Wie sich Lehrer gemobbt fühlen

Lehrer
Foto: KURIER Zu streng: Eine Direktorin fordert von Lehrern Pünktlichkeit. Weil sie sich für das Zuspätkommen rechtfertigen mussten, fühlten sie sich gemobbt.

Eine Direktorin forderte, dass Lehrer ihre Pflichten erfüllen. Die Art der Zurechtweisung wird ihr nun als Mobbing ausgelegt.

Was ist Mobbing? Der Duden definiert es so: Eine ständige Schikane mit dem Ziel, Arbeitskollegen von ihrem Arbeitsplatz zu vertreiben. Aber was ist eine Schikane?

Für einige Lehrerinnen der HLW Biedermannsdorf ist es zum Beispiel ungeheuerlich, wenn sie sich schriftlich dafür rechtfertigen müssen, dass sie fünf Minuten zu spät in der Schule sind. Sie beschwerten sich bei der nö. Landesschulinspektorin über ihre damalige Direktorin Evelyn Mayer, Ehefrau des bekannten Verfassungsjuristen Heinz Mayer.

Die Vorwürfe gegen Mayer liegen schon Jahre zurück. Dass sie jetzt an die Öffentlichkeit kommen, hat einen Grund: Evelyn Mayer führt derzeit einen Prozess gegen die Republik Österreich. Sie habe ein Burn-out, weil die Landesschulinspektorin sie gemobbt habe (Der KURIER berichtete).

Die Landesschulinspektorin schießt zurück und wirft Mayer vor, sie hätte als Direktorin Mitarbeiter gemobbt. Die Inspektorin zitiert aus Beschwerdebriefen von Lehrern. Einige der Beschwerden finden sich fast wörtlich in der Klagebeantwortung der Finanzprokuratur, von der die Republik im Prozess vertreten wird.

eMail

Pädagogen beklagten sich beim Landesschulrat auch, wie Mayer auf unbeantwortete dienstliche Mails reagiert hat: „Wer sie nicht innerhalb einer Woche gelesen hatte, der wurde mittels eines knallroten A4-Zettels aufgefordert, die Direktion aufzusuchen. Dies hat bei einer Lehrerin Schlafstörungen, Hautausschläge, ständige Müdigkeit und Erschöpfung hervorgerufen.“

Eine Pädagogin empfand Kritik an ihrem Unterricht als „Schmerz“. Sie fühlte ihre „Tätigkeit im Sinne der Vorbereitung junger Menschen auf ihr Leben in der Wirtschaft beschmutzt und mit Füßen getreten.“ Sie empfand es als eine zusätzliche Hürde zu Schulbeginn, dass eine Konferenz vor Unterrichtsbeginn um 7 Uhr angesetzt wurde.“ Diese war deshalb so früh, weil Lehrer weder Wiederholungsprüfungen noch eine Konferenz in der letzten Ferienwoche abhalten wollten.

Pünktlich

Für den Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, sind viele der Vorwürfe gegen Mayer hanebüchen. „Ich bin entsetzt, was als Mobbingvorwurf durchgeht. Ein Dienstgeber, der so etwas als Mobbing akzeptiert, ist nicht von dieser Welt. In dieser Welt gehören Pünktlichkeit, Anwesenheit bei Konferenzen etc. zu den Dienstpflichten.“

Und: „Die Finanzprokuratur schreibt, dass Mayer offensichtlich ein Problem damit habe, karrieremäßig nicht mit ihrem Mann gleichzuziehen und es so bei ihr zu einer seelischen Verstimmtheit geführt hat.“ Für Walser ein „ungeheuerlicher Vorwurf“. Er stößt sich daran, dass die Schulbehörden Mayer nicht ausreichend unterstützten. Die Pädagogen nimmt er in Schutz: „Die Mehrzahl der Lehrer arbeitet engagiert. Eine Minderheit bringt sie aber in Verruf.“

Walser sieht Bildungsministerin Claudia Schmied in der Pflicht. Er will jetzt wissen, wer hier wen mobbte. Eine Anfrage bringt er diese Woche im Nationalrat ein.

Auf Nachfrage des KURIER heißt es aus dem Büro der Ministerin: „Der achtungsvolle Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern gehört zu den Dienstpflichten. Dabei sind Verhaltensweisen zu unterlassen, die die menschliche Würde verletzen.“ Näheres könne man zum laufenden Verfahren nicht sagen. Auch der nö. Landesschulratspräsident Hermann Helm schweigt. Allerdings erwartetet er sich schon „von jedem Lehrer, dass er vor dem Läuten im Klassenzimmer steht."

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(kurier) Erstellt am
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