Chronik | Oberösterreich
22.08.2017

Hallstatt: Ärger über Drohnen von Touristen

Bewohner der Weltkulturerbegemeinde sind von filmenden Drohnen, die über ihren Privatgrundstücke schweben, genervt. Bürgermeister ließ nun Info-Tafeln mit Verhaltensregeln aufstellen. "Türsteher" bewachen Kirchen und Friedhofstore.

Die Einwohner in der berühmten Salzkammergut-Gemeinde Hallstatt werden zunehmend durch Drohnen genervt, die von den massenweise auftretenden Touristen losgeschickt werden. Nun wurden Infotafeln mit dem Ersuchen aufgestellt, darauf zu verzichten, berichteten die Oberösterreichischen Nachrichten (Dienstag-Ausgabe).

Hallstatt, das zum Weltkulturerbe gehört und von dem es auch eine Kopie in China gibt, ist pro Jahr mit bis zu 700.000 Tagesgästen konfrontiert - bei nicht einmal 800 Einwohnern. Viele Touristen glauben, der ganze Ort sei ein Freilichtmuseum. So komme es vor, dass Touristen private Grundstücke der Einheimischen betreten, ohne zu fragen, schildert die Zeitung.

In Privatsphäre gestört

Neuerdings setzen immer mehr Gäste - vor allem asiatische - zum Filmen und Fotografieren ferngesteuerte Drohnen ein und lassen diese vor den Fenstern und Balkonen der Hallstätter schweben. Das verursacht nicht nur Lärm. Die Einheimischen fühlen sich auch in ihrer Privatsphäre gestört. Die Beschwerden am Gemeindeamt häufen sich. Auch eine Petition wurde bereits eingereicht.

Die Gemeindeleitung appelliert jetzt an den guten Willen der Touristen. "Wir haben drei Info-Tafeln im Ort aufgestellt, auf denen wir unsere Gäste ersuchen, keine Flugdrohnen mehr zu verwenden", wird Bürgermeister Alexander Scheutz ( SPÖ) zitiert, der auf den Tafeln gleich auch andere Punkte zur Sprache bringt. Hallstatt bittet seine Gäste, Privatgrundstücke nicht zu betreten, Müll in Abfalleimern und nicht im Hallstättersee zu entsorgen, nicht einfach Zigarettenstummeln wegen der hohen Brandgefahr wegzuwerfen und die Ruhezeiten zwischen 12.00 und 14.00 Uhr sowie von 22.00 bis 7.00 Uhr einzuhalten. Die Info-Texte sind in deutscher, englischer, koreanischer und chinesischer Sprache formuliert.

"Türsteher" für Begräbnisse und Gottesdienste

Zuvor wurde schon damit begonnen "Türsteher" an Kirchen und Friedhofstoren einzusetzen. Sie sollen Einheimische an diesen Orten vor den Kameras und Selfie-Sticks der Touristen schützen. Die Sperre gilt aber nur für die Gottesdienste und Begräbnisse, zu allen anderen Zeiten sind die Reisenden in Hallstatt auch in Kirchen und Friedhöfen herzlich willkommen.

Rechtlich bewegen sich die Hobbypiloten übrigens auf dünnem Eis. Selbst wer kleine Drohnen über dicht besiedeltem Gebiet aufsteigen lässt, muss laut österreichischem Luftfahrtgesetz zuvor eine Prüfung abgelegt haben.

Drohnen auch über Wiener Bädern erspäht

Kaum einer Art von Flugmodellen wird derart große Aufmerksamkeit gewidmet wie den Multikoptern - also Flugmodellen mit mehreren Rotoren. Die inzwischen auch " Drohnen" genannten Geräte sind leicht zu steuern und eignen sich daher gut für Kamera-Aufnahmen. Das haben heuer offenbar auch bereits Gäste von Wiener Bädern bemerkt.Mehr dazu lesen Sie hier.

Jäger schoss Drohne vom Himmel

Ein 47-jähriger Jäger hat in seinem Revier in Kärnten eine ferngesteuerte Drohne vom Himmel geschossen. Wie die Polizei mitteilte, hatte ein 24-Jähriger die Drohne auf einer Alm in Kötschach-Mauthen (Bezirk Hermagor) in etwa 1.600 Metern Seehöhe gesteuert. Der Jäger gab die Tat zu - er hatte befürchtet, dass das Fluggerät Wildtiere aufscheuchen und Vögel gefährden würde.

Der Vorfall hatte sich bereits Anfang August ereignet. "Die Beteiligten haben kein Geheimnis daraus gemacht, so sind wir darauf aufmerksam geworden", sagte Horst Kanzian von der Polizeiinspektion Kötschach-Mauthen. Die Erhebungen haben bald ergeben, dass sich der Jäger ganz bewusst dazu entschieden hatte, die Drohne vom Himmel zu holen.

Er wird wegen Sachbeschädigung angezeigt - ob auch Übertretungen nach dem Jagdgesetz beziehungsweise Waffengesetz vorliegen, wurde noch erhoben. "Fest steht jedenfalls, dass Personen durch den Schuss nicht gefährdet wurden", erklärte Kanzian. Der Schaden, der an der Drohne entstanden ist, beträgt etwa 1.600 Euro, er wurde von dem Jäger bereits zum Teil wiedergutgemacht.