Das Bedienen von Gästen und Kenntnisse über Geschirr und Co. erlernen Martin Oberhollenzer und Susanne Schwarz (M.) von ihren beiden Lehrern (li. u. re.).

© Lukas Leonte

Chronik Oberösterreich
07/05/2020

Little Britain: Wie wird man eigentlich Butler?

Lernen, um zu dienen. Zum ersten Mal findet auf der Burg Clam im Bezirk Perg eine Butler-Schulung statt. Der KURIER war vor Ort und bekam dabei einen Einblick in eine vergangen geglaubte Welt.

von Petra Stacher

Fast ohne Mucks tritt ein Mann in Frack und weißen Handschuhen neben den Tisch. Auf der einen Hand balanciert er ein Tablett. Von diesem nimmt er eine Kanne aus feinstem Silber und gießt den Frühstückstee in eine Porzellantasse.

Der Südtiroler Martin Oberhollenzer (30) will Butler werden. Seit einer Woche besucht er die Butler-Schule. Die Ausbildung wird nun erstmals auf der Burg Clam (Perg, OÖ) angeboten. „Es ist ein tolles Ambiente“, sagt Claudia Schlegel, während sie das Porzellanservice vom Tisch nimmt und elegant vom Tee nippt.

Sie gründete 2010 das „Butler Bureau“, schult etwa zweimal im Jahr Butler und sucht sich dafür exklusive Orte.

Und ja, das Ambiente der Burg ist perfekt dafür. Es fühlt sich an, als tauche man in eine andere Welt ein: die verzierten Schränke, die Polstermöbel, die geschnitzten Beistelltische, die pompösen Bilderrahmen.

Jedes Stück in dem Rittersaal der Burg scheint ein Stück Geschichte erzählen zu wollen.

Alleskönner

Diese kennt vor allem einer: Burgbesitzer Carl Philip Clam, der soeben den Raum betritt. Sofort bietet ihm der Butler ein Erfrischungsgetränk an. „Normalerweise lege ich selbst Hand in der Burg an. Butler habe ich sonst nicht“, erzählt der Burgherr.

Eine „Win-win-Situation“ also: Die Räumlichkeiten gegen vier Butler – zwei Lehrer und zwei Schüler. Auch wenn diese vorwiegend mit Unterricht beschäftigt sind, hofft Clam im Zuge des Chauffeur-Unterrichts auf ein geputztes Auto.

„Für Sie können wir das heute auch erledigen“, bietet Oberhollenzer seine Dienste an, während er abrufbereit neben dem Tisch steht.

"Butler sind Allroundtalente"

Diese Aufgabe ist für ihn sicherlich keine Schwierigkeit: Oberhollenzer ist gelernter Maurer und Koch, zusätzlich erhält er in den sechs Wochen Praxis zahlreiche neue Kenntnisse: „Butler sind Allroundtalente. Sie sind Hausmanager und lernen viele Berufe“, sagt Schlegel.

So unternehmen sie Ausflüge zu Herstellern von Luxusartikeln: Beim Juwelier lernen sie, wie man mit teurem Schmuck umgeht, in der Porzellanmanufaktur, wie man das Geschirr schonend putzt. „Wir besuchen sogar Louis Vuitton, um die Handhabe des Reisegepäcks zu lernen“, sagt Schlegel.

Passion zu Verwöhnen

Exklusivität – das schätzt Susanne Kathrin Schwarz (38) aus Deutschland am Beruf des Butlers. Damit ihr Traum wahr wird, übt sie fleißig im Nebenraum, wie Teller richtig eingestellt werden. „Ich will reisen, Häuser verwalten und vielleicht in einem Haushalt mitleben“, sagt Schwarz. Ein Privatleben stelle sie sich – trotz des Arbeitsrechts – schwierig vor.

Oberhollenzer, der noch immer wie eine Statue neben dem Tisch steht und wartet, dass jemand etwas benötigt, strebt eher den Butlerservice in einem Chalet eines Luxushotels an. In einem Haushalt zu leben, könne er sich nur vorstellen, wenn seine Freundin, die Köchin ist, auch eine Anstellung erhalte. Für andere Menschen ein Stück des eigenen Lebens aufzugeben, ist für beide kein Problem: Es sei ihre „Passion“.

3.500 Euro brutto

80 bis 100 Butler gibt es in Österreich. Das Einstiegsgehalt beträgt 3.500 Euro brutto. „Die Anstellung müsse man sich leisten können“, sagt Schlegel. Bei 133.000 Millionären sei der Markt am Wachsen.

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Diskretion und Loyalität sei den Arbeitgebern wichtig.

Letzteres ist besonders zu spüren, jede Geste des Hausherrn oder des Gasts wird beobachtet. „Es ist wie ein schöner Tanz, wie Ballett“, sagt Oberhollenzer – ein Gleiten durchs Haus, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Von der Verfasserin dieser Zeilen war ihnen diese an jenem Tag aber gewiss. So wurde sie nach dem Tee aus der Burg geleitet und hinter ihr schlossen sich die Tore zu einer Welt, die sie sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Generationen
Im Jahr 1149 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Seit 17 Generationen lebt die Familie Clam auf der Burg

Größe
Das Gemäuer der Burg mit über 100 Räumen umfasst rund einen Hektar. Das gesamte Gelände ist etwa 100 Hektar groß

Veranstaltungen
Bekannt ist die Burg vor allem für ihre zahlreichen Veranstaltungen. Viele internationale Künstler traten dort bereits bei Live-Konzerten auf. Die Burg selbst kann auch besichtigt werden. Die aktuellen Öffnungszeiten und Informationen sind hier abrufbar.

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