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freizeit Reise
06/02/2012

Hallstatt made in China

Erste Bilder: Seit gestern können Chinesen Hallstatt auch in ihrem eigenen Land besuchen. Im KURIER erfahren Sie, wie es dort aussieht.

Autos, Uhren, Elektronik, all das gibt es in China, täuschend echt –, aber doch nur eine Kopie. „Made in China“ eben.

Nun wurde gar ein kompletter Ort nachgebaut – noch dazu ein österreichischer, von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt.

Viel wurde daher vorab geschrieben, von billiger Kopie war da zu lesen und von einem Immobilien-Flop, weil sich keine Mieter für die historisch anmutenden, teuren Häuser finden würden.

„Alles Blödsinn“, sagt der Aufsichtsrat eines internationalen Tourismuskonzerns, der sich bereits vor der gestrigen, feierlichen Eröffnung ein Bild vom chinesischen Hallstatt machen konnte.

Luxus

„Geld hat beim Bau keine Rolle gespielt, alles sieht super schön aus. Das ist ein Wohlfühl-Areal für Millionäre geworden“, berichtet der 50-Jährige, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Das führt sonst zu Problemen mit den Chinesen.“

Vom Flughafen Hongkong führt die Autobahn zwei Stunden lang in die südchinesische Provinz Guangdong, vorbei an der 12-Millionen-Metropole Shen­zhen, einem ehemaligen Fischerdorf, in dem noch 1979 30.000 Menschen lebten.

Am Rande der Kreisstadt Boluo weisen Schilder auf Chinesisch und Deutsch in Richtung „Hallstatt See“. Neben der Zufahrt ragen Kräne in den grauen Himmel, hier entstehen ein Stadion und Hunderte Hallstatt Villas, Luxusdomizile auf drei bis vier Etagen. Bagger graben ganze Hügel um, die anschließend neu bepflanzt werden; der ursprüngliche Bambus-Bewuchs wurde abgeholzt.

Kein Zutritt

Das riesige Areal ist hermetisch abgeriegelt, meterhohe Mauern sollen vor neugierigen Blicken schützen. An den Eingängen wachen Securitys, Zutritt haben derzeit vor allem chinesische Investoren; später einmal soll der Ort Touristen aus ganz China anlocken.

750 Millionen Euro ließ es sich China Mine Metal Groupkosten, den oberösterreichischen 800-Einwohner-Ort seitenverkehrt nachzubauen: Die evangelische Kirche, das Hotel „Grüner Baum“, den Marktplatz mit seinen Häusern samt Brunnen, ja selbst den Hallstätter See – den allerdings nicht maßstabgetreu.

Angeblich soll in einer nächsten Bauphase auch das Hallstätter Salzbergwerk kopiert werden.

Alles Walzer

Der Dorfkern ist – wie in Hallstatt – Fußgängerzone. Lautsprecher beschallen die Gassen mit Wiener Walzer. Die Souvenir-Shops im Erdgeschoß der Häuser bieten Keramik, Aquarelle und Musikinstrumente an; die Wohnungen im ersten Stock sind angeblich alle verkauft.

Die Fassaden der Häuser entsprechen exakt der Vorlage in Hallstatt, inklusive Balkonblumen, Sonnenschirme und schmiedeeiserner Schilder. „Man fragt sich, ob man in Österreich oder China ist“, erzählt der Touristikexperte. „Selbst die Pflastersteine sind aus Granit.“ Nur die rote Telefonzelle und die Palmen passen nicht ins oberösterreichische Ortsbild – und beim Restaurant „Feinschmecker Treffpankt“ , in dem frische Meeresfrüchte serviert werden, hat man offensichtlich das a mit dem u verwechselt.

Von der Decke der evangelischen Kirche hängen schwere Luster, die Wandmalereien wurden in Handarbeit gefertigt. „Das ist keine Massenware“, sagt der Aufsichtsrat des internationalen Tourismuskonzerns anerkennend.

Im Hauptschiff des Gotteshauses befindet sich im Moment das Informationszentrum des Hallstatt-Projektes; ob darin künftig ein Hotel einziehen wird, ist noch unklar. Auch die weitere Nutzung des angrenzenden Hotels „Grüner Baum“ ist offen – derzeit befinden sich im Inneren Büros.

Riesiges Wohnprojekt

Rund um die „historische Altstadt“ gruppieren sich Dutzende Mehrfamilienhäuser, die den Namen Hallstatt Villastragen; Hunderte weitere Bauten sollen noch hochgezogen werden. Der Preis für eine Villa mit ca. 400 Quadratmeter Wohnfläche beginnt bei umgerechnet 300.000 Euro, die Ausstattung – wahlweise im alpenländischen Stil mit Steiff-Teddybären auf der Couch und Herzi-Kissen im Bett – bestimmt der Kunde. Die meterhohen Bäume vor den Häusern müssen allesamt gestützt werden – sie wurden in Wäldern entwurzelt und hier eingegraben.

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