Ewald Kreid von The Boston Consulting Group Inc. im Interview in Wien am 29.07.2013.

© KURIER/Jürg Christandl

Spitalsreform
08/31/2013

„Qualität ist wichtiger als die Nähe“

„Je öfter in einem Spital operiert wird, umso geringer ist die Sterblichkeit“, so Ewald Kreid.

von Josef Ertl

Wir haben in Österreich ein gutes Gesundheitssystem, wenn auch im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern keine Spitzenmedizin.“ Ewald Kreid (42) ist einer der Geschäftsführer der Boston Consulting Group, einer internationalen Managementberatung. Der 42-Jährige sitzt in Wien und ist zuständig für den Gesundheitsbereich.

Besonders in der Relation der Kosten zur Qualität gelte es aufzuholen. „Da sind die Skandinavier deutlich vor uns. Sie kommen mit demselben Geld zu besseren Ergebnissen.“ Hingegen gäben die USA mit 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fast doppelt so viel aus wie Österreich mit zehn bis 11 Prozent. Die USA hätten deswegen aber keine bessere Breitenwirkung. „Die Skandinavier zeigen uns, wie man es für die breite Bevölkerung noch besser machen kann. “

In Österreich werde, so Kreid zum KURIER, der niedergelassene Bereich zu wenig mit dem stationären Bereich verzahnt. Das seien derzeit zwei verschiedene Welten. „Wir werden hier zu neuen Formen der Betreuung kommen. Wir müssen die ambulante Betreuung ausbauen und attraktiver machen.“ Die Ambulanzen müssten am Wochenende verfügbar sein, sie müssten in der Lage sein, unter einem Dach einfache Diagnosen und Labortests sofort durchzuführen und schnell auf die stationären Bereich verteilen, falls dies notwendig ist. Die Ambulanzen müssten nicht unbedingt in den Spitälern beheimatet sein. Es könne sich auch um ambulante Zentren handeln. „Die wesentliche Herausforderung ist, den niedergelassenen Bereich zu modernisieren und den stationären Bereich in den Spitälern zu entlasten.“

Die Boston Consulting Group hat verschiedene Studien und Befragungen durchgeführt. „Eine deutsche Befragung zeigt ganz deutlich, dass die Patienten sich für die Qualität entschieden, wenn sie die Wahl zwischen Behandlungsqualität und Spitalsnähe haben. 76 Prozent der Befragten sagen, dass Qualität für sie das Wichtigste ist. Nur 21 Prozent nannten die örtliche Nähe. Wenn man sich einem geplanten Eingriff unterzieht, ist man bereit, Distanzen auf sich zu nehmen. Zugleich ist aber eine gute Flächenabdeckung für die Akut- und Erstversorgung wichtig.

Die Studien zeigen auch, dass die Qualität stark von der Quantität abhängt. Je mehr Eingriffe ein Krankenhaus vornimmt, umso besser ist die Qualität. Stimmt also der Vorhalt, dass Landespitäler schlechter sind, weil sie weniger Operationen durchführen? Kreid: „Statistisch gesehen ja. Das basiert auf dem Konzept der Erfahrungskurve.“ Man habe eine um 94 Prozent höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bei Eingriffen in den Darm, wenn man in einem Krankenhaus sei, das mehr als 165 Eingriffen pro Jahr vornehme gegenüber einem Krankenhaus, das nur acht Eingriffe vornehme.

Diese Aussagen seien aber kein Automatismus, sondern es handle sich um Durchschnittswerte. In Deutschland ist das beste Krankenhaus beim Einsetzen von Herzklappen die Universitätsklinik Kiel. Bei 70 vorgenommenen Eingriffen ist kein einziger Patient gestorben. Die schlechtesten Krankenhäuser sind die Herz-Kreislauf-Klinik Bevensen, bei der die Sterblichkeit 22 Prozent beträgt. Die Anzahl der vorgenommenen Eingriffe betrug 21. Schlecht schneidet auch die Uni-Klinik Düsseldorf ab, wo bei 56 Eingriffen 25 Prozent im Krankenhaus gestorben sind. Ähnlich Daten gibt es auch bei Lebertransplantationen. In Hannover sind bei 89 Operationen lediglich sieben Prozent gestorben, in der Uni-Klinik Magdeburg bei 16 Operationen 27 Prozent.

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