Chronik | Oberösterreich
06.09.2018

Dürre-Schäden: "Der Hut beginnt erst zu brennen

Thema bei Agrar-Messe in Wels, Regierung präsentiert Hilfspaket mit 60 Miollionen Euro.

Eigentlich will sich Oberösterreich auf der neuen Welser Fachmesse „AgroTier“ als führendes Agrarbundesland präsentieren. Doch die vergangenen Dürremonate und die starke Borkenkäfer-Plage in den Wäldern trüben die Stimmung in den Messehallen. Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) rückte zwar mit einem 60 Millionen Euro schweren Hilfspaket für die Bauern in Wels an. Einer von ihnen fürchtet dennoch: „Der Hut beginnt erst zu brennen.“

Bereits kurz nach der Eröffnung ist Donnerstag in Wels das Agrar-Sondergelände, auf dem heuer Rinder- und Schweinehaltung sowie Grünlandbewirtschaftung thematisiert werden, gut besucht. Und beinahe jeder hier hat seine Erfahrungen mit dem Thema Trockenheit gemacht. Dass Landwirte wegen der großflächig ausgefallenen Heuernten bereits massiv Vieh verkaufen und dadurch der Rinderpreis gedrückt wird, hat Peter Buchriegler aus Weyer im Bezirk Steyr-Land erlebt: „Im Frühjahr hab’ ich für meine Stierkälber 600 Euro bekommen, jetzt nur mehr 450.“ Als Milchbauer mit 35 Stück Vieh ist Buchriegler wegen der Dürre der vierte Heuschnitt ausgefallen. Um mit den Futtervorräten über den Winter zu kommen hat er – wie viele andere Betroffene – bereits etliche Kühe verkauft.

Dramatik

Besonders schlimme Schilderungen kommen aus dem Mühlviertel. „Fünf Kilometer von meinem Hof entfernt war die Trockenheit eine Katastrophe“, erzählt etwa Rinderzüchter Johann Prammer aus dem Bezirk Freistadt. Auf seinem Hof sei die Lage aber noch erträglich gewesen. Der aus dem oberen Mühlviertel stammende Produktionsberater der Bauernkammer, Franz Wolkersdorfer, bestätigt derartige kleinräumige Klimaunterschiede: „Innerhalb von zehn Kilometern hatten manche Glück – andere kämpfen um ihre Existenz“, erzählt er.

Zahlreiche Grünlandbauern hätten auf den ausgedörrten Wiesen zudem mit Schädlingsbefall zu kämpfen. Engerlinge, die Larven der Maikäfer, würden massenhaft Graswurzeln abfressen. „Dagegen muss der Bauer jetzt mechanisch vorgehen, um noch rasch einsähen zu können. Tut er das nicht, wächst nächstes Jahr ebenfalls kein Futter“, warnt Wolkersdorfer.

Den Grünlandbauern, von denen in OÖ viele bis zu 40 Prozent Ernteausfall hinnehmen mussten, werden auf der Messe zwei Möglichkeiten aufgezeigt: „Entweder Futter zukaufen – oder die Viehbestände im Stall reduzieren“. Gerade diesen Tierhaltern wolle man mit 20 Millionen Euro Direktzahlungen aus dem Hilfspaket unter die Arme greifen, kündigte Ministerin Köstinger an. Rund 20.000 Betriebe in fünf Bundesländern seien betroffen. Weiters werden laut Köstinger je 20 Millionen zur Aufforstung sowie zum besseren Versicherungsschutz der Bauern gegen Elementarschäden zugeschossen.

Dennoch kommen auf viele Landwirte dramatische Wintermonate zu, ist in Wels von allen Seiten zu hören. Der Futterzukauf ist längst zum internationalen Thema geworden. „Man hört, dass 2500 Euro Transportkosten für eine Heulieferung aus Ungarn nach Dänemark akzeptiert werden“, berichtet Markus Steinwendner, Repräsentant eines großen deutschen Landmaschinenproduzenten. Die Umsatzerwartungen auf der Messe seien bescheiden, sagt er. Trotzdem: „Da müssen wir durch. Wir sind alle im gleichen Boot.“