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Neues Pflegeheim für Hollabrunn: „In fünf Jahren muss man was sehen“

Die Gesundheitslandschaft im Weinviertel steht vor großen Veränderungen. Landesrat Anton Kasser verriet Zeitpläne und sprach über Vorzüge von Tageskliniken.
Gesundheitsplan

„Zeitnah“ wurde dem Hollabrunner Bürgermeister Alfred Babinsky (ÖVP) ein neues Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) zugesagt. Wie genau dieses „zeitnah“ zu verstehen ist, war zunächst beim Land NÖ nicht zu erfahren. Doch Finanzlandesrat Anton Kasser (ÖVP) gab am Mittwoch ein Update zum Gesundheitsplan 2040+ im Hollabrunner Landesklinikum. Bei diesem Mediengespräch verriet er mehr.

„In fünf Jahren wird man etwas sehen müssen. Beim PBZ haben wir Zeitdruck“, weiß der Landesrat. Was genau man sehen müsse – eine Baugrube oder schon das fertige Gebäude –, da wollte er sich nicht festlegen. Stadtchef Babinsky wurde im KURIER-Gespräch konkreter: „Wenn alle Hausaufgaben gemacht sind, bauen wir in drei Jahren. In fünf Jahren muss es stehen. Das ist mein optimistischer Zugang.“

Konzept für PBZ wird erstellt

Der Stadtchef sei am Dienstag mit den Liegenschaftsverantwortlichen des Landes NÖ zusammengesessen. Jetzt wird geplant und ein Konzept erstellt, wie viel Fläche für das PBZ und für das versprochene Ambulatorium benötigt werde. „Das ist der erste Schritt, dann können wir an die Grundstückseigentümer herantreten“, berichtet Babinsky.

„Wenn alle Hausaufgaben gemacht sind, bauen wir in drei Jahren. In fünf Jahren muss es stehen. Das ist mein optimistischer Zugang.“

von Alfred Babinsky

Hollabrunner Bürgermeister

„Wenn die Grundstücksfrage geklärt ist, dann legen wir los“, versicherte Kasser ebenfalls. Dabei brachte er den Rübenplatz, den die Hollabrunner als Standort für das neue Weinviertelklinikum angedacht hatten, wieder ins Spiel.

Stadtchef ist froh, dass Hollabrunn nicht 15 Jahre warten muss

Für Babinsky ist wichtig, dass jetzt die grundlegende Vorarbeit geleistet werde: Konzept, Planung, Grundstückstransaktion, Widmung. Er ist sehr froh, dass Hollabrunn das neue Pflegeheim – wie berichtet bringt es 250 Vollzeitarbeitsplätze in die Bezirkshauptstadt – bekomme, „und zwar schneller als in 15 Jahren“.

Tagesklinik HOL

In der Tages- und Wochenklinik

Bei dem „Update zum Gesundheitsplan 2040+“ ging es nicht nur um Hollabrunn, sondern um die gesamte Gesundheitslandschaft im Weinviertel. Dass das neue Weinviertelklinikum Süd in der Alten Au in Stockerau (Bezirk Korneuburg) errichtet werde, sei die letzte ganz große Entscheidung gewesen, so Kasser, um neue Versorgungsstrukturen zu schaffen.

Bestehende Standorte bleiben vorerst unverändert

Aus drei Krankenhäusern – Hollabrunn, Stockerau, Korneuburg – wird bekanntlich ein Schwerpunktkrankenhaus werden. Kasser, wie auch Katja Steininger, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion Weinviertel GmbH, betonten, dass in den bestehenden Standorten nichts verändert werde, bis das neue errichtet worden ist.

In Stockerau müsse zunächst der Sportplatz aus der Alten Au abgesiedelt werden. Das werde etwa zehn Jahre dauern, so der Landesrat. Zur Kritik, dass die Alte Au erst 2024 unter Wasser stand und als HQ300-Gebiet gilt, meinte Kasser, dass dies bekannt sei und ein Schwerpunkt der Planungen sein werde. HQ300 bedeutet, dass statistisch gesehen im Durchschnitt einmal in dreihundert Jahren ein Hochwasserereignis auftritt.

Zwei Schwerpunktkrankenhäuser und zwei Ambulatorien

Steininger betonte, dass das Weinviertel das einzige Viertel mit zwei Schwerpunktkliniken sein werde: jenem in Stockerau und jenem in Mistelbach. In den Ambulatorien in Gänserndorf und Hollabrunn werden fachärztliche, ambulante Untersuchungen stattfinden. Eine notfallmedizinische Versorgung wird an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das ist der Unterschied zum Medizinischen Zentrum Gänserndorf (MZG), dort gibt es derzeit eine allgemeinmedizinische Versorgung rund um die Uhr. Von den Ambulatorien werden die Patienten in die Kliniken gebracht.

Schild Tagesklinik

Mehr als 100 Personen werden pro Monat in der Hollabrunner Tagesklinik behandelt.

Elisabeth Bräutigam, Vorständin der Landesgesundheitsagentur (LGA) schilderte, warum Tages- und Wochenkliniken eine immer größere Rolle in der Gesundheitslandschaft bekommen. Dort werden kleinere, planbare Eingriffe durchgeführt. Diese müssen im Klinik-Alltag oft verschoben werden, wenn der Hubschrauber mit einem Notfall landet. Das geschehe in einer Tagesklinik nicht mehr.

Immer mehr Eingriffe in Tages- und Wochenkliniken

35 Prozent aller Operationen wurden im Jahr 2025 im Weinviertel bereits in Tageskliniken vorgenommen. Tendenz steigend. Das bestätigt Wolfgang Winter. Der Mediziner ist interimistischer Leiter der Hollabrunner Tages- und Wochenklinik, die es seit Anfang des Jahres gibt und die 18 Betten zur Verfügung hat. Gynäkologische Eingriffe und chirurgische Versorgung stehen im Fokus. „Der Bedarf ist hoch“, nennt der Mediziner Hollabrunner Zahlen: Pro Monat werden 100 Patienten behandelt. „Im März waren es sogar 112“, so Winter.

„Wir brauchen auch Menschen, die diese Arbeit tun“, so Kasser. Die Ausbildungsstätte in Mistelbach bleibe erhalten, in Korneuburg wird ein Ausbildungscampus entstehen. „Das alte Krankenhaus wird ein Lehrspital mit allen Fächern, die es braucht“, versichert der Landesrat.

Strategien für Finanzierung

Die Pläne klingen so, als würde Geld keine Rolle mehr spielen: „Jetzt sind wir in der Planung, die kostet noch nicht so viel. Danach wird es Strategien für die Finanzierung geben“, sagt Landesrat Kasser zur Finanzierung.

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