Chronik | Oberösterreich
06.01.2018

Küssen Sie sich gesund! Auch bei Herpes

Fieberblasen - Ein geschwächtes Immunsystem lässt die Virus-Infektion ausbrechen

Ich hoffe, Sie sind gut im neuen Jahr angekommen. Für viele meiner PatientInnen hat 2018 nicht optimal begonnen, weil sie von einem Magen-Darm-Infekt oder einer schweren Verkühlung niedergestreckt wurden. Auch ich bin gebrandmarkt – in Form einer großen Fieberblase. Ich werde zwar nicht oft davon heimgesucht, aber ich kann das Auftreten beinahe vorhersagen: Wenn ich leicht angeschlagenen in den Bergen unterwegs bin.

Wie kann das sein? Nun, Fieberblasen sind der Ausdruck einer Virus-Infektion, nämlich mit dem sogenannten Herpes simplex. Simplex steht für einfach, denn leider Gottes gibt es auch noch kompliziertere Varianten und "Herpes" leitet sich vom altgriechischen Wort für Kriechen ab – weil die Ausbreitung der Bläschen eben kriechend verläuft. Hatte unser Körper einmal Kontakt mit diesem Virus, bleiben einige für immer in unseren Nervenfortsätzen. Ist unser Immunsystem geschwächt, wodurch auch immer, wandern die Viren entlang unserer Nerven wieder bis zur Haut und ärgern uns von Neuem. Was unser Immunsystem schwächt, wissen wir: Stress, zu wenig Schlaf, ungesunde Ernährung, starke Sonneneinstrahlung, aber natürlich auch Infektionen durch andere Keime.

Was können wir dagegen tun? Zum einen vorbeugen. Ist es dafür zu spät, gibt es Medikamente. Ähnlich wie Antibiotika bei bakteriellen Infekten gibt es Mittel gegen Herpes-Viren. Tabletten oder Infusionen werden nur bei sehr starkem Verlauf eingesetzt, während Salben weit verbreitet sind. Ich persönlich halte nicht sonderlich viel davon und ziehe es vor, pflanzliche Wirkstoffe und Nahrungsergänzungsmittel zu verwenden. Sobald ich dieses typische Jucken verspüre, nehme ich Zink und die Aminosäure Lysin ein . Meistens reicht das aus. Entsteht doch ein Bläschen, beträufle ich dieses mit Teebaumöl. Sobald das Abheilen beginnt und die Stelle aufzureißen droht, creme ich mit Zistrosenbalsam. Leider habe ich, was die Therapie betrifft, eine schlechte Nachricht für Sie. Während der ganzen Zeit sollten Sie Schokolade und Nüsse meiden. Diese Lebensmittel enthalten hohe Konzentrationen der Aminosäure L-Arginin, welche das Virenwachstum fördert. Sie müssen sich während Ihrer Krankheit also mit etwas anderem trösten.

Alle erwähnten Tipps entsprechen nicht der "Evidence Based Medicine", das bedeutet, in internationalen Richtlinien werden weder Teebaumöl noch Zistrosen erwähnt, allerdings gibt es Unter suchungen, die deren Wirksamkeit unterstreichen.

Einen Mythos über Fieberblasen kann ich abschließend und durch Studien untermauert entkräften. Da die Viren ohnehin in unserem Nervensystem sitzen und wir Erwachsene alle schon Kontakt mit Herpes hatten, stecken wir uns bei körperlichem Kontakt mit einer infizierten Person nicht an. Also, küssen Sie sich gesund!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Sport- und Ernährungsmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell