Chronik | Oberösterreich
28.10.2017

Betrüger mit Neffentrick-Masche hoch aktiv

Betrügerbande hat den Linzer Zentralraum ins Visier genommen.15 Anzeigen bei der Polizei.

Die Polizei spricht von einer regelrechten Angriffswelle: Eine Bande, die seit Jahren auf Neffentrick-Betrügereien spezialisiert ist, ist im Raum Linz und Umgebung derzeit sehr aktiv. Allein in dieser Woche wurden bei der Polizei 15 Telefon-Attacken angezeigt. Zum Glück gab es in keinem Fall Geschädigte und die Opfer brachen den Kontakt mit den Kriminellen rechtzeitig ab.

"Wahrscheinlich hat es wesentlich mehr Anrufe gegeben, als uns bekannt ist", heißt es bei der Polizei. Am Nationalfeiertag hatten die Gauner Senioren in Wilhering, Bezirk Linz-Land, im Visier. Am Nachmittag meldete sich ein Hochdeutsch sprechender Mann bei einem 77-jährigen sowie bei einem 86-jährigen Pensionisten. Er sei ein Neffe aus Deutschland, stellte sich der Unbekannte beim ersten Versuch vor und blitzte aber sofort ab, weil der Angerufene keine Verwandten in Deutschland hat. Auch beim zweiten Versuch, bei dem sich der Mann als "Freund von Emmi", der Geld für eine Wohnung brauche, vorstellte, wurde er vom Angerufenen nicht ernst genommen. "Ich habe so viel Geld – so viel kannst du gar nicht brauchen", sagte der Senior. Da legte der Betrüger auf. Auch eine Hochdeutsch sprechende Frau war am Donnerstag aktiv. Sie und ihr Komplize riefen bei einem 70-Jährigen am Handy und dann am Festnetz an, blitzten aber ebenfalls ab.

Schon in den vergangenen Tagen wurden zwei Pensionistinnen aus Neuhofen/Krems von einer Frau angerufen. Sie wollte auf einen Kaffee vorbeikommen und erwähnte auch, dass sie ein Haus gekauft habe und 85.000 Euro für die Anzahlung ausleihen wolle. Eine 58-Jährige aus Wilhering berichtete, dass sie von einem Unbekannten rund 15 Mal angerufen wurde und um 58.000 Euro für einen Grundkauf gebeten wurde.

Am vergangenen Freitag ging das böse Telefonspiel weiter. Eine 66-jährige Frau in Traun wurde von ihrem angeblichen Cousin aus Deutschland angerufen. Wie immer war die Nummer des Anrufers unterdrückt. Auch seinen Namen nannte der Hochdeutsch sprechende Anrufer nicht. Für den Kauf eines Baugrundes an der tschechischen Grenze wollte er sich von seiner Verwandten kurzfristig 90.000 Euro ausleihen und gleich bei ihr vorbeikommen. Mehrmals forderte er die Traunerin auf, niemanden von dem Telefonat zu erzählen. Die Frau verständigte die Exekutive dennoch. Der Anrufer, der angekündigt hatte um 17 Uhr bei ihr vorbeizukommen, tauchte aber nicht auf. Die Polizei in Oberösterreich erneuerte ihre Warnung, keinesfalls auf die Wünsche der raffinierten Anrufer einzugehen.