© APA/AFP/JOE KLAMAR

Chronik Oberösterreich
05/08/2020

Bundesregierung beschließt Kauf des ehemaligen KZ Gusen

Das Außenlager des KZ Mauthausen soll eine würdige Gedenkstätte bekommen. Der Kauf kommt nach deutlicher Kritik Polens.

Der Beschluss der Bundesregierung, das ehemalige KZ Gusen in Oberösterreich zu kaufen, fällt auf einen symbolträchtigen Tag. Am Freitag, 75 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation des NS-Regimes und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, verkündete die Regierung, in Verhandlungen mit den Grundeigentümern einzutreten.

Um die Zukunft des Außenlagers des KZ Mauthausen gibt es seit vielen Jahren Diskussionen. Zuletzt hatte Polen Österreich für den Umgang mit dem Außenlager, das das flächenmäßig größte Konzentrationslager in Österreich war und eine besonders hohe Todesrate aufwies, kritisiert. 35.000 Menschen sind dort binnen weniger Jahre ermordet worden.

Kritik von Polen

Ende des vergangenen Jahres kündigte der polnische Premier Mateusz Morawiecki an, dass sein Land die Überreste des Lagers selbst kaufen wolle. Das Land bemüht sich besonders um ein würdiges Gedenken, da unter den Häftlingen viele Polen waren.

„Wir können nicht erlauben, dass dieser Ort eines früheren Vernichtungslagers in einen Ort verwandelt wird, der des Gedenkens nicht würdig ist“, sagte Morawiecki damals. Erst Anfang der Woche zeigte sich die polnische Botschafterin Jolanta Kozlowska in einem Interview enttäuscht, dass der Kauf noch nicht erfolgt sei.

Polen überlegte, die unverbauten Reste des ehemals vier Hektar großen Appellplatzes zu kaufen. Das im Besitz zweier Unternehmer befindliche Areal ist heute zum Teil völlig verwildert. Große Teile des ursprünglichen KZ-Geländes sind heute Wohnsiedlungen.

Gestaltung ist offen

Die Bundesregierung will nun ein würdiges Gedenken an die Opfer sicherstellen. „Der Ankauf ist gerade heuer, 75 Jahre nach der Befreiung, ein wichtiger Schritt, um unserer historischen Verantwortung auch konkrete Taten folgen zu lassen“, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz mit. Das Innenministerium will nun mit allen Eigentümern der verbliebenen historischen Gebäude und Grundstücke in Verhandlungen treten.

Dabei sei „auf ortsübliche, angemessene Liegenschaftspreise zu achten“. Für die weitere Gestaltung gibt es eine Machbarkeitsstudie, die mehrere Szenarien vorsieht, wie man das Areal für die Öffentlichkeit aufbereiten könnte. Wie genau das Gelände künftig aussehen wird, soll nach den Ankaufsverhandlungen entschieden werden.

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