Nächtliche Fahndung blieb erfolglos

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Chronik Oberösterreich
07/29/2022

Bedrohte Ärztin aus Oberösterreich tot in ihrer Praxis aufgefunden

Laut Staatsanwaltschaft Wels keine Anzeichen auf Fremdverschulden.

von Petra Stacher

Lisa-Maria Kellermayer ist tot. Die Ärztin, die sich in den vergangenen Monaten wegen Morddrohungen an die Öffentlichkeit gewandt hatte, wurde am Freitagvormittag in ihrer Praxis in Seewalchen am Attersee leblos aufgefunden, bestätigte die Staatsanwaltschaft Wels gegenüber dem KURIER einen entsprechenden Bericht der Heute. Für Fremdverschulden gebe es "eindeutig" keine Anzeichen, so Staatsanwältin Silke Enzlmüller. Es seien Abschiedsbriefe gefunden worden. Eine Obduktion werde nicht beantragt.

Im Juni twitterte Kellermayr, dass sie ihre Ordination vorübergehend schließen werde. Grund dafür seien Morddrohungen, die sie seit November in unregelmäßigen Abständen erhalten hatte. Darin war unter anderem die Rede von "abschlachten" und "Schrotflinte" und einer "tödlichen Impfdosis". 100.000 Euro habe sie deshalb in ihre Sicherheit und in die Sicherheit der Ordination gesteckt, schilderte sie im Juni dem KURIER.

Am 13. Juli gab sie dann bekannt, die Ordination endgültig zu schließen: „Ich habe die Reißleine zu spät gezogen", twitterte sie damals.

Zeitgleich entfachte die Thematik auch eine Debatte: Denn Kellermayr gab offen an, dass sie sich von der Polizei nicht mehr genug beschützt gefühlt hätte. Personenschutz hätte sie nie bekommen, nur ab und zu sei eine Streife vorbeigeschickt worden.

Von der Landespolizeidirektion OÖ hieß es am Freitag: "Der Fall ist sehr bedauerlich. Wir haben Frau Kellermayer seit November intensiv betreut. Haben das auch noch einmal intensiviert, nachdem sie ihre Praxis geschlossen hatte. Sie wurde regelmäßig vom Verfassungsschutz kontaktiert." Die Ermittlungen gegen die Droher würden teilweise noch laufen. Teilweise seien sie eingestellt worden, weil die Zuständigkeit in die Hände Deutschlands fällt. Dort gebe es Anhaltspunkte auf Verdächtige, die die Drohbriefe verfasst haben könnten.

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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