Stefan Doboczky

© REUTERS/Heinz-Peter Bader

Chronik Oberösterreich
12/02/2019

"Ein paar Cent mehr pro T-Shirt"

Stefan Doboczky, CEO der Lenzing-Gruppe, im Interview über Expansion und Nachhaltigkeit in der Textilindustrie. Von Stephan Scopetta.

Die Lenzing-Gruppe ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das aus dem Rohstoff Holz Fasern herstellt. Diese Fasern sind Ausgangsmaterial für eine Vielzahl von Textil- und Vliesstoff-Anwendungen. Im Interview spricht Stefan Doboczky, CEO der Lenzing-Gruppe, über Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor.

Lenzing trotzt dem Abwärtstrend in der Textilbranche und wird auch 2019 ein solides Ergebnis vorweisen können. Wie begegnen Sie dem Abwärtstrend in der Textilbranche?

Stefan Doboczky: Die makroökonomische Situation ist momentan herausfordernd. Wir haben in den letzten Jahren jedoch auf Basis unserer Unternehmensstrategie „sCore TEN“ eine Entwicklung durchgemacht, die uns aktuell darin unterstützt, nach wie vor relativ stabile Ergebnisse zu erwirtschaften. Wir haben vor fünf Jahren damit begonnen, zunehmend weg vom Standardprodukt zu gehen und auf Spezialfasern zu setzen. Mittlerweile machen diese bereits 50 Prozent des Umsatzes aus und sind dabei wesentlich preisstabiler.

In den vergangenen Jahren haben sie den Ausbau der Kapazitäten forciert und 60 Millionen Euro in den Standort in Oberösterreich investiert.

Nicht nur in Oberösterreich. Auch im Burgenland haben wir an unserem Standort in Heiligenkreuz stark investiert. Aktuell errichten wir in Lenzing auch die zweite Pilotanlage für unseren Filamentgarn TENCEL™ Luxe, ein Lyocell-Filament, das vor allem im Premium-Luxusmarkt zum Einsatz kommt. In Thailand bauen wir an unserem bisher größten Lyocellfaserwerk, um mit unseren Spezialfasern noch näher bei unseren Kunden in Asien zu sein.

Lässt sich auch mit Produkten verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen?

Mit unserer neuen Faser VEOCEL™ haben wir eine Lösung für ein global sehr präsentes Problem gefunden. Täglich werden weltweit Millionen von Feuchttüchern verwendet. Was die meisten jedoch nicht wissen ist, dass diese Feuchttücher zu bis zu 70 Prozent aus Plastik bestehen, das dann irgendwann im Müll oder im Meer als Mikroplastik landet. Das ist ein ökologisches Problem. Mit unseren Fasern bieten wir hier eine Lösung. Wir haben eine eigene Technologie entwickelt, mit der Vliese für etwa Feuchttücher komplett ohne chemische Binder und zu 100 Prozent aus biologisch abbaubaren Fasern hergestellt werden können.

Lohnt es sich auf Nachhaltigkeit zu setzen?

Das ist für uns kein neues Thema. Bereits in den 80er Jahren hat man bei Lenzing erkannt, dass es nicht nur um Produktion und Beschäftigung, sondern auch um Umwelt und Lebensqualität geht. Damals wurde bereits umfangreich investiert. Die Technologien, die dabei entwickelt wurden, waren der Grundstein für die Strategie von heute.

Sind die Kunden bereit für ein gutes Gewissen auch mehr Geld auszugeben?

Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, sieht man, dass es nicht unbedingt wesentlich teurer sein muss, wenn man auf nachhaltige Fasern setzt. Wenn Sie sich heute ein

T-Shirt kaufen, dann machen die Fasern in diesem T-Shirt vielleicht 15 Cent vom Produktionspreis aus. Mit einer nachhaltigen guten Faser bewegen wir uns im Bereich um die 20 Cent. Es geht also nur um ein paar Cent mehr pro T-Shirt. Diese paar Cent können aber einen wesentlichen Unterschied machen und weltweit Ozeane und Anbauflächen entlasten.

Wo sehen Sie die großen Herausforderungen als Faserhersteller in den nächsten Jahrzehnten?

Die Textilindustrie ist in vielen Bereichen eine umweltbelastende Industrie, mit einem großen ökologischen Fußabdruck. Als Innovations- und Nachhaltigkeitsführerin in der Branche wollen wir in Hinblick auf die Ökologisierung der Branche eine führende Rolle übernehmen und entlang der Wertschöpfungskette Veränderungsprozesse anstoßen, die die gesamte Industrie sauberer und nachhaltiger machen. Dazu bedarf es großer Transformationsprozesse, die viel Engagement und Mut voraussetzen.

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