Ungemach im Sozialmarkt: Schwere Vorwürfe gegen Einrichtung in NÖ

Mehr als 5.000 Kunden zählt der "Soziale Greissler" von Franz Lechner. Über die Anschuldigungen ist der Gemeinderat erbost.
Sozialmarkt-Chef Franz Lechner hat viele ehrenamtliche Helfer.

Es ist ein Teufelskreis: Steigt die Armut, wächst gleichzeitig der Bedarf nach günstigen oder kostenlosen Lebensmitteln, einer Gratis-Essenausgabe und damit nach Sozialmärkten. Der Zulauf von armutsgefährdeten oder sozial schwächeren Menschen hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen, berichten Organisationen wie das Hilfswerk, der Samariterbund, das Rote Kreuz und die SOMA-Märkte.

Auch Franz Lechner rennen in Wiener Neustadt die Kunden regelrecht die Türe ein. Der 59-jährige Gemeinderat (FPÖ) betreibt am neuen Standort in der Waldschulgasse den privat organisierten Sozialmarkt "Der soziale Greissler". Schon weit mehr als 5.000 sozial Schwächere kaufen bei ihm ein oder nehmen die vielen Gratis-Lebensmittel-Ausgaben in Anspruch.

Heftige Reaktionen

Seit kurzem ist Lechner und der "Soziale Greissler" mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Dem Sozialmarkt wird "Bereicherung" vorgeworfen und die Gratis-Essensausgaben als Schwindel bezeichnet. Das Team wehrt sich in sozialen Medien gegen die schwerwiegenden Vorwürfe.

Der Sozialmarkt bekommt regelmäßig Spenden von Banken, Firmen und Privatpersonen

Der Sozialmarkt bekommt regelmäßig Spenden von Banken, Firmen und Privatpersonen

Erhoben wurden die Anschuldigungen, die bei diversen Behörden schriftlich deponiert wurden, anonym. Vermutet wird ein anderer Sozialverein dahinter.

Lechner droht jedenfalls mit Konsequenzen. Er hat angekündigt, beispielsweise das Service der Gratis-Suppen oder die "Soziale Würstelhütte" einzustellen. "Ich lasse mir doch nicht all unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter verleumden", reagiert Lechner erbost.

System ist auf Freiwilligkeit aufgebaut

Etwa 30 engagierte Personen helfen unentgeltlich im Sozialmarkt oder beim Flohmarkt mit, das Service für bedürftige Menschen aufrechtzuerhalten. "Wir verschenken in der Woche 150 Gratis-Lebensmittelpakete. Wenn man dann mit solchen Vorwürfen konfrontiert ist, tut das weh", so der Freiheitliche.

Der "Soziale Greissler" finanziert sich durch den Verkauf günstiger Lebensmittel, den Flohmarkt und Spenden namhafter Banken, Firmen und Privatpersonen. Die Nachfrage und der Bedarf von Kunden hat zuletzt deutlich zugenommen. Deshalb musste der "Soziale Greissler" expandieren. Aus drei Standorten ist im Vorjahr ein gemeinsamer, rund 400 Quadratmeter großer, geworden.

Mehrere tausend registrierte Mitglieder aus dem südlichen Niederösterreich und aus dem benachbarten Burgenland zählt der Sozialmarkt bereits. Und täglich werden es mehr, so Lechner.

Kein Einkommensnachweis

Regelmäßig veranstaltet der Sozialmarkt Spendentage vor Supermärkten in der Region. Dabei werden Kunden gebeten, Produkte doppelt zu kaufen und eine Packung für den Greissler zu spenden. Was Lechner von anderen Sozialmärkten unterscheidet, ist der Einkommensnachweis. Dieser wird im Gegensatz zu den Sozialmärkten anderer Anbieter beim "Sozialen Greissler" nicht verlangt. "Wir unterscheiden nicht, ob jemand 1.500 oder 1.800 Euro verdient. Auch Leute mit etwas mehr Einkommen können in Not geraten", sagt Lechner.

Soziale Würstl-Hütte zu Ostern am Standort des "Sozialen Greissler"

Soziale Würstl-Hütte zu Ostern am Standort des "Sozialen Greissler"

Die fehlenden Richtlinien sind der Grund, weshalb Lechners Sozialmarkt ohne Förderungen der öffentlichen Hand auskommen muss und auf Spenden angewiesen ist.

Zuletzt hat ein Tierschutzverein spontan 300 bemalte Ostereier für den Sozialmarkt gespendet.

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