„Keiner bleibt zurück“: Dürnleis zeigt vor, wie Barrierefreiheit gelingt
Die Königliche Kellergasse Dürnleis wurde zu einem barrierefreiem Ausflugziel. Kellergassenführerin Ilse Gritsch und Bürgermeister Martin Eckl genießen auf der neuen überdachten Sitzgelegenheit einen kühlen Frizzante.
Seit Jahren ist ein Platz am Beginn der Dürnleiser Kellergasse in Gemeindebesitz: „Wir haben nicht genau gewusst, was wir damit machen sollen. Er hat auf seinen Einsatz gewartet“, sagt Martin Eckl, Bürgermeister der Gemeinde Nappersdorf-Kammersdorf und selbst Dürnleiser.
Jetzt hat der Platz dank Kellergassenführerin Ilse Gritsch seine Bestimmung gefunden: Das Platzl wurde barrierefrei gestaltet. Es gibt einen WC-Keller mit Wickeltisch und eine überdachte Sitzgelegenheit vor einer Infotafel, die die Geschichte der „Königlichen Kellergasse Dürnleis“ erzählt. Schon Kardinal Franz König war dort gerne zu Gast und hat seine Spuren hinterlassen.
Barrierefreier Tourismus in der Kellergasse
Begonnen hat alles am 18. Jänner 2024. Daran erinnert sich Gritsch noch genau: Weinvierteltourismus lud da zu einer Veranstaltung über barrierefreien Tourismus, das Projekt „CE-Spaces4All“ ein. „Das hat mich sofort angesprochen“, erinnert sich die Kammersdorferin. Denn bei ihren Kellergassenführungen merkte sie: Die Menschen, die zu ihr kommen, sind zwar noch mobil, doch in größeren Gruppen sind immer ein oder zwei Personen dabei, die nicht mehr ganz so fit sind.
„Die überlegen dann, ob sie es noch schaffen oder ob sie lieber sitzen bleiben und nicht mehr mitgehen“, schildert Gritsch. Für sie ist das allerdings keine Option: „Unser Leitspruch ist: Bei uns bleibt niemand zurück.“ Darum wurde dann einfach eine Heurigenbank durch die 400 Meter lange Kellergasse mitgetragen. „Oft haben wir sie gar nicht gebraucht, aber es hat den Leuten Sicherheit gegeben, dass sie sich hinsetzen könnten.“
Durch Förderung und Begeisterung Projekt realisiert
Wer Gritsch kennt, der weiß, dass sie es charmant versteht, andere mit ins Boot zu holen, wenn sie eine Vision hat. So ging sie zum Bürgermeister, denn das Ganze musste auch finanziert werden. „Gemeinsam mit der Leader-Förderung, Ilses Begeisterung und den überschaubaren Kosten für die Gemeinde haben wir das Projekt realisiert“, spricht Eckl von 13.000 bis 15.000 Euro, die die Gemeinde übernahm. Den Rest der 130.000 Euro wird durch die Leader-Region finanziert.
Am vergangenen Sonntag wurde das neue Kellerplatzl feierlich eröffnet. Mit dabei waren (v.l.): Josef Goll, Leader-Obmann Peter Steinbach, Leader-Geschäftsführerin Renate Mihle, Petra Thürr, Eva Köllner, Künstlerin Anita Windhager, Bürgermeister Martin Eckl, Reinhard Böck, Michael Böck, Kellergassenführerin Ilse Gritsch, Franz Gritsch, Pater Augustinus Andre, Vizebürgermeisterin Maria Kappe und Landtagsabgeordneter Richard Hogl.
In der Kellergasse gibt es nun mehr Bankerl, der Kulturkeller oder auch die „Köllakredenz“ - ein kleines Kellermuseum - wurden mit Rampen ausgestattet, damit die Gäste mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen überall hin können.
Hörstationen in verschiedenen Sprachen
Entlang der Kellergasse gibt es zudem zehn Hörstationen. Wer dort den QR-Code scannt, erfährt Charakteristisches über die Kellergasse - und zwar auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Weinviertlerisch. Geschrieben wurden die Texte von Ilse Gritsch, gesprochen von Schülerinnen der Hollabrunner HLW. „Das war gut. Die Jugend hat mit der Kellergasse ja nix am Hut und so haben sie einen neuen Blick darauf geworfen.“ Es ist sogar angedacht, die Texte in Gebärdensprache zu übersetzen.
Neun Stationen sind entlang der Kellerzeile zu finden, eine steht in einem Weingarten des Bürgermeisters. „Von dort hat man eine wunderbare Aussicht ins weite Land“, erzählt Gritsch.
Verein pflegt neues Kellerplatzerl
Gemeindechef Eckl ist froh, dass es im 180-Seelen-Ort Dürnleis nun ein barrierefreies Ausflugsziel gibt. Entlang der Kellergasse wurden junge Birken gesetzt, die von der Gemeinde und dem Verschönerungsverein unter der Leitung von Franz Fritz gegossen werden. Der Verein ist es auch, der sich der Pflege des neuen Kellerplatzl annimmt. „Das freut uns sehr, denn es sind laufend Leute da“, beobachtet Martin Eckl.
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