Der Trauner-Hof produziert zehn verschiedene Säfte

© Trauner-Hof

Direktvermarkter
05/01/2021

Vollerwerb dank Weitblick, Vielfalt und Mut zu Neuem

Die Familie Rabengruber produziert Most und Säfte und noch viel mehr. Von Gerhard marschall.

Der Termin für den Besuch einer Bauernbund-Delegation, angeführt von Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, war mit Bedacht gewählt. Auf dem Traunerhof in Geboltskirchen (Bez. Grieskirchen) werden Most und Saft produziert, die Obstbäume stehen um diese Jahreszeit in voller Blüte und markieren quasi den Saisonauftakt. Doch der kühle April bremst. „Um mindestens zwei Wochen sind wir heuer später dran“, sagt Ludwig Rabengruber (55). Für ihn kommt das so überraschend nicht. Er arbeitet mit der Natur, weiß um deren Unwägbarkeit. Auch um die klimatischen Veränderungen. Was heute als außergewöhnlich gilt, sei vor gar nicht so langer Zeit üblich gewesen.

Rabengruber und seine Frau Susanne (49) übernahmen 1994 den Hof und richteten ihn neu aus. Sie gaben die Milchkühe weg, konzentrierten sich auf die Most- und Saftproduktion. Der Betrieb wurde nach und nach erweitert und technologisch aufgerüstet. Im ehemaligen Kuhstall wurde ein geschmackvoller Verkostungsraum eingerichtet. „Trauner’s Most und Fruchtsäfte“ ist in der Region zur Marke geworden.

Betrieb steht auf mehreren Beinen

„Das Wichtigste in der Landwirtschaft ist, dass man ein Standbein findet, mit dem man nach Möglichkeit im Vollerwerb das Auskommen hat“, sagt Rabengruber. Sein Betrieb steht mittlerweile auf mehreren Beinen, es gibt mehr als nur Most und Saft. Rund 500 Legehühner liefern Eier, zwischen 40 und 50 Mastschweine Fleisch. Geschlachtet und zerlegt werden sie von einem Nachbarn, die weitere Verarbeitung erfolgt nach Hausrezeptur. Jeden Donnerstag wird Brot gebacken. Bereichert wird das Sortiment durch Produkte von Partnerbetrieben: Nudeln, Honig, Apfelringe. Nachhaltige Kreislaufwirtschaft wird hier gelebt. Ackerbau sorgt für Getreide zur Verfütterung an die Tiere, Solarenergie deckt einen guten Teil des Strombedarfs ab und soll noch ausgebaut werden. Zur Erhitzung der Säfte vor der Abfüllung in Flaschen wird Holz aus dem eigenen Wald verfeuert. Die Gülle der Hühner und Schweine wird als Dünger ausgebracht. Und sogar der Pressrest, der Trester, wird verwertet: Einen Teil nehmen Jäger zur Wildfütterung ab, der Großteil geht in die Biogasanlage.

Allmählich erfolgt die Übergabe an die dritte Generation. Tochter Maria (23) arbeitet im Betrieb mit, Schwiegersohn Johann Heftberger (33) hilft neben seinem Job aus. Zu tun gibt es genug, speziell zur Erntezeit im Herbst. Rund 100 Tonnen Obst werden dann gepresst, in Tanks gelagert und in Flaschen abgefüllt. Der kleinere Teil kommt von den Streuobstwiesen rund um den Hof, der größere wird in der näheren Umgebung zugekauft.

Most und zehn Säfte

Der Most und die aktuell zehn Säfte werden teils über den Handel in der Region verkauft, überwiegend setzen die Rabengrubers aber auf Direktvermarktung. Etwa 40 Prozent wird ab Hof abgesetzt, der größere Rest wird zugestellt. Wie schon sein Vater dreht Ludwig Rabengruber zweimal in der Woche mit dem Lieferwagen seine fixen Runden. „Wir haben mittlerweile sicher mehr als 500 Stammkunden“, sagt er. „Zu einigen kommen wir schon seit 45 Jahren ins Haus.“

„Durch Corona hat sich bei der Direktvermarktung enorm viel bewegt“, berichtete Landesrat Hiegelsberger. Anfangs hätten sich viele Konsumenten dafür interessiert, was sie in ihrer näheren Umgebung an Lebensmitteln finden, jetzt möchten sie vermehrt wissen, wo und wie produziert wird. Hiegelsberger sieht darin für die Bauern Chancen und Herausforderung zugleich.

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