Daniela Dett als grandios komische Mutter Vera Dinkle

© Sakher Almonem

Chronik Oberösterreich
11/10/2019

Auf der Achterbahn der Emotionen

Europäische und deutschsprachige Erstaufführung für das Musical „Mary & Max“ im Musiktheater – ein Highlight!

von Claudia Stelzel-Pröll

Lachen und Weinen, nachdenken und mitfiebern – unglaublich, wie viele Gefühle sich in zweieinhalb Stunden verpacken lassen – und das sogar richtig unterhaltsam und niveauvoll. Der KURIER war bei der Vorpremiere von „Mary & Max“ am Donnerstagabend im Musiktheater.

Das Musical, das in Linz in der europäischen und deutschsprachigen Erstaufführung zu sehen ist, basiert auf dem gleichnamigen Knetanimationsfilm von Adam Elliot aus 2009. Und es eröffnet vielleicht eine neue Musical-Ära. Denn das was hier für Augen, Ohren und Herz geboten wird, ist zwar ein Musical, aber so atypisch anders, erfrischend modern – einfach authentisch.

Brieffreundschaft

Das liegt zum einen am Inhalt: Die achtjährige Mary Daisy Dinkle lebt in Australien, mit einer Mutter, die viel zu viel trinkt und einem Vater, der tote Tiere ausstopft. Mary wünscht sich nichts mehr als einen Freund. Sie beginnt eine Brieffreundschaft mit Max Horowitz, einem übergewichtigen New Yorker Asperger-Autisten. Diese Brieffreundschaft zieht sich durch alle Höhen und Tiefen der beiden Leben.

Die Besonderheit liegt aber auch an der Besetzung: Celina dos Santos als kleine Mary und im zweiten Teil als Lily ist ein Volltreffer, genauso Sanne Mieloo als erwachsene Mary, die mit ihrer starken Bühnenpräsenz begeistert. Publikumsliebling Daniela Dett als versoffene Mutter Vera Dinkle ist so grandios und komisch, dass man beizeiten gar nicht glauben kann, was man da hört und sieht.

Durch die Bank finden sich die Musicaldarstellerinnen und -darsteller bestens in die verschiedenen Rollen ein und haben selbst sichtbar Spaß an allem, was da auf der Bühne abgeht. Womit wir bei einer weiteren Besonderheit wären: Das Bühnenbild von Kaja Dymnicki und die Kostüme von Julia Klug machen das Musical erst zu dieser Steilvorlage: Irre Kopfbedeckungen, witzige Details, ein rundum durchdachtes Setting.

Zu guter Letzt wäre da die Musik. Juheon Han navigiert die toll besetzte Band „Ethel and the Aspies“ quer durch die eingängigen Songs, die meist ohne den typischen Musicalschmalz auskommen.

„Mary & Max“ ist ein wilder Ritt auf der Achterbahn der Gefühle – absolut erlebenswert, nicht nur für Musicaljunkies!