Chronik | Oberösterreich
06.01.2018

Auf dem Malerweg über St.Wolfgang

Der Flügelaltar von Michael Pacher ist die schönste Dreikönigsdarstellung im ganzen Land.

"Die schönste Darstellung der Heiligen Drei Könige in ganz Oberösterreich findet ihr in St. Wolfgang." Diesen Rat von Freunden haben wir beherzigt. Wir nähern uns der Pfarrkirche von St. Wolfgang über den schmalen "Steinigen Weg". In früherer Zeit haben hier die Pferde ihre Lasten ins Zentrum des Ortes transportiert. Dann passieren wir das "Drei-Schuster-Platzl", auf dem heute allerdings kein einziger Schuster mehr anzutreffen ist und gelangen am "Weißen Rössl" vorbei zur Pfarrkirche.

530 Jahre alt

Gebannt stehen wir vor dem gotischen Flügelaltar. Begleitet vom ehemaligen Rechtsanwalt und Kulturexperten Peter Pfarl, der nicht nur Autor zahlreicher Bücher ist, sondern auch das Prädikat "Menschenfreund" verdient. Er lenkt unseren Blick auf die vielen Details des weltberühmten Kunstwerks: Wo der Schnitzer und Maler Michael Pacher seine Heimatstadt Bruneck dargestellt hat oder wie der Heilige Josef ganz verstohlen die von den drei Königen mitgebrachten Schätze in Sicherheit bringt. Es ist ein kleines Wunder. Der aus Zirbenholz geschnitzte Altar hat mehr als 530 Jahre unversehrt überdauert und ist heute noch in seiner mittelalterlichen Pracht zu bewundern. Aber noch andere Schätze wie der barocke Doppelaltar des Rieder Künstlers Thomas Schwanthaler und Skulpturen des Schweizer Bildhauers Meinrad Guggenbichler erheben die Kirche zu einem Gesamtkunstwerk von zeitloser Gültigkeit. Reich beschenkt von so viel Kunst treten wir vor die Kirche zum mittelalterlichen Pilgerbrunnen. Er erinnert, dass dieser Ort eines der bedeutendsten Wallfahrtziele der Christenheit war. Zum Schmunzeln regen vier nackte Bronze-Relief-Gestalten an, die in drastischer Weise die Folgen von übermäßigem Weingenuss darstellen. Sie leiden an Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall.

Auf dem weiteren Weg durch die Hauptstraße tauchen plötzlich lebensgroße Figuren am Straßenrand auf. Andreas Wipplinger ist einer der Organisatoren des Wolfgangsee Advents: "Für die Salzkammergut-Krippe werden sie von einem lokalen Künstler aus massiven Fichtenstämmen geschnitzt. Sie stellen traditionelle Gestalten der Region dar, wie "Die Miazl mit der Henn´" oder "Urbal mit der Leinwand´". Sie werden von den zahlreichen Besuchern, darunter vielen asiatischen Touristen, sichtlich erheitert betrachtet.

Berg-Panorama

Bei einer kulinarischen Pause in der "Gustaria" lassen sich die vielen Kultur-Eindrücke mit italienischen Prosciutto, Pecorino und köstlichem Spumante bestens verdauen. So geht es frisch gestärkt auf einen einstündigen Rundweg, zunächst einer Seitenstraße beim Gemeindeamt folgend auf den Kalvarienberg. Alle paar Minuten erweitert sich das Panorama. Die Blicke richten sich auf den tiefer liegenden Ort und den glitzernden Wolfgangsee. Dahinter grüßen die schneebedeckten Gipfel von Bleckwand und Sparber.

Schließlich wird der Malersteig erreicht. Immer schon hat die Natur rund um den Wolfgangsee Künstler wie Marie von Ebner-Eschenbach oder elander Lernet-Holenia inspiriert. Wegweiser zur Rechten laden zur Besteigung des Schafbergs ein. Dem Höhenweg folgend werden rasch die Dittlbach-Wasserfälle erreicht. Die eindrucksvolle Schlucht mit mehreren Wasserfällen liegt direkt an der Schafbergbahn. Wir folgen dem Rundweg unterhalb des Malerwegs und passieren ein Rudel Schweine, die quietschvergnügt im Schlamm wühlen. Wieder eröffnen sich Blicke auf die idyllische Salzkammergut-Landschaft. So wird rasch das Ortszentrum erreicht.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und bereist mit seinem Reisemobil interessane Schätze der Kultur und Natur.