Chronik | Oberösterreich
21.12.2017

Hinterstoder: 67 Millionen für fittere Ski-Region

Investitionsschub durch Land und Schröcksnadel in Pyhrn-Priel-Region. Skiweltcuprennen im Jahr 2020.

Nachdem Pläne für eine Skischaukel zwischen Hinterstoder und der Wurzeralm im Frühjahr aus EU-Naturschutzgründen abgeblasen wurde, stehen in der Pyhrn-Priel-Region dennoch kräftige touristische Investitionen an. Im Ausmaß von 67 Millionen Euro wollen das Land Oberösterreich sowie die Schröcksnadel-Gruppe bis 2024 in die Seilbahnen, die Pisten und in ein Hotel investieren, um der Region neue Zukunftschancen zu bieten.

Bis 2020 wird Schröcksnadel in Hinterstoder selbst ein Vierstern-Appart-Hotel um 14 Millionen Euro errichten. Damit könne auch der Herren-Skiweltcup mit vorläufig zwei geplanten Rennen im Februar 2020 wieder ins Stodertal zurückkehren, kündigten ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und OÖ Tourismusreferent Michael Strugl an.

Mit Landeshauptmann Thomas Stelzer konnte Strugl auch die bisher größte Fördersumme, die das Land OÖ je in eine Ski-Region gepumpt hat, ankündigen. 29,8 Millionen Fördergeld sollen die Region zur ganzjährig nutzbaren Urlaubsregion werden lassen. Man wolle die Region, wie versprochen "nicht im Stich lassen", versicherte Stelzer.

Im Ausbaupaket werden in Hinterstoder Anlagen für die Gästebetreuung optimiert und die Beschneiungsanlagen modernisiert. Auch die Zubringerbahn (16 Mio. Euro) wird erneuert. Im Gebiet Wurzeralm sollen die Standseilbahn mit neuen Wägen ausgestattet, Parkplätze ausgebaut und neue Lawinensprenganlagen installiert werden. Der Zweiersessellift auf das Frauenkar wird ab 2019 durch eine Zehner-Kabinenbahn ersetzt.

Höchstes Risiko

Trotz der Entscheidung zur Investition und der Chance auf neue Wertschöpfung bezeichnet Peter Schröcksnadel die Ausbauten im Gebiet Wurzeralm als höchst riskantes Unterfangen. Das Familienskigebiet werde hauptsächlich von Tagesgästen aus OÖ genutzt. Durch das Scheitern der Verbindung mit Hinterstoder bleibe die Wurzeralm ein "Stand-alone-Skigebiet", was nicht mehr im Trend liege, sagte Schröcksnadel. "Wir wissen nicht, ob es ein Erfolg wird, wir werden aber entsprechende Konzepte suchen", erklärte er. Handlungsbedarf habe bestanden, da die Zahl der Skigäste von 160.000 auf 120.000 pro Jahr gesunken sei.

Gut eingebettet wollen die Geschäftsführer Peter und Markus Schröcksnadel die Projekte in einem funktionierenden Tourismusverband sehen. Im für Freizeitbauten verantwortlichen Bereich des Verbandes steht derzeit ein Geschäftsführer im Verdacht, Fördergeld im Ausmaß von 100.000 Euro unterschlagen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, auch die Aufsichtsbehörde des Landes untersucht. Weil der Verbandsobmann unter Druck gekommen ist, wird Anfang Jänner ein neuer Verbandsvorstand gewählt. "Alles gehört neu aufgestellt", fordert Präsident Schröcksnadel einen Richtungswechsel. Er und sein Management wurden zuletzt kritisiert, weil sie den Werbevertrag mit dem britischen Skisportler Dave Ryding platzen ließen. Der Verband habe den Marketingvertrag hinter dem Rücken der Hinterstoder-Wurzeralm-Bahnen verhandelt und Ryding vereiste Pisten mit perfekten Trainingsbedingungen zugesagt. Das habe man nicht unterstützt, erklärte Lift-Eigentümer Schröcksnadel.