmen nach. Etwa die Handy-Benutzung während der Fahrt in den Strafpunkte-Katalog – wie etwa bei Rotfahrten – aufzunehmen.

Diese Einsicht kommt laut ARBÖ-Sprecher Kurt Sabatnig relativ spät: "Noch bei der Präsentation der Unfallbilanz 2013 definierte das Innenministerium fahrfremde Tätigkeiten als kaum relevante Unfall-Auslöser. Auch weil sie bei der Unfallerhebung schwer nachzuweisen sind. Trotzdem war diese Einschätzung falsch." (Die Unterlagen dazu liegen dem KURIER vor.)

Ähnlich argumentiert Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ): "Auch wir beobachten ein zunehmendes Aufmerksamkeitsdefizit im Straßenverkehr. Wer mit dem Handy telefoniert, reagiert so langsam wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille im Blut." Parallel dazu fordert Gratzer die Durchforstung des Schilderwaldes und eine Verringerung der Werbeflächen an den Straßenrändern. Vor allem im Kreuzungsbereich.

Kontroll-Hindernisse

Klaus Robatsch, Leiter der Forschungsabteilung im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), sieht das Problem der Fahrer-Ablenkung zu wenig kontrolliert: "Das sogenannte Kontrollhindernis hemmt Polizisten, Gurtenmuffel und Handy-Telefonierer anzuhalten und auch zu strafen. Denn viele Lenker dementieren bei der Anhaltung diese Vergehen. Die eigene dienstliche Wahrnehmung reicht dann vor Gericht oft nicht mehr aus. Der Lenker müsste bei der Anhaltung das Mobiltelefon quasi noch immer ans Ohr halten." In diesen Fällen könnten angeforderte Anruf-Protokolle den Sachverhalt beweisen. Wie etwa bei durch Telefonieren ausgelöste Unfälle.

Für Robatsch müssten Sicherheitsgurt-Ignoranten verstärkt zur Kasse gebeten werden: "Wären alle 2013 im Fahrzeug gesessenen Verkehrstoten angeschnallt gewesen, wären zwischen 60 und 80 Personen noch am Leben. Es gibt keinen Grund, sich nicht anzuschnallen."

Warm-up-Training

Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin vom ÖAMTC, macht neben der Reizüberflutung auch Selbstüberschätzung der Verkehrsteilnehmer für den hohen Blutzoll verantwortlich: "Motorrad- und Radfahrer sollten sich einem saisonellen Warm-up-Training unterziehen. Auch das Zeitmanagement vieler Lenker ist zu hinterfragen. Denn immer mehr Menschen lassen sich ihre Gespräche, egal, ob privat oder beruflich, ins Auto legen."

Betreffend Fahrtechnik-Trainings setzte das Verkehrsministerium für heuer ein Zeichen. Jeder Motorradfahrer erhält für ein Warm-up 20 Euro Zuschuss. Und ab 1. Juni tritt eine StVO-Novelle in Kraft. Ab diesem Stichtag dürfen Lkw über 7,5 Tonnen die 3. und 4. Autobahnspur nicht mehr befahren.

Im Vorjahr kamen erstmals auf heimischen Straßen mit 453 Todesopfern weniger als 500 Menschen ums Leben. 1972, im schwärzesten Jahr der Unfallstatistik, waren es 2948. Für die nahenden Osterfeiertage kündigt die Exekutive flächendeckende Kontrollen an.

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