Neues Pflegeheim bringt über 250 Arbeitsplätze nach Hollabrunn
Die Bezirkshauptstadt soll ein neues Pflege- und Betreuungszentrum mit 144 Betten bekommen.
Die Enttäuschung war in Hollabrunn groß, als bekannt gegeben wurde, dass das geplante Weinviertel-Klinikum in Stockerau (Bezirk Korneuburg) errichtet werden wird. Denn die Hollabrunner waren "ready to build", wie Allgemeinmediziner Gunther Leeb bei einer Präsentation der Standortstudie, die die Stiftung Weinviertler Sparkasse in Auftrag gab, meinte.
Das Landesklinikum, das die aktuellen Standorte Hollabrunn, Stockerau und Korneuburg bis 2040 zusammenfassen soll, kommt also nicht nach Hollabrunn. Aber ein Gesundheits- und Pflegecampus, der ein modernes Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) mit 144 Plätzen enthält. Der Hollabrunner Bürgermeister Alfred Babinsky (ÖVP) betonte, dass ihm zugesagt wurde, dass dieses Pflegeheim "zeitnah" errichtet werden soll.
"Wir wollen ein neues Haus"
Benötigt wird es dringend: "Wir wollen ein neues Haus, wir wissen nur nicht, wo wir das Geld hernehmen sollen." Diesen Satz sagte Landesrätin Christine Teschl-Hofmeister (ÖVP) vor nicht einmal einem Jahr bei der 30-Jahr-Feier des PBZ Hollabrunn.
Das Pflege- und Betreuungszentrum Hollabrunn feierte im Vorjahr sein 30-jähriges Bestehen. "Zeitnah" soll ein neues errichtet werden, das Projekt ist gerade in Planung.
Der KURIER fragte beim Land NÖ nach, wie genau das versprochene "zeitnah" definiert wird. Konkretes war nicht zu erfahren. "Die Planungsarbeiten zur Gestaltung eines Gesundheits- und Pflegeclusters werden ehestmöglich im Einvernehmen mit der Stadt Hollabrunn beauftragt werden", heißt es aus dem Büro der Landesrätin.
144 Betten als optimale Größe
Das Hollabrunner Pflegeheim hat derzeit 74 Betten. Das neue wird um 70 mehr haben. Diese 144 waren bereits 2021 geplant. Bekanntlich steigt der Pflegebedarf. Warum wurde an der Anzahl der Betten seit fünf Jahren nicht gerüttelt? "144 Betten stellt in organisatorischer, wie auch in betriebswirtschaftlicher Sicht die optimale Größe für ein Pflege- und Betreuungszentrum dar", schildert Hans-Peter Pressler, Sprecher der Landesrätin.
Im Pflege- und Betreuungsbereich werden durch den geplanten Gesundheits- und Pflegecampus Hollabrunn 290 neue Plätze geschaffen:
- 144 Plätze im Pflege- und Betreuungszentrum
- 72 Plätze im psychosozialen Zentrum (weitere 36 möglich)
- 18 Plätze im Mutter-Kind-Haus
- 20 Plätze in der Tagesstätte für ältere Menschen
Er hält außerdem fest, dass zwei Wohnbereiche mit 72 Betten für Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen das Pflegeangebot in Hollabrunn erweitern werden. "Somit geht das Angebot weit über eine Standardpflegeeinrichtung hinaus."
250 Vollzeitarbeitsplätze
Aktuell zählt das Pflegeheim 87 Mitarbeiter. Wie viele Menschen werden im "zeitnah" errichteten PBZ arbeiten? Pressler dazu: "Nach Einschätzung der Fachabteilungen des Landes NÖ ist abhängig von den jeweiligen Pflegesituationen mit einem Beschäftigungsausmaß von über 250 Vollzeitäquivalenten zu rechnen."
Der Neubau des PBZ Hollabrunn ist im Ausbau- und Investitionsplan des Landes NÖ enthalten. Der Beschluss dazu fasste der Landtag bereits am 1. Juli 2021. Der Neubau wurde "planerisch erfasst und auf einem landeseigenen Grundstück angedacht", schildert Pressler. Wie er betont, handelt es sich dabei um einen Grundsatzbeschluss "und nicht um eine genaue Einzelprojektgenehmigung, die dem Landtag stets folgt".
Besichtigung aller Pflegeeinrichtungen
Verzögert haben sich Planung und Bau aufgrund der Corona-Pandemie. In den Jahren 2022 und 2023 fanden Besichtigungen in allen Landespflegeeinrichtungen und -kliniken statt, um sich ein Bild über den baulichen Zustand und nötige Maßnahmen - etwa Sanierungen - machen zu können.
Das Projekt und die tatsächlichen Baukosten sind nun Gegenstand einer noch zu gestaltenden Projektierung, so der Sprecher.
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