Chronik | Oberösterreich
15.06.2018

Bayrische Aktion scharf vor der Grenze

Großaktion der Polizei mit österreichischer Beteiligung. Der KURIER war dabei, als die A3 abgeriegelt wurde.

„Ich wünsche mir, dass keinem Kollegen etwas passiert und dass wir auch entsprechende Aufgriffe machen.“ Großkontrollen, wie sie eine hundertköpfige Polizei-Truppe in der Nacht auf Freitag auf der A3 im bayrischen Grenzraum zu Österreich abwickelt, stünden wegen des enormen Aufwands nur einmal pro Jahr an der Tagesordnung, erklärt Einsatzleiterin Kerler Simeth von der Verkehrspolizei Passau.

Mit den seit Anfang Juni im österreich-deutschen Grenzraum wieder gestarteten gemeinsamen Kontrollaktionen gegen grenzüberschreitende Kriminalität und illegale Einwanderung hat die Aktion Donnerstagnacht bei Pocking in Niederbayern nichts zu tun. Wohl aber indirekt mit der Sicherheitsdebatte in Bayern, wo ja im Oktober die Landtagswahlen anstehen. Die Polizei muss Präsenz zeigen – und sie tut es auch.

Im Verkehrsfunk wird gegen 22.30 Uhr einem Schwertransport, der das Überholen unmöglich mache, die Schuld für den vier Kilometer langen Stau auf der A3 Richtung Österreich gegeben. In Wahrheit werken in einem sonst gesperrten Vorstauraum nahe dem oberösterreichischen Grenzübergang Suben Spezialkräfte der Polizei. In dem aufwendig eingerichteten Kontrollterminal wird versucht, möglichst viele Fahrzeuge und Menschen zu kontrollieren.

Unterstützung

Unterstützt werden die Beamten der deutschen Bundes- und bayrischen Landespolizei auch von drei Polizeistreifen aus Oberösterreich und einer aus Tschechien. Auch der deutsche Zoll ist dabei und sucht nach Schmuggelware. Fachbeamte der bayrischen Landesregierung wiederum sind auf illegal verschobenen Müll und gefährliche Transportgüter aus.

Über etliche 100 Meter erstreckt sich die von Flutlichtstrahlern ausgeleuchtete Prüfzone durch die die Autoschlange geschleust wird. Mit geschultem Blick picken die Polizisten verdächtig erscheinende Fahrzeuge aus dem Blechwurm. „Wir kontrollieren den Gütertransport und Lenkzeitübertretungen, die Einhaltung der Sozialvorschriften, aber auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz“, schildert Einsatzleiterin Simeth. Und natürlich werde beim Durchsuchen der ausgewählten Autos auch nach Einbruchswerkzeug und Diebesgut Ausschau gehalten.

Sicherheit

Beamte mit Maschinenpistolen, die gut aufgeteilt im Kontrollkorridor stehen, machen deutlich, dass nächtliche Einsätze dieser Art immer ein Risiko bergen. Vor allem Kontrolle von Pkw mit osteuropäischen Kennzeichen werden intensiver beäugt. Die Frage, welche Gefühle er habe, wenn er im Halbdunklen auf ein Auto zugeht ohne zu wissen, wie die Insassen reagieren, möchte ein deutscher Beamter nicht kommentieren.

Bewaffnete Schleierfahnder, die Zivilkleidung und reflektierende Westen tragen, durchstöbern nicht nur Koffer- und Motorräume der Autos, auch die Pässe der Insassen werden via Internet gecheckt. In dieser Gruppe sind auch Nadja Siegl und Manfred Wiesinger von der Landespolizeidirektion OÖ. Als Mitglieder der Abteilung „Einsatz-, Grenz- und Fremdenpolizei“ unterstützen sie die deutschen Kollegen. Direkte Amtshandlungen dürfen sie nicht vornehmen. Wenn bei den demnächst anstehenden Kontrollen in Zügen und auf Straßen in OÖ deutsche Kollegen dabei sind, sei es umgekehrt, schildern die beiden Schleierfahnder.

Wenige Meter nebenan stöhnt plötzlich ein bayrischer Polizist auf. Seine Gruppe hat einen Pkw mit Anhänger angehalten. Die Fracht besteht aus einem Dutzend prall gefüllter Textilsäcke. Jetzt ist Handarbeit angesagt: Die Beamten durchstöbern die Ladung, finden aber nichts illegales.

362 Personen in 269 Fahrzeuge, darunter fünf Reisebusse werden in dieser Nacht kontrolliert. Verstöße und Anzeigen gab es in allen Bereichen, berichtet die Polizei am Freitag. Vor allem 52 Tempobolzer, die vor dem Checkpoint gemessen wurden, erwischte es. Gegen zwei wurden Fahrverbot verhängt. Einer hatte statt den erlaubten 100 km/h gleich 149 drauf.