Chronik | Oberösterreich
14.01.2018

"Kritische Entwicklung beim Rauchen"

Die Landesrätin ist mit den Plänen der Bundesregierung nicht zufrieden.

Christine Haberlander (36) ist seit Anfang April 2017 Landesrätin für Gesundheit, Bildung und Frauen.

KURIER: Sie hätten die Möglichkeit gehabt, Ministerin zu werden. Warum haben Sie das nicht angenommen?

Christine Haberlander: Mein Name tauchte lediglich in mehreren Medien auf. Das war ein rein mediales Phänomen.

Sie und Landeshauptmann Thomas Stelzer haben kritisiert, dass das vollständige Rauchverbot in Lokalen nicht kommen wird. Nun startet die Ärztekammer ein Volksbegehren, damit das Rauchverbot doch kommt.

Ich habe mit Vertretern der Ärztekammer bereits darüber gesprochen, der Text muss erst finalisiert werden. Wir müssen die Menschen vor dieser Sucht schützen. Ich begrüße die Prävention, die geplant ist. Dazu hat sich die Gesundheitsministerin bereits bekannt. Auch, dass Rauchen unter 18 Jahren verboten ist. Denn es ist das Beste mit dem Rauchen erst gar nicht anzufangen.

Das Rauchverbot ist für Sie ein wesentlicher Punkt?

Aus Gesundheitssicht auf jeden Fall. Alle Maßnahmen, die dazu beitragen, dass man einen gesunden Lebensstil pflegt, Krankheiten vermeidet und Risikofaktoren minimiert, sind wichtig. Deshalb sehe ich die Entwicklung kritisch.

Die oberösterreichische ÖVP könnte auf Ihre Abgeordneten im Nationalrat Einfluss nehmen, damit sie hier dem Regierungsvorschlag nicht folgt.

Wir haben ausschließlich mündige Abgeordnete, die sich selbst ihre Meinung bilden können. Es ist jeder um die Gesundheit besorgt und setzt einen Schwerpunkt auf die Prävention.

Die Sache ist für Sie noch nicht gegessen?

Man wird sehen, wie sich das Volksbegehren entwickelt. Unabhängig davon sollte man die Präventionsmaßnahmen auf jeden Fall setzen.

Das Landesbudget für die Gesundheit wurde um acht Prozent erhöht.

Es sind in Summe 63,8 Millionen.

Was werden Sie mit dem Geld machen?

Die Erhöhung ist notwendig, um die Versorgung zu gewährleisten. Wir investieren in die Krankenhäuser. Es geht um medizinische Entwicklungen und neue Geräte. Wir beteiligen uns an den Kosten für die Errichtung von Primärversorgungseinrichtungen, wir investieren in den hausärztlichen Notdienst.

Das Kepleruniversitätsklinikum soll mit den Landesspitälern der gespag fusioniert werden. Welches Potenzial kann hier gehoben werden?

Wir werden das Projekt starten, mit einem ergebnisoffenen Ausgang. Wir wollen vor allem im nicht-medizinischen Bereich die Kooperationen verstärken.

Wie viel Geld kann man einsparen?

Es geht nicht um das Sparen von Geldern, sondern um die Nutzung von Synergien und um das Miteinander-Arbeiten. Die Kompetenz soll erweitert werden. Man soll sich besser unterstützen im nicht-medizinischen Bereich. Zum Beispiel in der Baubeschaffung und in der Technik. Das ist ein erster Schritt. Darüber denken wir momentan nach.

Unter Landeshauptmann Josef Pühringer standen die Gründung der Medizinfakultät und das Keplerklinikum im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, jetzt sind es die technischen Fächer und das Linz Institute of Technology (LIIT). Ist das ein Nachteil?

Die steigende Anzahl der Bewerber für ein Medizinstudium zeigt, wie wichtig der Standort Linz ist. Bei den Jungen ist das angekommen. Die Medizinfakultät sieht den stufenweisen Ausbau bis 2028 vor. Wir sind hier im Zeitplan. Gleichzeitig arbeitet das Universitätsklinikum auch an der Versorgungsforschung.

Das heißt, es wird eine neue Qualität in der Gesundheitsversorgung geben.

Wir haben eine hervorragende Qualität, aber es ist sicher ein Vorteil der medizinischen Fakultät und der technischen Entwicklungen, dass dies den PatientInnen zugutekommt. Es werden möglicherweise neue Methoden entwickelt. Hier sind auch Chancen für den Wirtschaftsstandort.

Unser Focus liegt auch in der noch besseren Zusammenarbeit aller Spitäler untereinander. Wir legen Wert darauf, dass es ein positives Miteinander ist. Das zeichnet uns als Gesundheitsstandort aus. Es geht um das Leistungsangebot. Wo braucht es welche Leistung, damit die Ärzte eine gute Ausbildung erfahren und die notwendigen Erfahrungen sammeln können. Welches Angebot ist in den Regionen notwendig?

