Per Handbohrer wird in die sogenannte Kulturschicht gebohrt. Die Proben werden anschließend an der Uni Innsbruck untersucht.

© Kuratorium Pfahlbauten

Chronik Oberösterreich
04/17/2021

Forscher tauchen in den seichten Tiefen des Traunsees

In den 1980ern wurde im See eine Pfahlbausiedlung entdeckt. Nun werden Bohrungen gemacht.

von Petra Stacher

Am Traunsee gehen kommende Woche die Forscher unter Wasser. Ihre Mission: Pfahlbauten untersuchen. Diese wurden in den 80er-Jahren entdeckt, nun sollen Bodenproben entnommen werden.

Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist der Ortskern von Traunkirchen und das Areal des dortigen Klosters als urgeschichtlicher Fundplatz bekannt. Dass früher am Traunsee Pfahlbauten existierten, wurde aber nur durch Zufall entdeckt: Ein Linienschiff kam in den 1980er-Jahren vom Kurs ab und lief auf Grund. Dabei hinterließ es eine Schneise. Spätbronzezeitliche bis eisenzeitliche Funde aus einer unter Wasser liegenden Pfahlbausiedlung kamen dabei zum Vorschein.

Alter und Größe

Weitergeforscht wurde damals nicht; erst im vergangenen Herbst startete schließlich das Kuratorium Pfahlbauten gemeinsam mit der Universität Innsbruck und dem Heimatverein Archekult ein Pilotprojekt. „Am Traunsee ist es nicht so wie am Mondsee oder Attersee, wo die Pfähle herausstehen. Aber es gibt eine Kulturschicht. Anhand der Zusammensetzung dieser, zum Beispiel an Holzkohle, kann man das erkennen“, erklärt Fiona Poppenwimmer vom Kuratorium Pfahlbauten.

Das möchte man sich nun genauer ansehen. „Wir erhoffen uns Erkenntnisse zum Alter und der Größe der Siedlung.“ Und das mithilfe von Bohrungen. „Aus feineren Pflanzenresten, wie Getreidekörnern oder Pflanzenpollen, können wir Rückschlüsse ziehen.“

Flaches Gewässer

Konkret tauchen die Forscher vom 19. bis 23. April im Traunsee ab. „Am ersten Tag wird aufgebaut, von Dienstag bis Freitag gehen sie dann unter Wasser“, erklärt Poppenwimmer. Mit dabei: ein Handbohrer mit einem 2,5 cm breiten Bohrkern. Die großen Sedimentkerne werden mittels einer sogenannten Rammkern-Sonde mit zehn Zentimetern Bohrkern vom Boot aus gezogen.

Dabei müssen die Forscher aufpassen, dass sie nicht selbst auf Grund laufen, denn tief sind die Bohrstellen nicht. „Wir befinden uns im Flachwasserbereich vor dem Kloster. Da ist das Wasser ein bis zwei Meter tief“, so Poppenwimmer. Zeitgleich werde daneben an Land geforscht. Man wolle sich ansehen, wie die Siedlung an Land mit jener im Wasser verbunden war.

Warum Menschen damals an Seeufern gesiedelt haben, ist ungewiss. „Es gibt dazu mehrere Theorien“, sagt Poppenwimmer. Einerseits bessere klimatische Bedingungen. Aber auch Fischerei oder der Transportweg Wasser könnten eine Rolle gespielt haben. Oder vielleicht doch besserer Schutz vor Feinden? Fragen über Fragen. Vielleicht können die Bohrungen ja die eine oder andere beantworten.

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