Jetzt ist es fix: Das neue Weinviertel-Klinikum wird in Stockerau stehen
Symbolbild
Zusammenfassung
- Stockerau wird Standort des neuen Weinviertel-Klinikums Süd, entschieden von einer Expertenkommission nach 29 Kriterien.
- Alle bisherigen Gesundheitsstandorte im Weinviertel bleiben erhalten und erhalten neue Aufgaben, um die Versorgung und Pflege zu sichern.
- Die Umsetzung der neuen Versorgungsstruktur soll in den nächsten 10 bis 15 Jahren erfolgen, bestehende Angebote bleiben bis dahin erhalten.
Lange hätte er sich wohl nicht mehr geheimhalten lassen, der künftige Standort des neuen Weinviertel-Klinikums Süd. Immer mehr Gerüchte kamen in den letzten Wochen in Umlauf, woran die lokale Politik nicht ganz unschuldig war. Denn sowohl Hollabrunn als auch der Bezirk Korneuburg rührten öffentlich die Werbetrommel für sich als heiße Kandidaten – ungeachtet dessen, dass eine Expertenkommission mittels Punktesystem die Entscheidung treffen sollte.
Und diese fiel ganz klar aus, wie am Montag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz informiert wurde: Stockerau machte das Rennen, besser gesagt einer jener Gründe, die die Stadt als neuen Klinikstandort eingereicht hatte. 29 Kriterien wurden dafür von der Expertenkommission ausgearbeitet und herangezogen.
Der Standort liegt in der Alten Au, in der im Moment noch das – bereits in die Jahre gekommene – Sportzentrum der Stadt angesiedelt ist. Dabei habe dieses Areal gegenüber den 14 anderen Grundstücken, die zur Auswahl standen, ganz klar die Nase vorne gehabt: Der Bahnhof ist ebenso in unmittelbarer Nähe wie die Donau-Ufer-Autobahn A22, die Weinviertler Schnellstraße S3 und die Stockerauer Schnellstraße S5. Aber auch die Nähe zum Stadtgebiet wurde – entgegen der Erwartungen der Stadtgemeinde, die eher an eine Ansiedelung im Industriegebiet im Norden der Stadt gedacht hätte – als entscheidender Vorteil erachtet.
Überraschung
„Damit haben wir nicht gerechnet. Aber hier sieht man, wie wichtig es war, dass eine unabhängige Expertenkommission die Entscheidung trifft“, sagt ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl. Für die Stadt sei das auch die Chance, die Sportinfrastruktur auf neue Beine zu stellen.
Warum Stockerau – ebenso wie Korneuburg oder Hollabrunn – so sehr darauf gehofft hat, das neue Klinikum zu bekommen? „Es geht hier um Wertschöpfung“, macht Völkl klar. Denn zwar profitiert die Stadt durch das neue Klinikum nicht von Kommunalsteuern, allerdings bringt ein Spital jede Menge Menschen in die Stadt. Menschen, die hier bald arbeiten oder sogar auch leben. Menschen, die in der Stadt einkaufen oder ihrer Freizeit frönen. Oder auch Menschen, die in die Innenstadt kommen, um einen Kaffee oder ein Mittagessen zu genießen.
"Keine Verlierer"
Von Stockerau als großen „Gewinner“ will ÖVP-Landesrat Anton Kasser jedoch nichts hören. Beim Gesundheitsplan 2040+, den die Landesregierung im Vorjahr beschlossen hat, gehe es nämlich in erster Linie darum, das Gesundheitsangebot über Stadtgrenzen hinaus zu denken – eben in Regionen.
„Alle bisherigen Standorte im Gesundheitssystem bleiben erhalten. Es gibt im Weinviertel keine Verlierer“, betonte er im Rahmen der Präsentation. Allerdings würden diese mitunter neue Aufgaben erhalten, vor allem im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Denn im Weinviertel soll die Zahl der älteren und oft pflegebedürftigen Menschen immer mehr wachsen, während es weniger Nachkommen gibt. Bei der stationären Pflege wird daher mit einem Zuwachs von 42 Prozent gerechnet, wofür man sich rüsten müsse – auch mit neuen Fachkräften.
Neue Aufgaben
Das Mistelbacher Landesklinikum wird demnach ein Schwerpunktkrankenhaus bleiben (siehe unten) und weiterhin den Norden des Weinviertels abdecken. Gänserndorf erhält ebenso wie Hollabrunn ein Ambulatorium. Das bestehende Landesklinikum in Korneuburg soll zu einem Ausbildungszentrum für Pflegeberufe werden. Und in Hollabrunn ist ein Gesundheits- und Pflegecampus geplant, mit einem modernen Pflege- und Betreuungszentrum, einem psychosozialen Zentrum und auch einer Tagesstätte für ältere Menschen mit rund 20 Plätzen. Das bedeutet 288 neue Betten. Ebenfalls in Hollabrunn vorgesehen ist ein Frauengesundheitszentrum, außerdem soll es künftig in jeder Bezirkshauptstadt Primärversorgungseinheiten geben. Was mit dem bestehenden Stockerauer Klinikum mitten in der Stadt passieren soll, sei laut Stadtchefin Völkl noch offen.
Klar ist aber auch: All das ist noch Zukunftsmusik. Die neue Versorgungsstruktur in der Region werde in den kommenden 10 bis 15 Jahren umgesetzt. Bis dahin würde das bestehende Angebot erhalten bleiben. „Sämtliche Strukturen bleiben aufrecht, bis neue Strukturen geschaffen werden“, betonte Kasser. Außerdem versicherte er einmal mehr, dass jeder Arbeitsplatz innerhalb der Region erhalten bleiben soll.
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