Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

"Leute geben gerne Geld aus"

Weihnachtsgeschäft: "Der Handel kennt keine Krisen", sagt Werner Prödl, Leiter des Passage Linz. Es wird ungebremst eingekauft.

Werner Prödl leitet seit Jahren das Passage Linz. Der 65-Jährige ist ein engagierter Verfechter der Linzer Innenstadt und des City-Rings.

KURIER: Wie waren im heurigen Jahr bisher die Umsätze?
Werner Prödl: Das Jahr ist bis dato gut bis sehr gut verlaufen. Im Spätherbst gab es kurz eine kleine Flaute. Das hing mit dem schönen Wetter zusammen, da sind die Leute lieber spazieren und in die Berge gegangen. Der November ist sehr gut, egal ob Elektronik oder Textilien. Und wenn der erste Schnee fällt, strömen die Kunden sofort in die Sportgeschäfte. Das Emotionale wird im Handel immer wichtiger. Wenn es draußen kühl und kalt wird, kaufen sich die Leute ihre Wintersachen. Wenn im Frühling die ersten Sonnenstrahlen da sind, sitzen sie auf der Dachterrasse und kaufen neue luftige Bekleidung.

Der Einkauf wird immer kurzfristiger?
Die Kaufentscheidung wird immer kurzfristiger getroffen. Das ist ein Erfolgsfaktor der Linzer Innenstadt der vergangenen Jahre.

Was erwarten Sie sich vom Weihnachtsgeschäft?
Das vergangene Jahr war außerordentlich erfolgreich. Wir hatten Zuwächse zwischen acht und 15 Prozent. Das noch zu toppen ist gar nicht mehr möglich. Man muss auch Grenzen des Wachstums respektieren. Wenn wir heuer die Umsätze des Vorjahres erreichen, dann ist das ein Bombenerfolg. Wir dürfen nicht glauben, dass die Zuwächse so munter weitergehen.

Die Prognosen der Fachleute sind ernüchternd. Sie reichen von einer Rezession bis zu einem maximalen Wachstum von 0,8 Prozent. Merken Sie bereits eine Zurückhaltung beim Kauf?
Im Gegenteil. 2008/2009 war das Jahr der Wirtschaftsrezession. Dennoch haben wir Umsatzzuwächse verzeichnet. Viele unserer Partner haben gesagt, wenn die Krise so aussieht, dann darf sie ruhig andauern. Es ist viel Geld in den Konsum geflossen. Die Leute wollten keine Aktien, Sparguthaben waren ihnen auch zu unsicher. Sie sind in den Konsum geflüchtet. Diese Krise hat dem Handel vor allem in der City, also dort, wo Kunden mit höherer Kaufkraft sind, überhaupt nicht geschadet. Wir haben rein gar nichts gemerkt.

Das heißt, Sie gehen trotz negativer Prognosen optimistisch ins Jahr 2012.
Wir gehen optimistisch hinein. Wir sind froh, dass es so gute Lohnabschlüsse gegeben hat. Diese sichern uns die Kaufkraft.

Hohe Abschlüsse wirken sich bei Ihnen aus?
Ja, selbstverständlich. Wenn die Leute Geld zur Verfügung haben, geben sie es auch gerne aus. Wir merken auch, dass die Umsätze am Monatsanfang ausgeprägter sind, speziell seit den vergangenen zwei Jahren. Wenn es dann im Laufe des Monats knapper wird, wird auch weniger ausgegeben.

Psychologie spielt beim Kaufen eine Rolle. Wie groß ist sie wirklich?
Im Unterbewusstsein ist sie sehr sehr groß. Wenn man die Menschen fragt, sagen sie zwar, sie kaufen rational, aber in Wahrheit ist es wesentlich anders. Wir alle leben mit unseren Sinnen. Wenn die Menschen etwas ganz besonders präsentiert bekommen, wenn sie eine besondere Atmosphäre spüren, dann haben sie eine andere Stimmung. Und wenn ich in Stimmung bin, bin ich auch eher bereit zu kaufen.

Wir leben in einer Konsumgesellschaft, Einkaufen ist ein Erlebnis, oder?
Dieses Erlebnis kann kein Internet vermitteln. Das kann nur der Handel, der es allerdings gut machen muss. Das kann ein Einkaufszentrum vermitteln, dass kann eine Innenstadt machen wie die Linzer City. Wir verkaufen die Linzer City seit Jahren als das größte Einkaufszentrum Oberösterreichs. Diese Innenstadt kann durch nichts künstlich ersetzt werden. Das macht uns so sympathisch, das macht unseren Erfolg aus. Seit acht Jahren verzeichnen wir in der Landstraße ständig Zuwächse. Damit haben wir auch in der Passage eine höhere Frequenz.
Unsere Philosophie ist: Wenn es der Landstraße gut geht, geht es auch dem Passage gut. Deshalb tun wir sehr viel, um die Landstraße zu stärken. Die beiden sind kommunzierende Gefäße. Wir haben in der City aufgehört, uns gegenseitig zu bekämpfen und uns als Konkurrenten zu sehen.
Groß und klein müssen zusammenhalten und die Linzer Innenstadt bespielen. Wir sind nach Wien die zweitbeste Einkaufsmeile Österreichs.

Es gibt aber auch Shoppingcenter, die gut laufen.
Sie laufen nicht nur gut, sie sind auch gut. Wobei wir nicht so viele Shoppingcenter haben, die gut laufen. Es wird immer Kunden geben, die sagen, ich bin ein Shoppingcenter-Käufer, aber es gibt viele, die sagen, mich bekommt man nicht einmal mit einem Pferd in ein Shoppingcenter.
Dazwischen ist der Wechsel-Kunde, um den wir uns bemühen. Wir müssen ihm beweisen, dass die Innenstadt mindestens auch das kann, was ein Shoppingcenter kann. Unsere Aktivitäten zeigen Wirkung.

Vor allem in den USA gibt es einen starken Trend zum Kaufen im Internet, zum Beispiel im Buchhandel.
Das Internet ist für manche Produkte eine bequeme Art des Kaufens. Manchmal ist es auch mit Preisvorteilen verbunden. Das ist eine Tatsache. Man kann aber im Internet nur bestimmte Sachen kaufen. Es fehlt die Auswahl. Man kann die Sachen nicht anschauen, sie nicht probieren und sich nicht beraten lassen.
Es besteht eine gewisse Gefahr, dass man einmal "einfährt", denn es gibt unsichere Plattformen. Man muss vorsichtig sein, dass nicht der Geiz die Triebfeder wird. Es werden zum Beispiel Autos angeboten, die dann gar nicht geliefert werden. Gefahrenquellen gibt es auch bei Reiseanbietern. Manchmal wird etwas angeboten, was dann im Urlaub vor Ort ganz anders ausschaut. Das sind alles Dinge, die der örtliche Handel und Dienstleister eindeutig besser machen.