Barrierefreies Reisen in NÖ: Warum die Rampe allein nicht ausreicht

"CE-Spaces4All" ist ein grenzüberschreitendes Projekt der Regionen Weinviertel und Znaim, das den Tourismus für alle erlebbar machen will, ganz ohne Barrieren.
Barrierefreier Tourismus Retz

Wie wichtig es ist, touristische Angebote barrierefrei zu gestalten, habe Hannes Steinacker, Weinviertel-Tourismus-Geschäftsführer, vor drei Jahren, als das Projekt „CE-Spaces4All – barrierefreier Tourismus“ gestartet ist, nicht geahnt. Nun fand im Retzer Schüttkasten (Bezirk Hollabrunn) die Abschlusskonferenz statt.

Zunächst denkt man bei Barrierefreiheit nur an Maßnahmen vor Ort: Dort eine Rampe. Vielleicht noch ein Audioguide. Doch ein barrierefreier Zugang beginnt viel früher, wie das grenzüberschreitende Projekt – hier wurde in den Regionen Znaim und Weinviertel zusammengearbeitet –  deutlich machte.

Welcher Ort ist barrierefrei?

„Wir wollen wissen, ob ein Ort für uns zugänglich ist“, schildert Marie Scott, die nach einem Reitunfall im Rollstuhl landete. Sie reist weiterhin gern und recherchiert dazu vorab im Internet. Ist dort nicht ersichtlich, dass ein Hotel oder ein Ausflugsziel beispielsweise für Rollstuhlfahrer zugänglich sind, „glauben wir, dass es nicht so ist“ –  dann geht die Reise anderswo hin. Der Kunde ist verloren.

Scott weiß aber auch: „Viele erbringen Leistungen für Behinderte, aber kaum jemand hat es auf seiner Webseite.“ Unterschiede zwischen Tschechien und Österreich gebe es da nicht. Ein Problem dabei: „Die Anbieter wissen oft nicht, welche Informationen wir brauchen.“ Darum wurde im Zuge des Projekts, an dem insgesamt sieben Länder in Europa teilnahmen, ein Zugänglichkeitsguide entwickelt.

Große und dankbare Zielgruppe

Denn Menschen mit Behinderungen, egal welchen, „sind eine große, dankbare, wertschöpfende Zielgruppe“, wie Steinacker auch aus eigener Erfahrung weiß. Sein Schwiegervater sitzt seit 40 Jahren  Jahren im Rollstuhl, reist viel und sieht für sich selbst kaum Einschränkungen.

Barrierefreier Tourismus

Da beeinträchtigte Menschen oft auf Assistenz angewiesen sind, reisen sie häufig in größeren Gruppen, bleiben länger in der Region, vermeiden die Hauptsaison und wenn alles klappt, „sind wir treue Kunden“, bestätigt Scott. 

Bewusstsein schaffen

Steinacker sieht in dieser Personengruppe darum großes Potenzial für den Tourismus, auch für das Weinviertel. „Es ist oft nur ein kleiner Schritt, um ein Produkt für alle erlebbar zu machen – wir müssen nur Bewusstsein schaffen.“ Das habe viele gesellschaftliche Vorteile, denn die Menschen werden immer älter – auch wer ein neues Knie oder eine neue Hüfte hat, freue sich über einen barrierefreien Zugang.

Tourismusvertreter in Österreich und Tschechien sind froh über das Projekt „CE-Spaces4All“. Jan Kos vom Nationalpark Podyjí bringt es auf den Punkt: „Wir widmen uns dem Thema seit 15 Jahren. Aber es ist nichts weiter gegangen. Es freut uns, dass ihr uns mit diesem Projekt in den Hintern getreten habt, damit wir uns bewegen.“ So gibt es nun einen barrierefreien Steg zu einem Aussichtspunkt. 

Der Nationalpark Thayatal wird in den nächsten zwei Jahren 50.000 Euro in die Hand nehmen, um die „Liebe zur Natur allen weiterzugeben“, schildert Nationalparkdirektor Christian Übl. So soll etwa eine Rampe vom Café zum Spielplatz errichtet werden.

Mit Handicap am gesellschaftlichen Leben teilnehmen

Jaroslav Chaloupecký, Direktor vom Znaimer Gesellenhaus ist überzeugt: „Alle, die ein Handicap haben, wollen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“ Darum seien barrierefreie Zugänge so wichtig. Er selbst erkannte im Zuge des Projekts, wie viele Menschen mit Einschränkungen welcher Art auch immer Leben müssen – darum gehen Arbeit und Bewusstseinsbildung nach Ende des Projekts weiter.

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