Weingärten als "Abholmärkte"

Winzer Dockner Opfer Rebendiebe
Foto: KURIER Winzer Dockner zeigt, wo seit kurzem Weingarten-Pfähle fehlen

Diebstähle von frisch gesetzten Weinreben oder Weingarten-Pfählen ärgern die Winzer. Sie fordern zu Aufmerksamkeit auf.

Winzer Josef Dockner aus Höbenbach, Bezirk Krems, weiß sich nicht mehr zu helfen. Seit Jahren bedienen sich Diebe in seinen Weingärten. Die stehlen aber nicht etwa süße Trauben, sondern frisch gesetzte Rebstöcke oder – wie zuletzt – Weingarten-Pfähle. Er ist nicht der einzige Hauer in der Region, der solche Verluste erleidet. "Das ist mehrfach unangenehm. Wir haben nicht nur den Schaden, sondern auch die Arbeit. Aber am Schlimmsten ist, dass man die Reben nicht einfach nachkaufen kann", erklärt Dockner. Jetzt sind auch 60 Stahlpfähle verschwunden.

Ähnlich ging es Winzer Franz Tanzer aus Thallern, Bezirk Krems: "Fünf Tage nach dem Pflanzen waren 30 Reben wieder weg." Er fordert Kollegen und Spaziergänger auf, die Augen offen zu halten.

Damit spricht er einen möglichen Hintergrund für die Diebstähle an: Seit ein Maifrost im Jahr 2010 in österreichischen Rebschulen kräftige Ausfälle verursacht hat, kommen sie mit der Produktion nicht nach. "Beliebte Sorten wie Grüner Velt­liner oder Müller Thurgau sind ständig ausverkauft", erklärt Rebschul-Besitzer Josef Fürnkranz aus Hadres im Weinviertel. Der Import von Unterlagsreben für die Veredelung stockt ebenfalls, weil die auch in Frankreich und Italien Mangelware seien. Die Preise dafür seien in zwei Jahren von etwa dreizehn auf heute 19 Cent gestiegen.

"Mir wird nichts übrig bleiben, als die Preise zu erhöhen", sagt Franz Backknecht, Landesweinbaupräsident und Rebschulinhaber aus Rohrendorf bei Krems: "Ich komme gerade aus Deutschland zurück, da hätte man mir Unmengen Rieslingreben aus der Hand gerissen." In Österreich werden rund acht Millionen Reben im Jahr produziert. Da die Frostschäden von 2010 in den Weingärten erst voriges Jahr sichtbar geworden sind, erhöhte das zusätzlich den Bedarf an Setzlingen.

Ob hinter den Diebstählen wirklich Winzer stecken, ist noch unklar. "Wir können ja keine Weingartenhüter ausschicken, unsere Gärten liegen bis zehn Kilometern verstreut", sagt Dockner.

Ein Branchenspezialist hat eine Idee für einen Trick, der Diebe abhalten soll: Wein­reben mit falschen Sortennamen beschriften. Die Polizei hofft auf Zeugen.

(kurier) Erstellt am
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