Thomas Hain, Herbert Seiringer und Friedrich Hausberger

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
02/08/2019

Aus dem Reh wird Biodiesel

In der Tierkörperverwertung in Regau wird aus toten Tieren Katzen- und Hundefutter sowie Biodiesel hergestellt.

Wer in der thailändischen Hauptstadt Bangkok entlang eines Flusses spaziert, dem kann es leicht passieren, dass ein toter Hund im Fluss daher treibt. In Oberösterreich gibt es für so einen Fall eine klar geregelte Vorgangsweise: Der Kadaver des Hundes wird in eine von 140 öffentlich zugänglichen und gekühlten Sammelstellen abgegeben. Der Rinderkadaver wird innerhalb weniger Stunden von einem Fahrzeug der TKV, der Tierkörperverwertung, Regau abgeholt. Dasselbe würde mit den vielen Wildtieren passieren, die im Autoverkehr umkommen. Ein totes Reh würde in der TKV von einem Tierarzt untersucht und dann in die Tierkörperverwertung weitergeleitet werden.

Dort werden in hochspezialisierten Verarbeitungsanlagen mögliche Krankheitserreger durch eine 20-minütige Sterilisation mit 130 Grad Celsius und drei bar Druck zu 100% abgetötet. Anschließend wird das sogenannte Falltier zu Knochenmehl verarbeitet, das in weiterer Folge als wertvoller Brennstoff z.B. für Zementwerke eingesetzt wird und zu Fett, das für die Biodieselerzeugung verwendet wird.

Bei einem Besuch in der TKV im Rahmen einer Pressefahrt entnimmt der Veterinär der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, Herbert Seiringer, gerade eine Probe aus dem Gehirn eines Rindes, um die Gefahr von BSE auszuschließen. „Bis zu 600 Falltiere werden täglich von landwirtschaftlichen Betrieben zu uns transportiert. Darüber hinaus mussten wir im März und April 2018 hunderte Schweine und im Juni 2018 50 Rinder wegen des Ausbruchs von Brucellose töten, ebenso zirka 16.000 Hühner wegen Salmonellen.“ Automatisch wird durch diese Vorgangsweise jegliche weitere Seuchengefahr ausgeschaltet.

Der Landesveterinärdirektor Thomas Hain weist auf eine aktuelle Seuchengefahr hin, die Afrikanische Schweinepest: „Diese wird von Wildschweinen auf Hausschweine überragen. Die Seuche wird durch Speiseabfälle übertragen, die von Reisenden auf Parkplätzen achtlos weggeworfen und von Wildschweinen gefressen werden. Dazu haben wir breite Informationsmaßnahmen gesetzt, um die Fahrzeuglenker für die Gefahr zu sensibilisieren. Falls ein Todesfall bei einem Wildschwein eintritt, sichern und entsorgen wir das ehestmöglich.“

Der Geschäftsführer der TKV, Friedrich Hausberger, nennt aber noch einen anderen bedeutenden Wirkungsbereich seines Unternehmens: „Von den Fleischereibetrieben aus ganz Oberösterreich übernehmen wir deren Schlachtabfälle. Diese sog. tierischen Nebenprodukte werden von uns zu Tiermehl verarbeitet, das als Hunde- und Katzenfutter sowie als organischer Dünger verwendet werden. Davon erzeugen wir 25.000 Tonnen im Jahr. Ebenso wird Fett für die chemische Industrie erzeugt sowie Blutmehl, das 90% Protein enthält und im biologischen Landbau sowie als wertvolle Nahrung in der Zucht von Nerztieren eingesetzt wird. Gleichzeitig wird dabei ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet: Die Abwärme, die beim Sterilisieren der tierischen Nebenprodukte entsteht, wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Insgesamt also ein äußert nachhaltiger Prozess.

Zahlreiche Veterinäraufgaben gibt es auch in den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Amtstierärztin des Bezirkes Kirchdorf, Edeltraut Pirker, erwähnt dazu neben Tierkrankheiten die Milchhygiene, Futtermittelhygiene und den Tierschutz allgemein. Ebenfalls werden sämtliche Schlachttiere vor der Schlachtung tierärztlich untersucht. Für diese Tätigkeiten hat das Land Oberösterreich 210 ansonsten freiberuflich tätige Tierärzte amtlich beauftragt.

Pro Jahr werden 40 Millionen Tiere bei der Schlachtung kontrolliert. Die Mehrzahl davon ist Geflügel. Immerhin gibt es in Oberösterreich 25 Schlachtbetriebe, die mehr als 1000 Rinder im Jahr schlachten sowie weitere 650, die kleinere Tiere schlachten. Darunter befinden sich auch viele landwirtschaftliche Betriebe. Agrarlandesrat Max Hiegelsberger betont: „Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass die Lebensmittel in hoher Qualität und Sicherheit auf den Markt kommen. Der gesamte Veterinärdienst ist dafür ein wesentlicher Gradmesser für den gesamten Gesundheitsstatus im Tierbereich für unsere Lebensmittel. Vieles muss im Vorfeld passieren, dass dies möglich ist.“

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur

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