Es wird heuer eine neuen Bildungsdirektor geben. Ist die Einführung eines Beamten anstelle eines amtsführenden Landesschulratspräsidenten tatsächlich ein Fortschritt?

Die Bildungsreform ist da und es gilt hier das Beste rauszuholen. Wir sind in Gesprächen mit dem Ministerium, wie diese Position genau ausgestaltet werden kann und soll. Das soll ja in allen Bundesländern möglichst ähnlich sein. Es ist eine Chance für ein Bildungsland, wenn man die Kompetenzen bündelt. Ich gebe dem Bildungsdirektor eine große Chance.

Landeshauptmann Stelzer überlegt, auch die Agenden für den Schulbau und die Kindergärten dem Bildungsdirektor zu geben.

Auch dafür haben wir ein Projekt gestartet, damit die zukünftige Struktur effizient und schlagkräftig ist.

Paul Kimberger, oberster Lehrergewerkschafter und Obmann des Christlichen Lehrervereins, ist dafür im Gespräch. Ist er für Sie eine gute Lösung?

Es wird eine Ausschreibung geben, man wird sehen, wer sich bewirbt. Ich persönlich habe in den vergangenen Monaten mit Kimberger sehr gut zusammengearbeitet und schätze seine Expertise.

Der Bildungsdirektor ist zukünftig ein Beamter, die wirkliche politische Chefin sind ja Sie.

Die Struktur muss man sich anschauen, das ist ein Thema des Projektes. Es ist eine gemischte Behörde, auch mit einer Bundeszuständigkeit. Es ist ganz klar, dass die zuständige Bildungslandesrätin eng mit ihm zusammenarbeiten wird.

Was ist die wichtigste Aufgabe in der Bildung?

Wir müssen den Mensch in den Mittelpunkt stellen und weniger die Organisationsstruktur, über die wir jetzt diskutiert haben. Was brauchen die Schülerinnen und Schüler? Wie muss der Unterricht ausschauen? Welche Kompetenzen müssen ihnen vermittelt werden, damit sie die Fähigkeiten entwickeln, die sie später in der weiteren Ausbildung und im Berufsleben brauchen. Sie sollen wissen, wo ihre Stärken liegen, damit sie sie fördern können. Es geht um die Lehrinhalte und um die pädagogischen Konzepte.

Beim Thema Digitalisierung muss man noch viel tun. Hier brauchen wir einen Schwerpunkt in der Aus- und Weiterbildung der Lehrer. Die Schüler müssen mit den Herausforderungen der Digitalisierung umgehen können. Wo lauern die Gefahren? Welche Daten lege ich zum Beispiel auf Facebook offen? Wie begegnet man den ethischen Problemen? Wie funktioniert lernen?

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger lehnt die Einführung von Beiträgen für die Nachmittagsbetreuung in den Kindergärten ab, die Stadt will das selbst bezahlen.

Die Stadt will sie einheben, aber dazu ein eigenes Unterstützungsmodell anbieten. Das wird im Gemeinderat noch diskutiert. Es gibt die Verordnung des Landes, es bleibt den Gemeinden aber überlassen, Härtefälle selbst zu beurteilen.

Welche Auswirkungen erwarten Sie? Es könnte sein, dass weniger Kinder nachmittags den Kindergarten besuchen.

Ich kenne die Sorgen und Bedenken der Eltern und der Träger. Ich haben sie mir angehört und nehme sie ernst. Der Beitrag wird nun mit 1. Februar eingeführt. Wir sehen uns an, wie sich die Sache entwickelt. Im Sommer wird es eine Evaluierung geben.

Es waren sehr aufregende und turbulente Monate. Ein sehr schöner Moment war mein erster Besuch in einem Kindergarten. Wenn einem da ein Lied gesungen wird und man kann mit den Kindern spielen, ist das wirklich bewegend. Ich war am 1. Jänner bei 30 Jahre Rettungshubschrauber beim ÖAMTC. Es ist toll, wofür ich hier die Verantwortung tragen kann. Ganz spannend war das erste Landesbudget, weil wir hier etwas neu gestalten wollen. Wir leben hier den Paradigmenwechsel.

Es ist nicht immer alles schön. Was war negativ?

So bin ich nicht. Ich habe eine wunderbare Aufgabe übernehmen dürfen. Manche Themen bereiten einem eher schlaflose Nächte, aber ich kann nicht von einem schlechten Erlebnis reden.

Welche Vorsätze haben Sie für 2018?

Persönlich will ich mehr auf meine Gesundheit achten. Mehr Bewegung, gesünder essen und mehr Wasser trinken. Im Ressort will ich mehr bei den Menschen sein und stärker den direkten Kontakt suchen, damit ich die richtigen Lösungen für die Probleme entwickeln kann.