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Erste Frau an der Spitze der Ärztekammer Oberösterreich

Silke Haim fordert eine verbindliche Patientenlenkung. Sie soll das Gesundheitssystem entlasten und Arztwege besser ordnen.
Lächelnde Frau im hellen Anzug mit verschränkten Armen vor Holzvertäfelung.

Zusammenfassung

  • Die neue oö. Ärztekammerpräsidentin Silke Haim fordert eine verbindliche Patientenlenkung und mehr Transparenz über bisherige Arztkontakte, Befunde und Behandlungen, um das Gesundheitssystem zu entlasten.
  • Die Ärztekammer sieht Österreichs Gesundheitssystem finanziell unter Druck und verweist auf 1450 sowie den hausärztlichen Notdienst als mögliche erste Anlaufstellen, die bisher nur von einem kleinen Teil der Ambulanzpatienten genutzt werden.
  • Vizepräsident Paul Niederberger verlangt Investitionen und modernere Rahmenbedingungen wie flexible Arbeitsmodelle, um mehr Ärzte für Kassenstellen im niedergelassenen Bereich zu gewinnen.

Die neue Präsidentin der Ärztekammer Oberösterreich, Silke Haim, pocht auf eine verbindliche Patientenlenkung, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Zudem müssten Mediziner Einblick in die früheren Arztkontakte, Befunde und Behandlungen ihrer Patienten haben.

Vizepräsident Paul Niederberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, fordert mehr Geld, um Ärzte wieder dazu zu bewegen, Kassenstellen zu besetzen.

Haim ist Nuklearmedizinerin am Linzer Ordensklinikum und wurde am Donnerstag einstimmig zur Nachfolgerin von Peter Niedermoser an der Spitze der Landeskammer gewählt. In ihrer ersten Pressekonferenz am Montag betonte sie für die Ärzteschaft: „Wir wollen Teil der Lösung sein.“

„Transparenz für uns Ärzte“

Damit das Gesundheitssystem effizienter funktioniere, sei aber an einigen Schrauben zu drehen: „Wir brauchen eine Patientenlenkung, die verbindlich eingehalten werden muss“, so Haim, „und wir brauchen auch die Transparenz der Lenkung für uns Ärzte, damit wir sehen, was empfohlen wurde und ob das eingehalten wurde“.

„Das heißt nicht, dass jemandem etwas verwehrt werden soll“, ergänzte Vizepräsident Sebastian Graf, seit Jahresbeginn Kurienobmann der angestellten Ärzte, es gehe vielmehr um eine geordnete „Navigation“ durch das Gesundheitssystem.

System geht „ans Kostenlimit“

Denn Österreich habe ein gutes System, das aber „allmählich ans Kostenlimit“ komme. Ob diese Lenkung über ein Anreizsystem oder über Selbstbehalte funktionieren solle, ließ das Präsidium offen, das sei nicht an der Kammer zu entscheiden. Die anstehende Gesundheitsreform bestehe bisher nur aus Überschriften, die man mit Interesse verfolge.

Als erste Anlaufstelle der Lenkung kann sich Haim die Hotline 1450 oder den Hausärztlichen Notdienst vorstellen - beides gibt es bereits, aber es würden nur zehn bis 15 Prozent der Patienten, die in einer Spitalsambulanz aufschlagen, über diesen Weg dorthin kommen, rechnete sie vor.

Einen weiteren Schwerpunkt will Haim auf den Ausbau der Prävention legen. Denn die Lebenserwartung sei in Österreich hoch, bei der Zahl der gesunden Jahre ortet sie aber Luft nach oben.

Niederberger, seit September des Vorjahres Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, will jungen Kollegen die Niederlassung „als Chance und nicht als Risiko“ schmackhaft machen.

Probleme mit Investitionen lösen

Dazu brauche es aber moderne Rahmenbedingungen wie beispielsweise flexible Arbeitsmodelle oder Teilzeitkassenstellen. Um wieder mehr Ärzte in Kassenstellen zu bringen, werde man auch Geld in die Hand nehmen müssen. „So ein Problem wird man nicht lösen können, wenn man einspart, man wird es nur lösen können, indem man investiert.“

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