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Chronik Niederösterreich
06/29/2020

Wirbel um Zuggarnituren für Franz-Josefs-Bahn

Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko ortet Verschlechterung des Angebots. Die ÖBB verstehen die Vorwürfe nicht.

von Kevin Kada

Anfang des Jahres wurde von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) verkündet, dass auf der Franz-Josefs-Bahn (FJB) neue Züge zum Einsatz kommen werden.

Das forderte auch einmal mehr der Grüne Nationalrat Martin Litschauer im Zuge der 150-Jahr-Feier der FJB in der Vorwoche: „Bummelzüge ohne Internetverbindung, fehlende Steckdosen und kein Platz für Reisekoffer müssen der Vergangenheit angehören.“

Der erste der angekündigten Cityjet-Doppelstockzüge startete mit Jahresbeginn, vier weitere sollen folgen. Mit diesen gibt es jedoch aus Sicht von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) nun Probleme: „Statt auf der FJB sollen die Züge auf Cityjet-Niveau nun nach Vorarlberg geliefert werden, weil man dort mit Lieferverzögerungen kämpft."

Schleritzko kritisiert dieses Vorgehen: "Dass man seitens der Verantwortlichen im Bund die Waldviertler Pendler mit Verschlechterungen der Qualität überraschen will, lehnen wir klar ab.“

Bürgermeister kritisieren Gewessler

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Gmünd, Vitis, Schwarzenau, Allentsteig, Göpfritz/Wild, Irnfritz-Messern, Geras, Sigmundsherberg und Eggenburg gehen mit den ÖBB und vor allem Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) hart ins Gericht. 

In einem offenen Brief erklären die Ortschefs: „Es kann nicht sein, dass die Grünen zum einen die Pendler im Waldviertel mit unrealistischen Plänen ködern wollen und zum anderen in Wien die Qualität zurückschrauben. Wir fordern die Grünen Verantwortungsträger auf, dieses politische Doppelspiel zu beenden.“

Eine Garnitur betroffen

In der ÖBB-Zentrale versteht man die Aufregung nicht. Auf KURIER-Anfrage erklären die ÖBB, dass zwei der vier ausstehenden neuen Garnituren bereits ab Juli auf der FJB zum Einsatz kommen. Eine weitere Garnitur soll Anfang 2021 folgen.

 

Lediglich eine der geplanten Zuggarnituren soll möglicherweise vorübergehend in Vorarlberg fahren. Denn dort wartet man auf die Zulassung des neuen „Cityjet Talent 3“-Zuges. Sofern diese nicht bis zum Schulbeginn vorliegt, wird eben jene für die FJB geplante Zuggarnitur in Vorarlberg fahren.

Mit den Äußerungen der ÖBB konfrontiert, versucht das Büro des Landesrates die Aufregung zu erklären: "Ein Zug klingt zunächst wenig. Aber wenn man bedenkt, dass ein Zug etwa vier bis sechs Fahrten pro Tag auf der FJB unternimmt und es insgesamt 13 solcher Fahrten gibt, dann sieht man, dass die Nichtlieferung Nachteile für das Waldviertel bringt."

Silvan: "Landes ÖVP kann nicht ablenken"

Für Verwunderung sorgt die Aussendung des Verkehrslandesrates auch beim nö. SPÖ-Nationalratsabgeordneten Rudolf Silvan. Er vermutet einen "Schuss ins Blaue", denn auch Silvan hat von den ÖBB die Information bekommen, dass das geplante Wagenmaterial ab Juli auf der FJB im Einsatz ist.

"Dass der Landesrat nun die ÖBB und die grüne Verkehrsministerin gegeneinander ausspielen will, bringt keinem Pendler etwas. Dadurch kann die Landes ÖVP nicht von den eigenen Versäumnissen der letzten Jahre ablenken", meint Silvan.