Chronik | Oberösterreich
14.01.2018

Börse 2018: "Fahren Sie auf Sicht, aber fahren Sie"

Alois Wögerbauer, Geschäftsführer von 3 Banken Generali © Bild: honorarfrei/Josef Ertl

Einfluss der Politik wird überschätzt, Einfluss der Notenbank aber unterschätzt.

Die Devise, die Alois Wögerbauer Anlegern im neuen Jahr ans Herz legt, ist im Prinzip dieselbe wie im Vorjahr. "Fahren Sie auf Sicht, aber fahren Sie!" Und wer mit dem von Wögerbauer gemanagten Österreich-Fonds gefahren ist, hat 2017 immerhin einen Gewinn von 41,46 Prozent verzeichnen können. Das ist kein Zufall. Denn der Österreich-Fonds ist in den vergangenen Jahren stets entweder der Beste oder der Zweitbeste gewesen. Das Finanzmagazin Börsianer hat die 3 Banken Generali Investmentgesellschaft als beste Fondsgesellschaft 2017 ausgezeichnet. Ihr Anlagevolumen ist um eine Millarde Euro auf rund zehn Milliarden angewachsen.

Für 2018 erwartet Wögerbauer wiederum ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft, das aber mit 3,5 Prozent leicht unter den 3,7 % von 2017 liegen werde. "Noch nie seit über 40 Jahren waren global betrachtet so wenige Länder in der Rezesion wie 2017/18." Die Konjunkturampel stehe auf grün.

Wögerbauer findet, dass zu viel über Politik geredet wird. Denn deren Einfluss auf Märkte und Wirtschaft werde überschätzt. "Nicht Trump und Co stehen im Vordergrund, sondern Automatisierung, Digitalisierung und die Suche nach qualifizierten Arbeitsplätzen."

Während viele Anleger den Einfluss der Politik überschätzten, werde der Einfluss der Notenbanken unterschätzt. Alleine die drei größten Notenbanken FED, EZB und Bank of Japan hätten seit der Krise 2008 Anleihekäufe von mehr als 10.000 Milliarden Dollar getätigt. Heuer werde die US-Fed aber ihre Bilanzsumme schrumpfen. "Der Rückenwind lässt nach und könnte bei guter globaler Konjunktur gegen Jahresende sogar zum Stillstand kommen." Es werde 2018 daher weniger Rückenwind , aber noch keinen Gegenwind geben.

Bei den Anleihen werde es ein viertes Jahr der Bodenbildung geben, der Druck auf die Kurse werde zunehmen. Es werde vermehrt zu Schwankungen kommen.

Die Überraschung des vergangenen Jahres sei die Stärke des Euro gewesen, erläutert Wögerbauer. Er werde auch 2018 in Summe nicht schwach sein.

Für Wögerbauer bleiben Aktien die bevorzugte Anlageklasse, "auch wenn wir wachsam sind". Die Unternehmensgewinne könnten im hoch einstelligen Bereich noch wachsen.

Er bleibe in kleineren Dosen in Gold investiert, so Wögerbauer, er empfehle aber noch keine Übergewichtung. "Ein gutes Zeichen ist, dass die Euphorie den Goldmarkt definitiv verlassen hat."

Trotz der guten äußeren Bedingungen bleibt beim erfahrenen Börsianer Wögerbauer ein "Unwohlsein. Wir bleiben wachsam, aus der Logik heraus, dass das positive Umfeld bekannt und somit in den Kursen weitgehend vorweggenommen sein sollte."