Bundesschulsprecherin Susanna Öllinger stammt aus OÖ aus der Gemeinde Perg.

© HERMANN WAKOLBINGER

Chronik Oberösterreich
10/24/2021

Bundesschulsprecherin: "Wir sind im 21. Jahrhundert, die Schule nicht“

Die Pergerin Susanna Öllinger ist seit September im Amt. Zum Thema Corona wünscht sie sich mehr Solidarität von den Älteren.

von Petra Stacher

Susanna Öllinger (18) ist seit September neue Bundesschulsprecherin. Die Pergerin besucht die Maturaklasse des Europagymnasiums Baumgartenberg. Ihr Wunsch ist es, später Medizin zu studieren.

KURIER: Viele in Ihrem Alter wollen keine Verpflichtungen, wie Ihr Amt eine ist, eingehen. Wieso Sie?

Susanna Öllinger: Ich sehe ganz viel Sinn dahinter. Schule ist etwas, wo jeder viel Zeit verbringt und viele Entwicklungsphasen durchlebt. Deshalb ist es gerade dort wichtig, dass man ansetzt und Sachen verbessert. Wir Schüler wissen was vor Ort los ist, unsere Stimme muss gehört werden.

Was wollen Sie verbessern und umsetzen?

Grundsätzlich verfolgen wir zwei Sparten. Einerseits befinden wir uns noch in der Pandemie. Dementsprechend ist es die Aufgabe der Bundesschülervertretung, dafür eine gute Ansprechperson zu sein. Andererseits sagen wir aber, dass durch die Impfung und Teststrategie der Zeitpunkt gekommen ist, wo man den Fokus wieder auf das Schulsystem direkt lenken muss. Vor allem 2020 hat Corona mehr von der Bildungspolitik eingenommen als Bildungsinhalte selbst.

Welche Bildungsinhalte?

Wir haben uns vier Schwerpunkte gesetzt: Demokratiebildung, Finanz- und Wirtschaftsbildung, psychische Gesundheit und Lehren aus der Krise. Man muss die Defizite, die bei Schülern und Schülerinnen durch die Krise entstanden sind, beheben. Die Krise ist aber auch eine Chance für Veränderung. Viele fest eingesessene Sachen in unserem Schulsystem sind aufgerüttelt worden. Vor allem im Bereich der Digitalisierung.

Wie viel Digitalisierung braucht die Schule?

Wir sind im 21. Jahrhundert, unsere Schule definitiv nicht. Das hat man im März 2020 gesehen, als wir von einem Tag auf den anderen ins Distance Learning gekommen sind. Natürlich gibt es Schulen, die Vorzeigebeispiele sind. Der 8-Punkte-Plan, in dem das Bildungsministerium digitale Endgeräte an die Schulen bringt, ist ein unglaublich gutes Projekt. Einhaken muss man nun bei der digitalen Bildung. Gerade Schüler in der Unterstufe können oft nichts mit den Geräten anfangen. Auch die Lehrpersonen wissen nicht immer, wie sie funktionieren. Ein digitales Gerät bringt auch Gefahren mit sich. „Safer Internet “ ist ein aktuelles Thema.

Ab dem Zeitpunkt, wo die Geräte ins Klassenzimmer kommen, liegt es auch in der Verantwortung unseres Bildungssystems, Kinder darauf vorzubereiten. Da geht es um Viren bis hin zu Cybermobbing und Hass im Netz. Soziale Medien sind ein Thema, das sehr schwierig für Jüngere ist, Stichwort Bodyshaming und psychische Gesundheit. Viele Auswirkungen sind den Jugendlichen oft nicht bewusst. Das Wichtigste ist Aufklärung und Prävention. Und wenn’s doch so weit kommt, braucht es Stellen wo man sich hinwenden kann.

Verlief der Schulstart Ihrer Meinung nach gut?

Der ist ganz unterschiedlich abgelaufen. Wien war eine Katastrophe. Tests wurden nicht abgeholt. Damit verbunden war auch die Quarantäne-Situation. Schülerinnen und Schüler sind teilweise Tage daheim gesessen und haben nicht gewusst, was mit ihnen ist und dann haben sie eh in die Schule gehen dürfen. Sie waren also umsonst nicht in der Schule und nach eineinhalb Jahren Pandemie ist jeder Schultag wichtig.

Wie stehen Sie zum Testen und Impfen?

Ich persönlich bin ein Fan von der Teststrategie, weil es fair ist. Man ermöglicht damit Geimpften und Ungeimpften eine sichere Klasse. Wir sind auch fürs Impfen. Es ist eine gute Möglichkeit aus der Krise.

Die Jugendlichen sind aber noch eher impffaul.

Es bestehen so unglaublich viele Fake News, wie etwa dass die Impfung unfruchtbar macht. Das hat in Jugendlichen furchtbar viel Angst ausgelöst und diese löst sich nicht von einen Tag auf den anderen. Ich glaube, man muss Jugendliche gar nicht direkt überzeugen, sondern einfach mehr datenbasierende Aufklärungsarbeit leisten. Jugendlichen wurden oft von der Information ausgelassen. Die Kampagnen waren immer an Ältere gerichtet.

Was halten Sie von einer Impfpflicht für Lehrer?

Ich finde es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, konkret für eine Personengruppe eine Impfpflicht einzuführen. Was aber für mich wichtig ist, ist Solidarität. Wir Jungen haben uns die vergangenen eineinhalb Jahre für die Älteren zurückgenommen, indem wir zum Schutz der Älteren daheim geblieben sind. Zu dem Zeitpunkt hat es noch geheißen, dass Covid nur für Ältere gefährlich ist. Jetzt können sich die Älteren mit der Impfung selbst schützen. Gerade Kinder unter zwölf können das aber noch nicht. Und jetzt liegt es in der Verantwortung der Älteren, sich impfen zu lassen, damit wir geschützt sind.

Die Schulabmeldungen sind dieses Jahr explodiert. Verstehen Sie die Eltern, die das machen?

Es ist schlimm, wenn Kinder Opfer von der Meinung ihrer Eltern werden. Jetzt konnten wir so lange nicht in die Schule. Studien zeigen, wie sehr Kinder und Jugendliche unter dem Verlust dieser sozialen Kontakte leiden haben müssen. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Bildung findet in der Schule statt. Und Schule ist mehr, als dass man aus einem Mathebuch Plus und Minus lernt. Lehrpersonen haben ja nicht umsonst eine pädagogische Ausbildung.

Vor Corona waren das Klima und Fridays for Future Topthemen der Jugend.

Klimaschutz ist immer wichtig. Ich sehe meine Aufgabe darin, Klimaschutz auf die Schüler umzumünzen. Wir sind 1,1 Millionen Schüler. Wenn wir unseren Alltag nachhaltig leben, dann hat das einen unglaublichen Einfluss. Oft fehlt aber das Bewusstsein und da kannst du in der Schule ansetzen. Jugendlichen, die mit Umweltbewusstsein aufwachsen, fällt es leichter, später ihren Lebensstil anzupassen. Ob wer für mehr Klimaschutz demonstrieren geht, obliegt jedem selbst.

Haben Sie neben all diesen Aufgaben überhaupt noch Zeit, selbst Jugendliche zu sein?

Natürlich nimmt es den Großteil meiner Freizeit ein. Es hat auch andere Hobbys aus meinem Leben verdrängt, aber ich mache es gerne. Und ich habe noch Zeit zum Fortgehen.

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