Chronik | Oberösterreich
11.11.2018

Eine Stimme für Missbrauchsopfer

Lisa Maria Thurnhofer. Die Linzerin setzt Musik als Form der Traumabewältigung für sich und andere ein

Die Linzerin Lisa Maria Thurnhofer (27) setzt sich intensiv mit dem Zusammenhang von Traumabewältigung und Musik auseinander. „Ein Teil der Gesellschaft hat noch immer Probleme, über mentale Krankheit und auch über sexuellen Missbrauch zu sprechen“, sagt sie. Musik ist für sie ein Weg, um etwas in ihr und in der Gesellschaft in Bewegung zu setzen. „Nach meiner eigenen Geschichte mit sexuellem Missbrauch als Teenager hatte ich nie das Gefühl, mich erklären zu können“, sagt sie dem KURIER. Ihre Lieder sind Botschaften an Personen, die mit diesem Trauma in Verbindung stehen.

Derzeit lebt sie in Berlin und arbeitet dort im Marketing. Neben ihrem Job veröffentlicht sie als Frida Vamos Popmusik mit experimentellen Elementen. Sie kombiniert fröhliche Melodien mit traurigen oder nachdenklichen Texten in Englisch. „Ich habe schon vor meinem Studium Musik gemacht und gesungen.“ Sie absolvierte den Bachelor „Multimediaart“ mit Schwerpunkt Audioproduktion in Salzburg. Ihre Abschlussarbeit war das Album „daughter“ (Tochter) mit 14 Liedern. Es ist eine Zusammenarbeit mit Opfern sexuellen Missbrauchs. Es soll „jenen eine Stimme geben, die mit Folgen von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen leben müssen“. Je 300 € vom Erlös wurden an die Vereine „Selbstlaut“ und „Pia“ gespendet.

Die Zeit der Veröffentlichung verbrachte Thurnhofer nach einem Selbstmordversuch mit einer Depression im Krankenhaus. „Es ging mir zu nahe und wurde zu viel für mich. Heute bin ich froh, noch hier zu sein.“ Sie wünsche sich, für manche die Person zu sein, die sie damals gebraucht hätte, jemand, der sagt, du bist nicht schuld und okay, so wie du bist. Produziert wird in Linz. Dafür arbeitet sie mit Christian Ghahremanian (Shash Records) und Produzent Julez zusammen. Am 16. November wird die neue Single „Ghost“ mit Musikvideo veröffentlicht. Je fünf Songs sind für Jänner und März 2019 geplant.