Chronik | Oberösterreich
01.07.2017

Bluttat in Linz: Verdächtiger hatte "Hass auf die FPÖ"

Der Tatverdächtige aus Tunesien soll in Linz ein betagtes Ehepaar ermordet haben. Laut Polizeidirektor Pilsl wollte er an seinen Opfern ein "Exempel statuieren".

Nach dem gewaltsamen Tod eines betagten Ehepaars am Freitagvormittag in Linz haben die Einvernahmen des Verdächtigen ein politisches Motiv zutage gefördert. Der 54-jährige Muslim aus Tunesien soll laut Polizei viele schlechte Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren in Österreich gemacht hatte, auf die FPÖ projiziert haben.

An seinen Opfern habe er ein Exempel statuieren wollen, sagte der oberösterreichische Landespolizeidirektor Andreas Pilsl am Samstag in einem Hintergrundgespräch. Der unter Doppelmord-Verdacht stehende Mann, der seit 1989 in Österreich lebt, war 2012 nach einer Anzeige eines lokalen FPÖ-Mandatars wegen Tierquälerei verurteilt worden. Von da an machte er die FPÖ für alle negativen persönlichen Erfahrungen verantwortlich, etwa wenn er seiner Ansicht nach beim AMS schlecht behandelt wurde oder als ihm einmal die Mindestsicherung gekürzt wurde.

Der Tunesier soll davon ausgegangen sein, dass seine Opfer - ein 87 Jahre alter Mann und seine um zwei Jahre jüngere Ehefrau - ein Naheverhältnis zur FPÖ hatten. Ein solches war jedoch nicht gegeben, erklärte dazu der oberösterreichische Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.

Der Verdächtige habe die Tat genau geplant, auch wenn er wusste, dass die beiden Pensionisten im Alter von 85 und 87 Jahren eigentlich nichts für seine Situation konnten, so Pilsl. Die Pensionisten sollen den Tunesier im Gegenteil sogar finanziell unterstützt haben.

Er hatte im Geschäft seiner Lebensgefährtin, einer österreichischen Konvertitin, als Lebensmittellieferant mitgearbeitet. Zweimal wöchentlich brachte er Waren zu dem betagten Ehepaar.

Frau erdrosselt, Mann erstochen und erschlagen

Beim Liefertermin am Freitag hatte er unter seiner Schürze einen Gurt, einen Holzstock, ein Messer und einen Benzinkanister versteckt. Den vorläufigen Ermittlungsergebnissen zufolge erdrosselte er zunächst die arglose 85-jährige Frau, anschließend tötete er ihren um zwei Jahre älteren Mann mit dem Messer und dem Stock. Dann legte er Feuer. Wenig später entdeckte die Feuerwehr die Leichen der beiden Opfer.

Kurz nach der Tat stellte sich der mutmaßliche Täter selbst der Polizei. In seiner polizeilichen Einvernahme sagte der Tunesier, er habe zuerst überlegt, sich in der Donau zu ertränken, dann aber beschlossen, sich zu stellen. Als er am Freitag in die Polizeiinspektion ging, musste er zunächst warten. Er stellte sich brav an und legte, als er schließlich an die Reihe kam, ein Geständnis ab.