Chronik | Oberösterreich
01.07.2017

Love, Peace und Blasmusik

"Woodstock der Blasmusik" beschert rund 50.000 Fans Musik-Event der Superlative mit 1000 Akteuren.

Der aufblasbare Weihnachtsmann samt Christbaum zieht viele Blicke auf sich. Steve Doll aus dem deutschen Mainz erklärt die ungewöhnliche Dekoration seines Caravans: "Für uns ist das hier jedes Mal Weihnachten." Gemeinsam mit seinen Musikerfreunden ist er beim Woodstock der Blasmusik im oberösterreichischen Ort im Innkreis Stammgast.

Auf einem etliche Hektar großen Areal am Ortsrand geht an diesem Wochenende Europas größtes Blasmusik-Festival über die Bühne. 100 Top-Musikformationen mit 986 Musikern werden bis Sonntag für Konzertspaß von Polka, über Marschmusik bis zu Soul und Jazz sorgen. Mit dabei sind Weltstars wie der Top-Trompeter James Morrison oder die New Yorker Formation "Moop Mama". An die 50.000 Besucher aus halb Europa feiern mit.

Eine riesige Campingstadt umsäumt das Festgelände mit fünf Bühnen im Freigelände und in zwei Stadeln. Mittendrin sogar ein eigener Zeltsupermarkt, sowie sechs Geldwechselstuben. Am Areal wird "cashless" bezahlt.

Woodstock-Tracht

Was dem Besucher hier sofort ins Auge sticht ist die kunterbunte Kleidung: Lässigen Strohhut, Lederhose und Dirndlelemente trägt fast jede(r). Das Du-Wort ist so selbstverständlich, wie das Bier, das in Strömen fließt. Der Veranstalter ließ sogar eigenes Bier abfüllen. Vor dem großen Eigenbauzelt des Musikvereins Steinerkirchen/Traun werden das belgische Brüderpaar Dany und Toni sowie ihre Freunde von Michael Öchenbauer (Spitzname Öki) bewirtet. "Respekt. Die Belgier sind 13 Stunden angereist. Die sind gut drauf", schildert Öki. Zwischen Zuprosten und Plauderei wird immer wieder spontan aufgespielt. Auch Benedikt Stadler aus Pfarrkirchen im Mühlkreis und seine Freunde zücken immer wieder ihre Instrumente. Er ist vom " Woodstock" begeistert: "Ich glaube, ich bin jetzt schon zum sechsten Mal dabei", sinniert er.

Musikanten

Nicht peitschende Bässe, wie man sie von Festivals wie dem Nova Rock oder Frequency kennt, sondern die satten Töne des tiefen Blechs und die hellen Sounds der Trompeten dominieren das akustische Geschehen in den Camping-Zonen. Zwei Drittel der Gäste sollen selbst Musikanten sein, die beim Woodstock die junge freche Facette der Blasmusik ausleben. Höhepunkt ist das riesige Gesamtspiel am Samstagnachmittag, bei dem im Vorjahr 8000 Blasmusikerin einer einzigen Mega-Kapelle zusammen musizierten.

"Es ist einfach gewachsen und jetzt hat das Festival eine tolle Fahrt aufgenommen", freut sich Simon Ertl aus St. Martin/Innkreis. Der Erfinder und Organisator des Events vereint in seiner Person die Elemente der jungen Blasmusik. Als studierter Musiker ist der Manager selbst Mitglied der bekannten Brass-Formation "MaChlast". Beim Festival tritt Ertl nebenbei selbst drei Mal auf.

Dass in Österreich laut dem Präsidenten des Bundesverbandes Horst Baumgartner von einem Blasmusik-Boom gesprochen werden kann, liege an der steigenden Qualität der Musikschulen, aber auch an Festivals wie dem Woodstock. 140.000 Musikanten marschieren derzeit österreichweit in 2100 Kapellen auf. Das Woodstock-Motto "Love Peace und Blasmusik" wird dort freilich von den Kapellmeistern ganz anders interpretiert als derzeit in Ort.