Chronik | Niederösterreich
10.09.2018

Wolfsvergrämung: „Gummigeschosse sind der größte Holler“

Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz hält die derzeitige Vergrämungspraxis für kontraproduktiv und gesetzeswidrig.

An der besten Strategie im Umgang mit dem Wolf scheiden sich selbst unter Experten die Geister. Während etwa NÖ-Landesjägermeister Josef Pröll die Vergrämung der Tiere so wie sie in seinem Heimatbundesland beschlossen wurde – also mittels Gummigeschossen – im Interview mit SchauTV als richtig erachtete, hält Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz diese Praxis für absolut kontraproduktiv.

Die Bezirkshauptmannschaften Gmünd und Zwettl haben die Vergrämung der Wölfe durch Schreck- oder Gummigeschosse bereits per Verordnung gestattet. Und auch in OÖ erteilte die Behörde für die Mühlviertler Marktgemeinde Liebenau eine Sondergenehmigung. Eine Entwicklung, die Januskovecz höchst bedenklich findet: „Ich halte nichts davon, wie im Wilden Westen in die Luft zu schießen und Gummigeschosse sind überhaupt der größte Holler. Damit erreicht man das Gegenteil von dem, was man erreichen will.“

"Das kann gefährlich werden"

Verletze das Gummigeschoss den Wolf, werde das Raubtier nämlich erst recht aggressiv, argumentiert der Wiener Forstdirektor. Und das könne gefährlich werden.

Das Risiko bestehe durchaus, meint Januskovecz: „Wenn man so ein Geschoss verwendet, macht das ja nicht nur einfach ,Boing’, wenn es auftrifft. Ein Gummigeschoss durchschlägt auf 20 Meter Entfernung ein Holzbrett.“ Dem Wolf könne der Jäger so also zum Beispiel leicht eine Rippe brechen.

Dazu kommt ein zweiter Einwand gegen die niederösterreichische Vergrämungspraxis: „Aus meiner Sicht verstößt der Einsatz von Gummigeschossen gegen das Tierschutzgesetz“, sagt der Fachmann, „weil man bewusst in Kauf nimmt, dass der Wolf verletzt wird.“

Wienerwald

Für praktikabel hält Januskovecz dagegen den Einsatz elektrischer Weidezäune. Zudem sei es zielführend, große Waldflächen nicht sich selbst zu überlassen und so Ruheflächen für Wolfsrudel entstehen zu lassen.

Der Wienerwald sei zwar ob der Nähe zum Siedlungsgebiet definitiv kein geeignetes Habitat für Wölfe. Mit „durchziehenden halbstarken Rüden auf der Suche nach einem Weibchen“ müsse man aber auch im Großraum Wien immer rechnen.

„ Sollte ein Wolf die Scheu vor dem Menschen verlieren, ist er zu vertreiben.“ Bestehe aber Gefahr für Leib und Leben, sei auch der Abschuss des Problemwolfs adäquat, betont Januskovecz. „Die derzeitige Diskussion ist jedoch zum Teil fiktiv.“