Juso-Vorsitzende Nina Andree

© hermann wakolbinger

Chronik Oberösterreich
08/04/2019

Jusos: „Freier Seezugang in Landesverfassung“

Durch Enteignungen und Grundaufkäufe soll die öffentliche Hand für die Bürger mehr freie Zugänge zu den Seen schaffen, fordert Nina Andree, Landesvorsitzende der Jungsozialisten.

von Josef Ertl

„Wann lesen wir über Dich in der Zeitung?“, fragt der ältere Herr Nina Andree, die gerade vom Fotografen abgelichtet wird. Der Mann, der sich mit dem Handtuch den Rücken trocknet, ist soeben dem Attersee entstiegen und stellt sich als Nachbar des Europacamps heraus. Er nutzt den öffentlichen Seezugang des Camps zum Baden. Mehrere Hundert junge Menschen bevölkern die Liegewiese, sitzen am Buffet oder auf dem Steg, wo sie die Füße im Wasser baumeln lassen.

 

Alles ist kostenlos

Die 24-jährige Jusstudentin Nina Andree ist seit 2015 Landesvorsitzende der Sozialistischen Jugend Oberösterreichs, die gemeinsam mit der Bundesorganisation das Europacamp in Weißenbach am südlichen Attersee-Ufer führt. Badeplatz und Liegewiese sind öffentlich zugänglich und kostenlos, ebenso der Parkplatz und die Toiletten. Man kann sich Tischtennisschläger und Beachvolleybälle ausborgen. „Wir wollen jungen Menschen ein günstiges Angebot schaffen, denen am Monatsende nicht so viel im Börserl überbleibt. Unsere Zielgruppe sind vor allem Sozialvereine.“

Was kostet das Übernachten? „Für ein kleines Zelt zahlt man 5,50 Euro plus 7,70 Euro pro Person.“ Der Wohnwagen kostet 10,50 Euro. Dauercamper gibt es nur ganz wenige. Es gibt auch eine Jugendherberge mit 68 Betten. Pächterin des Campingplatzes ist die Sozialistische Jugend Österreich. „Das Camp baut darauf auf, dass viele Ehrenamtliche ihre Zeit und Energie hineinstecken. Es kommen von allen Bundesländern Leute, die mithelfen.“

Ferialpraktikanten

Das Buffet wird von Ferialpraktikanten geführt. Im Juli und August sind rund zehn Personen angestellt. Michaela Feichtl leitet den Campingplatz. „Es ist uns extrem wichtig, den freien Seegang zu schützen“, sagt Andree. „Für uns sind die freien Seezugänge viel zu wenig. Es sollte an allen österreichischen Seen mehr freie Zugänge geben. Wie soll das passieren? „Durch Enteignungen und Grundaufkäufe durch die öffentliche Hand. Alle Menschen müssen die Schätze, die wir in Österreich haben wie zum Beispiel die schönen Seen, nutzen dürfen. Es kann nicht davon abhängig sein, ob man sich ein Haus am See leisten kann oder nicht. Der freie Seezugang sollte in der Landesverfassung abgesichert werden.

165.000 € Pacht

Die Sozialistische Jugend hat ähnlich wie die Junge ÖVP bisher nur einen Anerkennungszins für die Bade- und Campinganlage an den Eigentümer, das Land Oberösterreich, bezahlt. Nun fordert der Landesrechnungshof, das Land müsse marktgerechte 165.000 Euro Pacht für das Europacamp verlangen. Andree: „Man muss sich die Frage differenzierter ansehen. Wir haben deshalb ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das bald fertig wird und mehr als 100 Seiten umfassen wird. Dann werden wir mit dem Land Gespräche führen. Das Camp wirft keinen Gewinn für uns als Organisation ab, sondern alles, was übrig bleibt, wird für die Instandhaltung investiert. Wir stecken selbst durch die ehrenamtliche Arbeit und unsere Ressourcen Geld in das Camp.“

 

Das Land wisse von anderen Badeplätzen, die es betreibe, dass sie Geld kosten. „Der freie Seegang ist wichtig. Wir lehnen ihre Privatisierung ab. Wenn wir wegen der höheren Pacht höhere Preise verlangen müssten, können wir die Zielgruppen nicht mehr erreichen, für die wir da sein wollen.“