Neues Weinviertel-Spital: Eine Stadt prescht bei Klinik-Planung vor

Die Stadt Hollabrunn will Standort des neuen Landesklinikums Weinviertel Süd-West sein.
Gunther Leeb

Ende April soll die Entscheidung verkündet werden, wo das neue Landesklinikum Weinviertel Süd-West errichtet werden soll. Wie berichtet, sieht der Gesundheitsplan 2040+ vor, dass die Standorte in Hollabrunn, Stockerau und Korneuburg durch einen gemeinsamen ersetzt werden. Die Größenordnung: 700 Betten, 100 ambulante Plätze und 2.300 Mitarbeiter.

Dass Ende April die Entscheidung feststehen soll, wurde den Bürgermeistern der drei genannten Städte in einem Gespräch vor etwa zwei Wochen gesagt. „Es waren die Bürgermeister der Städte, die jetzt Klinikstandorte haben, dabei, um ihnen den Weg zur Standortfindung zu erklären“, betont Jan Teubl, Sprecher von Landesrat Anton Kasser (ÖVP), der dem Zeitplan ein „hoffentlich“ hinzufügt. 

Studie, die für Hollabrunn als Standort spricht

Die Hollabrunner sind jedenfalls voller Tatendrang, geht„s nach ihnen, kann der Spatenstich schon vorbereitet werden. “Wir sind eigentlich fertig. Fred kann schon den Spaten holen„, sagte Allgemeinmediziner Gunther Leeb bei einer Pressekonferenz zu Bürgermeister Alfred Babinsky (ÖVP). Dieser Euphorie liegt eine Studie des Instituts Economica für Wirtschaftsforschung zugrunde, die von der Stiftung der Weinviertler Sparkasse finanziert wird. Im Herbst wurde bereits eine Standortstudie präsentiert, nun folgten weitere Aspekte, die laut Leeb zeigen: “Es spricht alles ganz klar für uns.„

Grafik Weinviertel Klinikum

Hollabrunn liegt im Zentrum des westlichen Weinviertels - ein Punkt, der laut den Hollabrunnern für die Errichtung des geplanten Klinikums spricht. 

Hollabrunn sei der einzige Standort im westlichen Weinviertel, der eine zentrale Erreichbarkeit sicherstelle. Aus allen Teilen des westlichen Weinviertels sei man innerhalb von 30 Minuten in Hollabrunn, diese halbe Stunde ist eine kritische Zeitvorgabe der medizinischen Versorgung. Zudem spreche die demographische Entwicklung (“Wir haben die ältesten Menschen in der Region und das bleibt bis 2050 so.„) für die Bezirkshauptstadt. Und: Der vorgesehene Standort, der Rübenplatz vis-à-vis vom Bahnhof, sei ideal erreichbar. 

Personal zieht nach Hollabrunn

Was sind die neuen Aspekte? Die Stadt sei als Arbeitsplatz auch deswegen attraktiv, weil die Grundstücks- und Wohnungspreise im Vergleich zu den anderen Städten günstiger seien. “38 Prozent des Personals im Krankenhaus pendelt, viele auch aus Wien„, weiß Leeb. Der Prozentsatz ist in Korneuburg (48%) und Stockerau (56%) höher. Warum, weiß der Mediziner: “Die Leute ziehen zu uns heraus. Dann hast du natürlich einen ganz anderen Bezug zum Klinikum.„

Visualisierung Klinikum Weinviertel Süd-West

So könnte das geplante Landesklinikum Weinviertel Süd-West am Hollabrunner Rübenplatz aussehen. 

Weiters steht bereits jetzt ein Gesamtenergiekonzept für das Weinviertler Klinikum: Die Stadt könne zu 100 Prozent regionale und erneuerbare Energie bereitstellen. Dadurch spare das künftige Krankenhaus 700.000 Euro, weil keine Netzkosten anfallen. Auch der Ausbau des Netzes falle weg, eine einmalige Ersparnis von 18 Millionen Euro, wie Leeb vorrechnet. Durch die Energieautarkie könne ein “Green Hospital„ betrieben werden. 

Hubschrauber kann problemlos landen

Ein dritter Punkt, den die Hollabrunner vorbereitet haben, ist der Hubschrauberlandeplatz. Dieser würde sich am Dach des Spitals befinden, zwei Einflugschneisen sind bereits berechnet. 

“Wenn das Klinikum nicht zu uns kommt, dann wäre das ganze nördliche Weinviertel unterversorgt. Wir sind im Zentrum, darum hoffen wir, dass wir den Zuschlag bekommen„, sagt Leeb. Den wundert es übrigens, dass weder Stockerau noch Korneuburg bis jetzt ein Konzept präsentiert haben.

Visualisierung Einflugschneise

Der Rettungshubschrauber kann problemlos am Hollabrunner Rübenplatz - dem Wunschstandort der Hollabrunner für das neue Weinviertler Krankenhaus - landen. 

Korneuburg teilt Konzepte nur mit Land

Der KURIER fragte nach: “Wir haben mehrere Grundstücke gemeldet und zu jedem ein Konzept abgegeben„,  informiert Christian Gepp, ÖVP-Bürgermeister von Korneuburg. Wo sich diese Grundstücke befinden, hat der Landtagsabgeordnete nicht verraten. Dem Land und somit der Expertenkommission, die die Grundstücke und Optionen bewertet, wurden die Möglichkeiten, die es in Korneuburg gibt, natürlich näher gebracht. Eine öffentliche Präsentation des Konzepts hält Gepp zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für sinnvoll, da sich in den nächsten 15 Jahren noch vieles ändern werde. So viel Zeit werden Planung und Bau verschlingen.

In Stockerau hält man sich hinsichtlich der eingereichten Standorte – vier an der Zahl – weniger bedeckt. Vor allem die drei Grundstücke an der B4 hält ÖVP-Finanzstadtrat Gerhard Dummer für perfekt geeignet. “Diese sind zum Teil schon gewidmet und  haben eine sehr gute Verkehrsanbindung. Außerdem gibt es im Norden der Stadt viele Nahversorger, ohne zu nah am Wohngebiet zu liegen„, denkt er an Lärmquellen wie Hubschrauberlandungen. 

Ausreichend Platz für Ausbau

Bei den Grundstücken gebe es genügend Raum für einen Ausbau des Klinikums. Ebenso könnten dort Betriebe, die zum Krankenhaus dazugehören, angesiedelt werden. “Wir sind ein guter Standort und liegen mittig im Einzugsgebiet„, betont er. Außerdem habe Stockerau neben Freizeitbetrieben auch Handwerksbetriebe und  Wohnraum für die Angestellten zu bieten. 

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