Sergio Perez und Lance Stroll enthüllen den Wagen für die neue Rennsaison

© Johann Wallner

Chronik Oberösterreich
02/22/2020

Im Renntempo mit sauberem Wasser die Welt retten

Die Firma BWT in Mondsee sieht ihr Engagement in der Formel 1 ökologisch. „Wir machen die Welt etwas pinker und besser“, sagt CEO Andreas Weißenbacher.

Ein Hauch von großer, weiter Sportwelt wehte dieser Tage durch Mondsee. „Welcome to Moonlake City!“ Andreas Weißenbacher begrüßte seine internationale Gästeschar weltgewandt. Der Vorstandsvorsitzende der BWT Aktiengesellschaft konnte sich über einen Medienrummel freuen, wie ihn die Firmenzen trale noch nicht erlebt hatte. Anlass für den Ansturm: die Enthüllung eines neuen Rennautos. Die Formel 1 ist große Oper und braucht alljährlich eine Ouvertüre, ehe traditionell in Melbourne/Australien in ein neues Rennjahr gestartet wird. Entsprechend opulent wird die Präsentation der neuen Boliden zelebriert. Jener des Teams Racing Point, in markantem BWT-Pink gehalten, wurde in Mondsee vorgestellt.

Nicht ganz so erfolgreiche Saison

„Wir haben eine nicht so erfolgreiche Saison hinter uns“, bilanziert Weißenbacher nüchtern, ganz im Stile eines Managers. Der Mexikaner Sergio Michel „Checo“ Pérez schloss auf Platz zehn ab, Teamkollege Lance Stroll/Kanada auf dreizehn. Alles in allem fuhren die beiden 73 Punkte ein, was für das Team Platz sieben in der Konstrukteurswertung bedeutete. Zum Vergleich: Weltmeister Mercedes hatte gut zehnmal so viel auf dem Konto. „Ich glaube, wir sind heuer besser vorbereitet“, ist Großsponsor Weißenbacher zuversichtlich: „Und wenn uns das Glück etwas wohlgesonnen ist…“ Teamchef Otmar Szafnauer steckt das Ziel hoch: „Best oft he rest“, also Vierter hinter den großen Drei Mercedes, Ferarri, Red Bull. Er geht davon aus, dass seine Fahrer in jedem Rennen in den Punkterängen landen werden. Auch der eine oder andere Platz auf dem Podium sollte möglich sein.

Pinke Mission

„For You an Planet Blue“ lautet einer von mehreren BWT-Firmenslogans, der als „Mission“ verstanden werden will. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Weltrettung. Weißenbacher: „So lange wir nicht auf einen anderen Planeten auswandern können, müssen wir schauen, dass wir diesen Planeten nicht versauen.“ BWT wolle dazu beitragen. Oder anders gesagt: „Wir machen die Welt etwas pinker und besser.“


Doch wie passen Umweltbewusstsein mit der Formel 1 zusammen? Weißenbacher hat dazu zwei Argumente parat. Erstens ein eigennütziges: „Branding“ – der Rennsport als Vehikel zu weltweiter Bekanntheit. Vor einigen Jahren habe ihm ein Freund geraten, in die rasante Branche einzusteigen, um das Unternehmen international zu platzieren. „Nach einigen Flaschen Wein“ habe er sich überzeugen lassen. Via Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM) ging es in die Königsklasse. „Es war strategisch eine gute Entscheidung“, ist der BWT-Chef rückblickend überzeugt.

Langfristiges Engagement

Zweitens sieht Weißenbacher das Engagement im Motorsport langfristig und sehr wohl im Einklang mit dem ökologischen Firmenkonzept. Er geht davon aus, dass die Zukunft nicht in der E-Mobilität, sondern in der Wasserstofftechnik liegen wird. Auf diesem Gebiet forscht BWT ebenfalls. „Ich bin überzeugt, dass die Energieversorgung in diesem Jahrhundert hydrogengetrieben sein muss“, sagt Weißenbacher: „Das muss sich durchsetzen, alles andere bringt den Globus nicht weiter.“ Das treibe ihn an und soll erklären, „warum Andreas Weißenbacher die Präsentation eines Formel 1-Autos macht“.

Brunnen für Gambia

BWT investiert allerdings nicht nur in den Motorsport, sondern querbeet. So tritt das Schweizer Skiteam in Pink auf. Wieviel sich BWT den Sport kosten lässt, wird nicht verraten. Schon gar nicht, wie viel das das Abenteuer Formel 1 verschlingt. Stillschweigen sei vertraglich geregelt, heißt es. Auch die Schwarz-Weißen aus Linz gehören zur pinken Familie. Deren Beifall für die soeben errungene Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga durfte LASK-Präsident Siegmund Gruber vom F1-Event mitnehmen. Siege kommen dem Image des Sponsors zugute. Und nicht zufällig war in Mondsee eine Handvoll Skispringer zugegen: die beiden Norweger Daniel-André Tande und Johann André Forfang sowie Kobayashi Ryoyu und Junshiro aus Japan. Sie sind BWT-Werbeträger, agieren zudem als Metersammler und Brunnenbauer.

10.000 Brunnen geplant

Nicht zur Beruhigung des ökologischen Gewissens, sondern aus Überzeugung sei eine spezielle Idee geboren worden, sagt Weißenbacher: der Distance Award. Alle im Skisprung-Weltcup der Herren erreichten Meter werden addiert, für jeweils 18.000 wird in Gambia ein Brunnen errichtet. Zehn sind heuer bereits ersprungen worden, 10.000 sollen es schlussendlich werden. Gemeinsam mit Freunden und Partnern möchte Weißenbacher dafür 70 Mio. € aufbringen.

Wasser aus lokalen Ressourcen

„Wasser aus lokalen Ressourcen produzieren, egal wie die Rohwasserqualität ist“ – das sei der zentrale Ansatz der BWT-Philosophie. Das sichere nicht nur die Lebensgrundlage der Menschen, sondern erübrige auch Transporte kreuz und quer. „Wasser nicht um die Welt schippern, sondern vor Ort aufbereiten“, nennt das Weißenbacher. Das Gambia-Projekt soll jetzt auf die Formel 1 ausgedehnt werden: Jedes Mal, wenn einer der beiden pinken Piloten – Perez oder Stroll – in den Punkterängen landet, kommt ein weiterer Brunnen dazu.

Autor: Gerhard Marschall

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