"Alles aus einem Topf zahlen"

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Primar Knotzer über die negativen Folgen der Spitalsreform für die Patienten und die Notwendigkeit einer Gesundheitsreform.

Es wird zu Wartezeiten für die Patienten bei Operationen kommen.“ Primar Johann Knotzer, seit 16. August ärztlicher Leiter des Klinikums Wels-Grieskirchen. lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Spitalsreform auf die Patienten auswirken werde. So werde zum Beispiel die Bettenanzahl auf der Augenabteilung von 35 auf zehn reduziert. „Es gibt weniger Platz für die Patienten. Daher können nicht mehr so viele Operationen wie bisher an einem Tag durchgeführt werden.“ Das Klinikum Wels-Grieskirchen ist das größte Krankenhaus Oberösterreichs. Die Bettenanzahl wird von 1360 auf 1227 um 133 reduziert.

Kein Wochenenddienst

Die Mund-Kiefer-Chirurgie wird in Wels zu einem Fachschwerpunkte umgewandelt. Die Primarstelle fällt ebenso weg wie normale zahnärztliche Leistungen. Am Wochenende sei in Zukunft kein Zahnarzt mehr da. Das müssen die niedergelassenen Zahnärzte übernehmen. Dennoch will sich das Krankenhaus auch in Zukunft eine Rufbereitschaft für Unfälle mit Verletzungen des Kiefers und des Gesichts leisten. Geschlossen werden die plastische Chirurgie, eingestellt auch die neurochirurgischen Leistungen.

Der 38-jährige Knotzer, der aus dem Oberen Innviertel (St. Pantaleon) stammt und an der Universitätsklinik Innsbruck gearbeitet hat, will die Personaleinsparungen ohne Kündigungen bewältigen. „Wir sind ein Ordensspital, das ist mit dem Ethos des Hauses unvereinbar.“ Er verneint auch, dass es heute schon eine Zweiklassenmedizin gebe. „Ich leite die Intensivstation Herzchirurgie. Hier gibt es keine Unterschiede zwischen den Patienten.“

Zweiklassenmedizin

In Zukunft könnte sich aber eine Schere auftun, dann nämlich, wenn die guten Ärzte die Spitäler verlassen  und wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten private Ordinationen aufmachten. „Wenn das passiert, dann haben wir eine Zweiklassenmedizin.“

Knotzer meint, nicht nur die Spitäler, sondern das gesamte  Gesundheitssystem bedürfe einer grundlegenden Reform.  Es sollten alle Leistungen aus einem Topf gezahlt werden. Derzeit werden die niedergelassenen Ärzte von der Gebietskrankenkasse entlohnt und die Defizite der Spitäler vom Land und den Gemeinden abgedeckt. „Wenn alles von einer Hand beglichen  wird, könnte man leistungsorientierter zahlen. Man hätte einen besseren Überblick über die Heilmittelbehelfe und Leistungen. Dieses System wäre effektiver.“
Neue Schwerpunkte Trotz der  Spitalsreform will Knotzer neue Schwerpunkte durch neue Abteilungen im Klinikum setzen. Er habe Visionen. Schließlich bewege sich Wels in der Konkurrenz mit anderen Krankenhäusern.

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Erstellt am 10.12.2011