Debatte um neue Windräder: Der Gegenwind bleibt rau
In Groß-Schweinbarth werden künftig Bürgerbefragungen abgehalten, wenn neue Windkraft-Projekte geplant sind (Symbolbild).
Für gewöhnlich lockt ein Tagesordnungspunkt zum örtlichen Raumordnungsprogramm niemanden hinter dem Ofen hervor. Und dennoch fanden sich bei der letzten Gemeinderatssitzung in der Weinviertel-Kommune Rußbach genau deshalb Interessierte ein.
Es ging nämlich um eine Umwidmung, die den Bau von Windrädern in der Gemeinde ermöglichen soll. Gleich vorweg: Der Tagesordnungspunkt wurde abgesetzt, da erst noch eine Stellungnahme des Landes berücksichtigt werden muss.
Dabei kämpft die Gemeinde schon lange um Windräder – sehr lange sogar. Der erste Anlauf wurde im Jahr 2011 genommen, was dem damaligen ÖVP-Bürgermeister Hermann Pöschl eine Bürgerliste der Gegnerschaft im Gemeinderat einbrachte. Und trotz einer Bürgerbefragung, die positiv ausfiel, wurden nie Windanlagen gebaut. Denn 2014 sprang die Partnergemeinde Großweikersdorf ab. Und als das Land Zonierungen für Windräder festlegte, musste man sich endgültig geschlagen geben.
Rechter Einschlag
Seit 2023 lebt die Chance auf Windräder jedoch wieder. Dank neuer Windkraft-Zonen, aber vor allem dank einer weiteren Meinungsumfrage, bei der sich 59 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner für Windkraft aussprachen. Aktuell will die Windkraft Simonsfeld fünf Anlagen in den Katastralgemeinden Niederrußbach und Stranzendorf errichten.
Das betroffene Gebiet in Rußbach ist laut Birdlife auch Lebensraum für gefährdete Vogelarten, wie dem Kaiseradler.
Doch auch diesmal sieht man sich mit einer Gegnerschaft konfrontiert: Die Initiative „Windpark Tullnerfeld – Nein, danke!“. Deren Kopf ist die Gartenbuchautorin Angelika Starkl, die in einer Nachbargemeinde wohnt. Schlagzeilen machte die Initiative bisher mitunter damit, bei ihren Veranstaltungen der MFG und auch in der rechtsextremen Szene bekannten Akteuren – wie dem Verschwörungstheoretiker Martin Rutter – eine Bühne zu bieten. Und auch die FPÖ – in Niederösterreich ja Regierungspartner der ÖVP – nützte die Treffen bereits, um gegen die Windkraft Stimmung zu machen.
Regierung entscheidet
Was Starkl konkret am Standort in Rußbach kritisiert, konnte der KURIER trotz mehrerer Kontaktversuche nicht in Erfahrung bringen. Auf Flugzetteln der Initiative finden sich lediglich Schlagwörter, wie eine „Gefährdung für Mensch, Tier, Boden und Landschaft“.
Fest steht: Sobald es in Rußbach eine Umwidmung gibt, wird der Standort geprüft. Und damit auch die Frage, ob durch einen Bau von Windanlagen Vogelarten wie Kaiseradler, Sakerfalke, Seeadler oder Rotmilan in Gefahr sind, wovor die Organisation Birdlife warnt. „Es handelt sich hier aber nicht um ein Vogelschutzgebiet“, stellt Matthias Schmidt, Naturschutzexperte von Birdlife, klar.
Generell sind Umwelt- und Naturschutzprüfungen ein Muss, um in Niederösterreich eine neues Windkraftprojekt auf den Weg zu bringen. Das letzte Wort hat jedoch die Landesregierung – und diese hat seit 2023 rund 200 Windräder einstimmig genehmigt, wie es auf Anfrage heißt. Was nur konsequent ist, sieht das schwarz-blaue Arbeitsübereinkommen doch einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien vor. Und auch die Zonierung für Windanlagen wurde einhellig mitbeschlossen.
„Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit von allen Seiten und eine offene Kommunikation.“
Umweltanwalt
So weit die Fakten. Was jedoch nichts daran ändert, dass der Widerstand gegen die Windkraft selbst nach jahrelangen Debatten und der Klimakrise ungebrochen bleibt. Auch Umweltanwalt Thomas Hansmann nimmt eine Polarisierung wahr – dabei könne man auf keine Art der erneuerbaren Energieerzeugung verzichten, wie er festhält.
„Wir brauchen Windenergie, Photovoltaik und Geothermie. Wir müssen aber vor allem darauf achten, den Energieverbrauch zu reduzieren“, macht er klar. Für die öffentliche Wahrnehmung der Windkraft wäre es entscheidend, dass auch andere Bundesländer diese ausbauen. Ende 2025 drehten sich 830 von bundesweit 1.447 Anlagen in NÖ. Und es sei ebenso wichtig, dass die lokale Bevölkerung davon profitiere.
„Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit von allen Seiten und eine offene Kommunikation“, sagt Hansmann. Was auch für die weitere Debatte in Rußbach zu hoffen bleibt.
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