Chronik | Oberösterreich
22.04.2018

Kirschenblüte in der Scharten

Panoramaweg. Scharten war einst der bedeutendste Wallfahrtsort nach Mariazell

Marillen, Kirschen, Zwetschken, Äpfel: Im Wochentakt öffnet eine andere Obstsorte ihre Blüten. Die klimatisch besonders begünstigte „ Scharte“ in der Landschaft oberhalb des Eferdinger Beckens macht es möglich. Und auf dem „Panoramaweg“ lässt sich diese Blütenpracht bestens genießen.

Ausgangspunkt der eineinhalbstündigen Rundwanderung ist der Parkplatz beim Amtshaus. Gleich dahinter geht es zunächst der Straße folgend am neu errichteten Gehsteig nach Unterscharten. Das Gasthaus Mair z’Edt und die evangelische Kirche werden passiert.Die Landschaft hat sich mit der schönsten Frühlingsflora geschmückt: Buschwindröschen, Dotterblumen und Lungenkraut drängen sich neben dem mächtigen Bärlauch in den Vordergrund. Ein Bächlein wird überquert. Vorne fällt der Blick auf die geradezu militärisch aufgereihten Kirschplantagen-Bäume, dahinter auf die Hügelkette, die das Schartner Land nach Osten hin begrenzt. Und in der Mitte die hoch aufragende katholische Kirche. Auf der anderen Seite des Weges findet sich noch eine Allee von uralten Kirschbaumriesen.

Kirschwachterhäusl

Beim folgenden Rastplatz übersieht man fast eine unscheinbare Holzhütte. Die pensionierte Lehrerin Emma Mayrhofer kennt die Geschichte dazu: „Es ist eines von ehemals zahlreichen Kirschwachterhäusln“. Hier hat man vor der Ernte die Kirschen vor Dieben bewacht, dann die frisch geernteten Früchte gesammelt und „ausgeklaubt“. Auch wurden Schwärme von Staren verscheucht. Heute wird das elektronisch mit Falkengeschrei oder Hundegebell erledigt“. Nur mehr zwei dieser Hütten haben sich erhalten.

Unter den blühenden Bäumen äsen die Damhirsche

Zwanzig Kirschsorten

Schließlich taucht unterhalb des Weges das lang gestreckte Gebäude des Firlingerhofs auf. Der Besitzer Horst Hubmer weiß, warum viele Bäume jetzt noch nicht blühen: „Einige der zwanzig Kirschsorten, die wir pflanzen, blühen und reifen später. So können wir über einen Zeitraum von acht Wochen frische Kirschen ernten.“

Der Markierung „ Panoramaweg“ folgend geht es anschließend hinunter durch die Ortschaften Rexham und Vitta. Ein idyllisches Wiesenwegerl führt mitten durch ein Damhirschgehege. Friedlich äsen die Tiere unter den blühenden Bäumen.

Kaiser pilgerten

Kaiser Leopold I pilgerte 1684 nach Maria Scharten Bis 1848 herrschte hier das Geschlecht der Starhemberger. Jetzt ist der dominante Mittelpunkt des Ortes die Kirche Maria Scharten. Sie ist seit 600 Jahren ein beliebtes Ziel für Wallfahrer. Schon Kaiser Ferdinand III. betete hier im Jahr 1646 für das Ende des dreißigjährigen Krieges. Kaiser Leopold I pilgerte 1684 hierher, um für die erfolgreiche Abwehr der Türken vor Wien zu danken. Nach dieser Zeit war Maria Scharten für längere Zeit der bedeutendste Wallfahrtsort nach Mariazell.