Chronik | Oberösterreich
27.08.2017

Neos-Kandidatin: "Bin für Schwarz-Grün-Pink"

Karin Doppelbauer, die Neos-Spitzenkandidatin in Oberösterreich, plädiert für eine Koalition aus ÖVP, den Grünen und den Neos.

Karin Doppelbauer ist seit April 2017 für die Neos im Nationalrat. Die 42-Jährige hat vor zehn Jahren von ihren Eltern den Bauernhof in Aschau, Kallham (Bez. Grieskirchen), übernommen, weiters hat sie mehrere Jahre für den amerikanischen Computerkonzern Dell gearbeitet. Doppelbauer ist Spitzenkandidation in Oberösterreich.

KURIER: Sie haben in Wien an der Bodenkultur studiert, um sich auf die Übernahme Ihres elterlichen Hofes vorzubereiten. Karin Doppelbauer: Mit sechs habe ich gesagt, ich will Landwirtschaftsministerin werden, das war mein erster Berufswunsch. (lacht)

Waren Sie immer schon so von Ihrer Mission beseelt?

Ich weiß auch nicht, wie ich darauf gekommen bin, aber es war mir immer schon wichtig, dass ich politisch etwas mache.

Warum engagieren Sie sich politisch?

Ich habe Neos 2012 mitgegründet. Ich hatte wegen meines Bauernhofes ursprünglich nicht vor, in den Nationalrat zu gehen. Wir wollen auch nicht, dass die Leute 30 Jahre im Parlament sitzen. Man soll nach einer gewissen Zeit wieder zurück indie Wirtschaft.

Warum haben Sie sich für die Neos entschieden? Sie hätten zum Beispiel auch zum Bauernbund gehen können.

Die ehemaligen Großparteien können nicht mehr. Es geht nichts mehr weiter. Die Landesfürsten behindern sie mit ihren Fußfesseln im höchsten Ausmaß. Deswegen haben wir seit 40 Jahren einen Stillstand. Wir von den Neos müssen niemanden bedienen, wir machen keine Klientelpolitik.

Was ist Ihr Wahlziel für Oberösterreich?

Wir wollen sieben Prozentpunkte erreichen. Judith Raab und ich bilden eine Doppelspitze. Zwei starke Frauen im Parlament wären ein Traum.

Woran sind die Neos bei der Landtagswahl 2015 gescheitert?

Vielleicht war die Zeit noch nicht reif. Wir haben viel darüber diskutiert und nachgedacht. Judith Raab war eine großartige Spitzenkandidatin. Vielleicht sind wir noch nicht gut genug aufgestellt, Oberösterreich ist ein Flächenland. Es geht auch nicht alles von heute auf morgen. Es gibt uns erst seit fünf Jahren. Wir sind noch nicht stark genug.

Laut OGM-Umfrage liegen die Neos bundesweit bei fünf Prozent. Damit ist es unsicher, ob sie wieder den Sprung ins Parlament schaffen. Warum ist Ihre Partei nicht stärker?

Es gibt an der Spitze der Altparteien sehr attraktive Köpfe. Ein Kurz ist viel spannender als es Spindelegger war. Auch Kern ist spannender als Faymann.

Ich will nicht das Geld als Ursache hernehmen. Die anderen haben viel mehr Geld zur Verfügung als wir. Geld ist wichtig, aber nicht alles.

Wir wachsen sehr organisch. Wir stellen nun den ersten Bürgermeister in Tirol. Wir haben in der ersten Legislaturperiode einen guten Job gemacht. In einer Umfrage hatten wir nun sechs Prozent, womit wir die Grünen überholt haben. Das ist auch eine kleine Sensation. Wir wollen definitiv stärker werden. Als kleinere Organisation ist es auch schwieriger die mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.

Welche Koalition soll nach dem 15.Oktober regieren?

Das Rennen mit Kurz ist durch.

Es sind aber noch eineinhalb Monate bis zur Wahl.

Ich wüsste nicht, was noch passieren soll. Meiner Meinung nach hat er das Rennen gewonnen. Da ist für die anderen nicht mehr viel zu holen. Der Wunsch nach einer schwarz-blauen Regierung ist nicht zu überhören.

Sind das Äußerungen aus der Bevölkerung oder von Politikern?

Von Politikern. Sie entscheiden letzten Endes. Michael Strugl hat sich für Schwarz-Blau ausgesprochen. Das ist aber kein schönes Bild.

Was wäre Ihr Wunschbild?

Dadurch, dass wir sehr sachpolitisch sind, können wir mit allen gut zusammenarbeiten. Unser Weltbild erlaubt aber keine Koalition mit den Freiheitlichen. Schwarz-Grün-Pink wäre eine Option.

Aber das wird sich rechnerisch schwer ausgehen.

Man weiss es nicht.Es wäre eine gute Variante. Mitunserem Weltbild und unserer Wirtschaftskompetenz würden wir dem Land sehr gut tun.

In einer Ihrer Presseaussendungen bezeichnen Sie die Landeshauptleute als "Fürsten der Finsternis". Das ist eine Diktion, die man sich eher von der FPÖ erwartet.

Diese Diktion ist sehr bewußt gewählt. Es geht um das Ausgeben von Steuergeldern. Die Länder weigern sich die Transparenzdatenbank mit den Agaben über Ihre Förderungen zu füllen. Dieses Vorgehen ist unverschämt. Jedes Unternehmen muss gegenüber dem Finanzamt jeden Cent nachweisen. Die Bundesländer weigern sich, weil es angeblich zu viel Aufwand ist.

Sie wollen die Subventionen kürzen. Wo sollte man einsparen?

Bevor ich das sage, möchte ich wissen, wofür wir sie ausgeben. Es gibt Doppel- und Dreifachförderungen.

Ein wesentlicher Teil der Förderungen geht für die Landwirtschaft auf.Manche wollen sie komplett streichen.

Der Begriff Förderung ist irreführend.Hier geht es um Leistungen. Österreichs Landwirte sind im internationalen Wettbewerb durch die Topographie benachteiligt. Wenn man das Gemeinwohl fördern will, ist diese Leistungsabgeltung absolut gerechtfertigt.Zum Beispiel für saubere Luft und sauberes Wasser.

Dann dürfen die Bauern aber nicht mit der Chemiekeule arbeiten.

Das ist ein Gerücht. Die Bauern haben sich gewandelt. Ich habe viele Stunden im Stall verbracht. Außerdem kostet die Chemie sehr viel Geld. Ein Landwirt muss heute ein Unternehmer sein. Er will nichts geschenkt, sondern einen fairen Preis.

Sie fordern die Halbierung der Parteienförderung in Oberösterreich, die derzeit 20 Millionen Euro beträgt.

Unbedingt. Die Landesfürsten beschließen ihre eigenen Förderungen. Die SPÖ hat in Wien wegen der Verluste bei der Landtagswahl auch Parteienförderung verloren, dafür hat sie einen Akademienförderung eingeführt. Die Neos sind die einzige Partei, die sie nicht angenommen hat.

Sie wollen die Länderkompetenzen ändern.

Dort, wo Steuergeld ausgegeben wird, soll auch Steuergeld eingenommen werden. Wir sehen den Finanzausgleich sehr kritisch. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das ändern könnte. Ich halte das Schweizer Modell für sehr gut. Dort sind auch die Gemeinden viel stärker. Unsere Gemeinden müssen immer zum Land betteln gehen. Das ist für uns strukturelle Korruption.