Zugunglück,Eggendorf,Obereggendorf,Bezirk Wr. Neustadt

© Wammerl Patrick

Zugsunglück
03/31/2013

Schon zweiter Crash an selber Stelle

Elektronisches Warnsystem hätte den Frontalzusammenstoß in Obereggendorf verhindern können.

von Patrick Wammerl

Das Zugunglück mit zwei Toten und drei Verletzten an der Pottendorfer Linie in Obereggendorf, Bezirk Wiener Neustadt, war kein Einzelschicksal. Wie der KURIER erfuhr, ist es 2007 an exakt der gleichen Stelle schon einmal zu einer Frontalkollision zweier Züge gekommen.

Auch damals hat der Fahrdienstleiter einen fatalen Fehler gemacht. Er hat einen abgestellten Güterzug übersehen und das blockierte Gleis freigegeben. Trotz des Unglücks wurde der Abschnitt nicht auf ein elektronisches Sicherheitssystem – eine sogenannte Gleis-Freimeldeanlage – umgerüstet. Diese hätte die jüngste Tragödie verhindern und zwei Leben retten können.

Gleicher Fehler

Wie berichtet war in der Nacht auf Donnerstag im Bahnhofsbereich von Obereggendorf ein Güterzug mit 100 km/h in einen stehenden Messwagen der ÖBB gekracht. In dem Bauzug starben zwei ÖBB-Mitarbeiter: Andreas H., 51, und Christian P., 52. Die Tragödie weißt unglaubliche Parallelen zu dem Zwischenfall von 2007 auf. Nicht nur, dass das Unglück an der selben Stelle geschah. Wie ÖBB-Insider bestätigen, dürfte den zuständigen Fahrdienstleitern der gleiche Fehler unterlaufen sein.

Andreas R., 46, der in der Nacht auf Donnerstag für den Streckenabschnitt verantwortlich war, hat sofort nach dem Unfall eingeräumt, dass er den stehenden Messwagen übersehen oder vergessen hatte. Er gab das blockierte Gleis 1 für den herannahenden Güterzug frei.

Damit menschliches Versagen nicht in Katastrophen endet, gibt es aus Sicherheitsgründen auf Hauptstrecken eine sogenannte Gleis-Freimeldeanlage. Diese zeigt dem Fahrdienstleiter das besetzte Gleis am Computer an. Das System verhindert schon bei der Weichenstellung, dass ein blockiertes Gleis befahren werden kann. Obwohl die Pottendorfer Linie als Hauptstrecke gilt, sucht man die Melde-Anlage in Obereggendorf vergebens. Die Gewerkschaft spricht von einem schweren Versäumnis. Zumal man aus dem Unfall von 2007 lernen hätte müssen. Auf Hauptstrecken gäbe es kaum noch Bahnhöfe die nicht mit dem System ausgerüstet sind, meinen die Kritiker.

Umbau geplant

Die ÖBB bestätigen, dass es an der Unglücksstelle keine Gleis-Freimeldeanlage gibt. „In Obereggendorf gibt es einen gängigen Stellwerkstyp. Es wird viel investiert aber wir können nicht von heute auf morgen alles umrüsten“, erklärt Konzernsprecherin Sarah Nettel. Die Umrüstung auf das Sicherheitssystem sei erst im Zuge des Umbaus der Pottendorfer-Linie 2015/16 geplant.

Der verantwortliche Fahrdienstleiter wurde nach dem ersten Unglück 2007 entlassen. Laut Nettel sei es aber schon davor zu einem Fehlverhalten des Bediensteten gekommen. Andreas R., der den Irrtum diese Woche eingestand, muss sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Auto 400 Meter von Zuggarnitur mitgeschleift

Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Zug ist es Samstagmittag in Breiteneich (Bezirk Horn) gekommen. Ein 64-jähriger Pkw-Lenker dürfte das Rotlicht an dem unbeschrankten Bahnübergang übersehen haben.
Als der 64-Jährige in die Bahnkreuzung einfuhr, konnte der Triebwagenführer nicht mehr rechtzeitig bremsen. Das Auto wurde in der Folge rund 400 Meter weit mitgeschleift. „Der Autofahrer wurde zwar nicht eingeklemmt, erlitt aber schwere Verletzungen und wurde nach der Erstversorgung mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus Horn gebracht“, sagt Philipp Gutlederer von 144 Notruf NÖ. Der Triebwagenführer blieb unverletzt – er wurde von einem Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes psychologisch betreut. Die Strecke zwischen Breiteneich und Sigmundsherberg musste für etwa eine Stunde gesperrt werden.

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