Wolfgang Eder, CEO der voestalpine

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Chronik | Oberösterreich
06/23/2019

Eder: „Geeinte EU im Kampf mit den USA und China“

Trotz aller Abgesänge geht es der Industrie und den Menschen besser als je zuvor, sagte der Chef der Voestalpine in seiner Abschiedsrede.

Wolfgang Eder trat 1978 in die Voestalpine ein und ist seit 2004 ihr Vorstandsvorsitzender. Am 3. Juli wird der 67-Jährige vorläufig aus dem Unternehmen ausscheiden, um später als Aufsichtsratsvorsitzender zurückzukehren. Der aus Steinbach am Attersee stammende Eder war auch viele Jahre stellvertretender Vorsitzender der Industriellenvereinigung OÖ. Beim Industrietag am Montag verabschiedete er sich in der Stahlwelt der Voestalpine mit einer optimistischen Rede (gekürzt) vor den rund 600 versammelten Gästen.

Abgesänge

„Es war zur Zeit der Auflösung der UdSSR vor 30 Jahren, als sich Wirtschaftsforscher auf breiterer Front veranlasst sahen, das Ende einer Reihe klassischer Industriezweige in Westeuropa zu prophezeien. Das Kernargument war, der Westen sei kostenmäßig nicht konkurrenzfähig gegenüber den neuen Mitbewerbern im Osten, würde dieser doch über unendlich große und unschlagbar günstige Rohstoffvorkommen verfügen.

Wie Keulenschläge

Für die Voestalpine würde sich damit ein Ende in Österreich abzeichnen, meinte der damalige Chef der Wirtschaftsforschungsinstituts. Solche Aussagen trafen das nach der Pleite der Mitte der 1980er Jahre immer noch um seinen Zukunft ringende Unternehmen, vor allem seine Mitarbeiter, wie Keulenschläge.

Lehman-Krise

Inzwischen sind 30 Jahre vergangen, in denen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder die Mär vom Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und vom drohenden Niedergang der europäischen und damit auch der österreichischen Industrie wiederkehrte. Zum bisher vorletzten Mal anlässlich der Lehman-Krise und dem damit verbundenen Finanzierungsdesaster für die produzierenden Unternehmen. Die Industrie ist aus dieser schwierigen Zeit gestärkt hervorgegangen.

 

Aktuell wird die Konkurrenzfähigkeit von Europas Industrie in Folge des im internationalen Vergleich bestehenden Digitalisierungsmankos in Frage gestellt. Ich kann diesen Abgesang nicht mehr hören. Wenn ich mir den Zustand Industrie vor Augen führe, dann ist es den Menschen alles in allem noch nie so gut gegangen wie heute. Unsere Unternehmen sind strategisch so gut aufgestellt und finanziell, so solide positioniert wie nie zuvor.

Sind die Innovativsten

Wenn dann aber immer wieder kommt, wir haben keine Amazons, Googles, Apples etc. und damit nicht das Zukunftspotenzial anderer Wirtschaftsregionen, ja. Aber wir haben immer noch die stärkste, die innovativeste klassische Industrie der Welt. Ob Automobilindustrie, Maschinenbau, Konsumgüterindustrie, Bahnbau, ja sogar die Luftfahrtindustrie ist heute in Europa besser aufgestellt als anderswo. Die europäische Automobilindustrie steht immer noch grundsolide da. Schauen Sie sich die Ergebnisziffern an.

USA und China haben Probleme

Probleme haben andere, weiter im Westen. Auch im Osten. Wenn Sie sich etwa die Lage der chinesischen Autohersteller oder die Konsumgüterindustrie ansehen. Auch die Bauindustrie hält sich nur dank des x-ten staatlichen Infrastrukturpakets. Es ist dennoch erstaunlich, dass bevorzugt von Europas Problemen gesprochen wird.

 

Noch ein Wort zur mangelnden europäischen Kompetenz bei Künstlicher Intelligenz, beim Internet der Dinge und bei der Digitalisierung. Faktum ist, dass kein Land alle Ingredienzen für seine Zukunftssicherheit selbst erfunden hat. Jedes Land ist zur Komplementierung seiner Fähigkeiten im einen oder anderen Bereich von Dritten abhängig. Als Folge einer jahrzehntelangen, sehr sinnvollen arbeitsteiligen Entwicklung. Auch wenn das heute manche zu bestreiten scheinen.

Stärke industrielle Hardware

Europas Stärken liegen nicht im Bergbau, nicht in der Landwirtschaft, sie sind auch begrenzt im World Wide Web. Aber sie liegen in einer modernen industriellen Hardware mit einer höheren Entwicklungskompetenz als anderswo. Entscheidend ist, dass es uns gelingt diese industrielle Stärke mit den Instrumenten und Mitteln der Digitalisierung besser und effizienter zu verbinden als andere. Erfunden können diese Instrumente und Mittel durchaus von anderen. werden Es kommt letztlich auf die schnelle und möglichst umfassende Implementierung in bestehende Industrie und Wirtschaft an. Da haben die europäische und österreichische Industrie sehr gute Karten.

 

Eifersüchteleien

Dennoch gibt es Anlass zur Sorge. Die weltpolitischen und die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen machen für uns di e Zukunft mit Sicherheit nicht leichter.

 Es ist hoch an der Zeit, dass die künftigen Repräsentanten Europas die EU im globalen Kampf um die Macht und Zukunftspositionen endlich wirtschaftlich, aber auch politisch so vertreten, wie es einem Wirtschaftsraum auf Augenhöhe mit den USA und China entspricht und dass nationalstaatliche Eifersüchteleien endlich hintangestellt werden.“