Chronik | Oberösterreich
17.06.2018

Eder: Werden Protektionismus in der Wirtschaft bald spüren

Industrieempfang. Obwohl die Wirtschaft floriere, „ist es keine gute Zeit“, sagte voest-alpine-Chef Eder.

Wenn sich die geballte Macht von rund 500 Unternehmern und Managern zum traditionellen Industrieempfang zu Sommerbeginn trifft, ist alles da,  was Rang und Namen hat. Sogar drei Minister waren Montagabend in der Stahlwelt der voestalpine angekündigt, Infrastrukturminister Norbert Hofer sagte im letzten Moment ab, da er zum Transitgipfel nach Bozen musste.

KTM-Chef  Stefan Pierer konfrontierte   Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Justizminister Josef Moser mit der Erwartungshaltung   der Wirtschaft. „Die Regierung muss jetzt liefern. Gemäß dem Slogan  Just do it!  Das Wichtigste ist die  Arbeitszeitflexibilisierung.  Wir brauchen längere Durchrechnungszeiträume, sogar in Schweden sind 13 Stunden möglich.“ Pierer, der auch Vizepräsident der  Industriellenvereinigung Oberösterreich ist, schlug vor, die ersten zehn Überstunden lohnsteuer-und sozialversicherungsfrei zu stellen. Das würden für jeden Arbeitnehmer mit 3000 brutto  monatlich 200 Euro mehr bedeuten.

In seiner kurzen, aber umso  prägnanteren vierminütigen Begrüßungsrede meinte Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine, „es ist keine gute Zeit“, obwohl die Wirtschaft floriere. Er verwies auf die aufkommenden Handelshindernisse und den gescheiterten G7-Gipfel. „Die bestimmenden Kräfte der Welt reden nicht mehr miteinander. Machtgier, Egomanie und Protektionismus stellen heute über Jahrzehnte mühsam Errungenes in Frage. Es ist eine Frage der Zeit, bis man das in der Wirtschaft spüren wird. Europa muss geschlossen darauf antworten, selbstbewusst agieren und sich seiner Stärken bewusst sein.“

Wirtschaftsministerin  Schramböck versprach in die Umsetzung zu kommen. „Wir wollen deregulieren, wir werden die Arbeitszeit flexibilisieren.“ Die Steuern und Lohnnebenkosten müssten gesenkt werden. „Das Thema  Fachkräftemangel beschäftigt mich täglich. wir werden einen Pakt für Digitalisierung schließen. Österreich muss ein Land der Coder und Programmierer werden.“ Justizminister Moser versprach, das Steuerrecht zu vereinfachen und die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. „Wir wollen Österreich neu bauen.“

Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch informierte über das Ergebnis der Mitgliederbefragung. 88 % nannten den Fachkräftemangel als größtes Problem, 77 % die Arbeitszeitflexibilität. 99 %  zeigten sich mit der Arbeit Stelzers  zufrieden.